Österreich Winterwandern im Bregenzerwald

Wer Schnee liebt, aber nicht Ski fährt, ist in Österreichs Westzipfel richtig: Sanft gewellte Wanderstrecken passieren Holzhäuser, Kapellen und Dorfschönheiten
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Einsam, verschneite Gipfel erklimmen und sich in verwunschenen Wäldern verlieren - wer sich im Winter den Bregenzerwald erwandert sucht die Einsamkeit und findet sie auch

Kein Mensch, kein Windhauch, kein Vögelchen – nur tief verschneite Fichten und Weisstannen, aus denen ab und zu ein paar Flocken rieseln: So schön wie in diesem Zauberwald habe ich mich schon lange nicht mehr verlaufen. Irgendeinen der pinkfarbenen Winterwanderwegweiser muss ich wohl übersehen haben – gar nicht so einfach vor blendend weißen Schneemassen. Oder war das Zeichen eingeschneit? Jedenfalls gingen meine Begleiterin und ich geradeaus, wo wir hätten abbiegen sollen. Und bestiegen so aus Versehen einen auf unserer Tour nicht vorgesehenen Berg – den Brüggelekopf mit seinen 1182 Metern. 300 Höhenmeter Umweg, und das gleich auf der ersten von mehreren Wanderungen, auf denen wir die Kulturlandschaft des Bregenzerwalds mit seiner markanten Holzarchitektur erkunden wollen. Auf geräumten, gewalzten oder sonstwie bewanderbar gemachten Wegen, die durch das sanft gewellte Vorgebirge bis an die hochalpinen Gipfel von Kanisfluh und Damlüser Mittagsspitze führen.

Die Verirrung zum Auftakt bleibt aber die Ausnahme. Fortan sind wir auf moderat ansteigenden und gut ausgeschilderten Wegen unterwegs, mit prächtigen Ausblicken über Wald und Berg oder beschaulichen Schneeidyllen wie der nahezu eingeschneiten Waldkapelle auf dem Weg von Andelsbuch nach Bezau. Die einzelnen Etappen und Hotels hatten wir uns vorher im Internet herausgesucht (www.bregenzerwald.at). Zwischen drei und fünf Stunden täglich sind wir unterwegs – gerade lang genug für das Prädikat "Wanderung". Und kurz genug, um noch Raum für andere Aktivitäten zu lassen: eine Seilbahnfahrt von Bezau zur Panorama-Station Baumgarten beispielsweise, von der aus wir bis zum Bodensee blicken können. Zurück ins Tal geht es dann mit einer Schlittenfahrt in aberwitzigem Tempo. Vor allem aber gönnen wir uns einen Abstecher in das Werkraumhaus in Andelsbuch (Hof 800, www.werkraum.at). Dort präsentieren sich die Menschen, die den Bregenzerwald zu einer eigenwilligen Kulturlandschaft geformt haben: Handwerker und Designer, die Holz lieben. Das Faible der Region für den natürlichen Werkstoff ist ohnehin schwer zu übersehen.

Wie mit einem Schuppenkleid bedeckt muten viele der traditionellen Häuser an, so fein sind sie geschindelt. Doch es sind vor allem die neueren Gebäude, die das besondere Bild der 22 Dörfer im Bregenzerwald prägen – geradlinig in traditionellen Holzbautechniken errichtet. Ein- und Mehrfamilienhäuser, Gewerbebauten, Rathäuser, Hotels – die Dörfer beeindrucken mit einer erstaunlichen Dichte an moderner Holzarchitektur. Eine klare Absage an volkstümelnde "Lederhosen-Architektur", wie sie hier ironisch heißt. "Das Typische an unserer Region ist eine Verbindung von traditionsbewusstem Handwerk und innovativer Gestaltung", fasst es Markus Faisst treffend zusammen, einer der führenden Holzgestalter der Region, den wir bei einer Ausstellung in seinem Atelier in Hittsau treffen (Nußbaum 361, www.holz-werkstatt.com). Zu bewundern ist seine Arbeit aber vor allem in zahlreichen Hotels und Gaststätten der Region, bei denen er die Innenausstattung besorgt hat. Ganz nebenbei wird unsere Wanderung so zu einer Schule des Sehens: Wir lernen, je nach Farbton der Holzverkleidung, Wetter- und Sonnenseiten von Häusern zu unterscheiden, kennen alsbald die hellen Farben der Weißtanne mit deren Holz Wirtshäuser und Hotelzimmer ausgebaut sind, und wir lernen die sägeraue Griffigkeit von Holzböden und Tischplatten zu schätzen. Eine Region wie aus dem "Manufactum"- Katalog, so kommt sie mir manchmal vor: Sogar die Bushaltestellen könnten hier internationale Designerpreise gewinnen. Zumindest im 1000-Seelen- Ort Krumbach, wo sieben renommierte Architekturbüros aus aller Welt gemeinsam mit lokalen Handwerkern die Buswartehüsle gestaltet haben. Manche davon sind so schön, dass sie sich durchaus auch als Rastplatz für müde Wanderer eignen. Oder verirrte.

