Interview: Revierkampf am Louvre

In einigen Ländern werden deutsche Reiseleiter schikaniert. Björn Stüben von Studiosus klagt über italienische Polizisten und die Prüfung im Louvre

Reiseleiter sind meist freundliche Menschen. Warum wurden Sie in Italien von der Polizei mitgenommen?

Nach einer Führung in Assisi lautete der Vorwurf, dass ich als Ausländer kein Recht hätte, dort zu arbeiten. Das stimmt aber nicht, denn Reiseleiter dürfen ihren Beruf in der ganzen EU ausüben. Und nach ein paar Telefonaten musste mich die Polizei dann ja auch wieder gehen lassen.

Wenn Sie überall in der EU arbeiten dürfen, wieso kommt es dann zu solchen Vorfällen? Reiseleiter ist in Deutschland kein geschützter Beruf. Es gibt keine Ausbildung, kein Studium, kein Zertifikat. Das macht es nicht leicht, wenn man sich mit Polizisten und Behörden auseinandersetzen muss.

Welche Qualifikation wird verlangt?

In Italien muss man einen Tätigkeitsnachweis erbringen, in Frankreich einen Abschluss in Tourismus vorweisen oder eine spezielle Prüfung absolviert haben.

Ist das für uns Reisende nicht ein Vorteil?

Nein. Alle Studiosus-Reiseleiter haben studiert, etwa Kunstgeschichte oder Geschichte, und erhalten zusätzliche Trainings in Gruppendynamik und Didaktik. Nur weil uns dieses Papier fehlt, sind wir nicht weniger qualifiziert als die Kollegen, die ständig dort arbeiten oder wohnen.

Von denen werden Sie bei der Polizei angeschwärzt?

Wenn man mit einer Gruppe vorm Dom in Florenz steht und das Bauwerk erklärt, kann es passieren, dass einen die einheimischen Reiseleiter beschimpfen. Manchmal rufen sie die Polizei, die nimmt einen oft erstmal mit, so wie mich eben. Studiosus beschäftigt für solche Fälle einen Rechtsanwalt in Rom.

In welchen Ländern ist die Situation besonders schlimm?

Italien und Griechenland. Je heftiger die Krise in einem Land, desto größer die Angst um den Job. Man versucht, Konkurrenten auf jede mögliche Weise loszuwerden.

Und wie kann man sich gegen die Schikane wehren?

Gar nicht. Sie können nur Augen und Ohren offen halten. Irgendwann kennt man die Kollegen, die einem immer wieder Ärger machen – und geht ihnen aus dem Weg.

Italien will nun seine Haltung lockern. Was versprechen Sie sich davon?

Versprochen wird immer viel... Wenn ein einheimischer Reiseleiter Sie nicht kennt, wird er Sie im Zweifel melden.

Wird es weiterhin Monumente geben, die einheimischen Reiseleitern vorbehalten sind?

Manche Museen bzw. Denkmäler machen für sich das Hausrecht geltend. Deshalb dürfen im Louvre und im Schloss von Versailles nur Reiseleiter führen, die die Prüfung für den "Guide Régional" bestanden haben, eine französische Qualifikation.

Ist die Prüfung schwer?

Sie dauert drei Stunden.

Sie haben sie gemacht?

Ja.

Und bestanden?

Leider nein.

Auch Schikane?

Ich habe die Sache unterschätzt, ich war einfach nicht gut vorbereitet.

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