Infos Winterwandern

Der Bregenzerwald ist von einem Netz aus präparierten Winterwanderwegen durchzogen, viele von diesen Wanderungen folgen Rundwegen, die bequem an einem Tag oder weniger zu bewältigen sind. Streckenprofile findet man unter www.bregenzerwald.at/winter-aktiv/ oder unter www.outdooractive.com. Wem eine schlichte Einkehr unterwegs nicht reicht, der bucht eines der vier kulinarischen Wander-Arrangements, bei denen Frühstück, Mittag und Nachtisch serviert werden (http://goo.gl/UPhPTi). Eine ausgesprochen reizvolle Variante ist das Package Winterwandern mit insgesamt vier Übernachtungen, Halbpension, genauer Routenbeschreibung und Gepäcktransport zwischen den Wanderetappen; sie ist ebenfalls buchbar unter: www.bregenzerwald.at. Für die meistenteils gut geräumten Wege reichen Wanderstiefel aus. Sinnvoll sind Wanderstöcke, Gamaschen und Spikes.

Ansehen

Altersschwarzer Bregenzer Holzbarock, Skipiste bis vor den Dorfbrunnen. In Schwarzenberg sieht alles noch so aus wie früher. Wunderschön auch von innen: der ehrwürdige Gasthof Hirschen, in dem Impresario Franz Fetz die stimmungsvolle Küchen-, Konzert- und Lesungsreihe Wälderness veranstaltet: Regionale Vorarlberger Küche, abgeschmeckt mit handgemachten Klängen, von moderner Alpen-Musi über Jazz und Tango bis Hip-Hop (www.waelderness.at). Wer danach nicht mehr nach Hause mag, kann dort übernachten: www.hotel-hirschen-bregenzerwald.at, DZ/F ab 188 €

Japan, Chile, Russland – das sind nur einige der Länder, aus denen die Architekten der sieben Haltestellen des Projekts BUS:STOP in Krumbach stammen. Die kleinen Nutzbauten präsentieren sich mal poetisch, mal praktisch – aber immer sind sie in Zusammenarbeit mit dem regionalen Handwerk entstanden. www.kulturkrumbach.at

Erdgeschoss: Feuerwehr-Wache, Obergeschoss: Frauenmuseum. In dem modernen Holz-Glas-Beton-Kulturhaus in Hittisau prallen Welten aufeinander. Oder auch nicht: Eine neue Dauerausstellung über die Pionierinnen des Alpinismus zeigt tollkühne Frauen, von deren Mut sich so mancher Feuerwehrmann eine Scheibe abschneiden könnte. Hittisau, Platz 501, www.frauenmuseum.at

Essen & Schlafen

Herzlich, familiär, mit Bergblick: Die Pension Bals in Hittisau umsorgt ihre Gäste auf angenehm persönliche Weise. Bühl 31,www.bals.at, DZ/F ab 80 €.

Gemütlich-traditionell: In sechster Generation führt Familie Hirschbühl den Hotel-Gasthof Adler in Krumbach. Dorf 5, Tel. 0043-551 38 15 60,www.adler-krumbach.at, DZ/F ab 110 €.

Edles, schlichtes Holzdesign, großartige Küche und eine üppige Weinkarte: Im Hotel Post in Bezau zeigt sich der Handwerksstolz der "Wälder" auf allen Ebenen. Die Station auf dem Winter-Weitwanderweg-Package ist ein guter Ausgangspunkt für Ski-, Schneeschuhund Schlitten-Aktivitäten. Brugg 35,Tel. 0043-551 42 20 70, www.hotelpostbezau.com, DZ/HP ab 330 €

Die Einrichtung des alteingesessenen Gasthofs Krone in Hittisau mutet wie eine Werkschau des modernen Bregenzerwälder Holzhandwerks an, vom Mobiliar bis zur typischen Kassettendecke. Und das Essen gehört zum Besten, was die regional inspirierte Küche bietet, von der feinen Forelle über deftige Käsknöpfle bis zum Kaiserschmarren. Mit sieben Partner-Restaurants gehört die "Krone" zur Vereinigung der "Mund-Art"-Gasthöfe (www.mundart-restaurants.at), die regionale Küche, Handwerk und Kunst auf gehobenem Niveau präsentieren. Am Platz 185, Tel. 0043-55 13 62 01, www.krone-hittisau.at, DZ/HP ab 172 €

Hinkommen

Die nächstgelegenen Flughäfen sind Friedrichshafen (www.bodensee-airport.eu) und Zürich, von dort verkehrt eine direkte Zugverbindung nach Bregenz. Vor Ort gibt es ein dichtes Busnetz (www.vmobil.at).

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