Reisetipps 36 Stunden in Reykjavik

Verschlafen und aufgeräumt kommt sie daher. Doch Islands Hauptstadt ist so facettenreich, dass manch Welt-Metropole vor Neid erblassen dürfte. Hier kommen die besten Tipps für ein Wochenende in Reykjavik
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Die Hallgrímskirkja ist eine evangelisch-lutherische Pfarrkirche und mit ihrem 74,5 Meter hohen Turm das zweitgrößte Gebäude auf ganz Island

Spätestens nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökul ist Island in aller Munde. Ganz zur Überraschung der Einheimischen. Mit dem Ausbruch dachten sie, nun sei es ganz vorbei mit dem Tourismus, dabei ging es erst so richtig los. Jeder wollte den launischen Vulkan sehen, Geschichten von Trollen und Elfen hören und die einzigartige Natur des Landes im Atlantik erleben. Wer nach Island reist, landet unweigerlich in Reykjavik und tut gut daran nicht gleich weiterzureisen. Die kleine Stadt kommt auf den ersten Blick ein wenig verschlafen daher, doch der Schein trügt. Wir verraten hinter welche Holzfassade sich ein Blick lohnt und wo die Isländer nachts Vollgas geben.

FREITAG

1. Einen Überblick verschaffen: Hallgrimskirkja

Das Gotteshaus wacht auf einem Hügel über der Stadt und gleicht auf den ersten Blick eher einer Betonfestung. Desto näher man allerdings kommt, umso mehr Details offenbaren sich: die Betonpfeiler, die sich aufreihend an den Kirchenturm schmiegen, sollen die in Island verbreiteten Basaltsäulen spiegeln. Statt verzierter Buntfenster ermöglichen große Glasfronten einen direkten Blick vom Altar in den Himmel. Die meisten Besucher betreten das zweithöchste Gebäude Islands allerdings wegen der Aussicht, die sich von der Spitze des Kirchturms genießen lässt. Die Hauptstadt Reykjavik mit ihren bunten Häusern, dem ikonischen Konzerthaus Harpa und dem Hafen liegen dem Betrachter zu Füßen.

Hallgrimskirkja, Skolavorduholti, www.hallgrimskirkja.is

2. Nachschlag bitte: Glo

Mit bestem Blick auf den Trubel der Haupteinkaufsstraße Laugavegur sitzen die Gäste des Glo in einem lichtdurchfluteten Raum mit Wänden aus Holzstämmen. Hinter der offenen Theke werden mit zufriedener Gelassenheit Brote geschnitten, Suppen eingeschenkt und Kuchen aufgeschnitten. Jeden Tag gibt es vier Gerichte: Raw, Fleisch, vegetarisch, Suppe. Dazu dürfen drei Salate und Brot gewählt werden. Der Suppennachschlag ist umsonst. Und weil es so nett ist, hat man schnell den ganzen Nachmittag dort verbracht.

Laugavegur 20b, www.glo.is

3. Souvenirs mal anders: Leynibudin

Erfrischend andere Souvenirs haben die beiden jungen Designerinnen Linda Ósk & Hulda Dröfn Gudmundsdottir in ihrem kleinen Laden Leynibudin. Ursprünglich hatten sie das Ladengeschäft nur für einen Sommer gemietet, daraus sind inzwischen drei Jahre geworden. Knallbunte Fliegen, T-Shirts mit Waldmotiven oder Schmuck aus Zahnrädern - hier gilt es sich umzuschauen, um dann mit einem unverwechselbaren Mitbringsel selig den Laden zu verlassen.

Laugavegi 55, www.leynibudin.is

4. Akustikprobe: 12 Tonar

In einem unscheinbaren, cremefarbigen Holzhäuschen liegt wohl einer der besten Plattenläden Europas. Doch das 12 Tonar sieht sich nicht nur als Verkaufsstätte von isländischer und internationaler Musik, sondern auch als Künstlerschmiede und Konzert-Location. Auf den durchgesessenen Couchgarnituren haben schon Björk und Sigur Rós an Stücken gefeilt. Hier werden erste Kontakte geknüpft und Bandmitglieder gefunden. Das eigene Recordlabel von 12 Tonar nimmt die Künstler gleich in den eigenen vier Wänden unter Vertrag und die danken es ihnen mit Live-Performances mit Wohnzimmer-Charakter: jeden Freitag.

Skolavordustig 15, www.12tonar.is

5. Back to the 80s: Kiki

Ok, man sollte Bonnie Tyler und Whitney Houston mögen und ihre Lieder auf der Tanzfläche so richtig ausleben wollen. Wer hinter diese beiden Aussagen einen Haken macht, ist im Kiki bestens aufgehoben. Tanzstile aller Art sind aufs herzlichste Willkommen und niemand wird für ausbaufähiges Taktgefühl oder wildes Herumwirbeln auf der Tanzfläche mit strengen Blicken bestraft. Und die leuchtenden Regenbogenfarben an der Eingangstür sind nicht der einzige Indikator dafür, dass hier sämtliche Paare gemeinsam feiern.

Laugavegur 22, www.kiki.is

 

SAMSTAG

6. Frühstück bei den Kaffeejüngern: Reykjavik Roasters

Ein paar Schritte von der Hallgrimskirkja entfernt, liegt das isländische Kaffeeparadies. Die Reykjavik Roasters rösten ihre Bohnen vor Ort und haben zu jeder Tasse ein paar Infos zur Hand. Sie kennen im Zweifel gar den Besitzer der Plantage, von der die Bohnen der herrlich dampfenden Tasse auf dem Tresen stammen, persönlich. Zwischen alten Holzmöbeln und Industrielampen werden zum ersten Kaffee des Tages frische Avocado-Stullen, Croissants oder Joghurt mit Blaubeeren und Müsli gereicht.

Kárastígur 1, www.reykjavikroasters.is

7. Shopping: Kolaportið Flohmarkt

Wer am Wochenende in der isländischen Hauptstadt ist, kommt um den beliebten Flohmarkt Kolaportið im Hafenviertel nicht herum. Auch wenn sowohl die Einheimischen als auch die Touristen sich hier jeden Samstag und Sonntag tummeln, lohnt sich ein Besuch. Zwischen Vintage-Klamotten, isländischer Strickkunst und Holzdekoration mischen sich diverse Aromen, wie Fisch oder Kardamom. Die kommen vom benachbarten Wochenmarkt und auch den sollte man sich nicht entgehen lassen, denn wo bietet sich sonst die Chance lokale Delikatessen wie fermentierten Hai zu probieren?

Samstag und Sonntag 11 – 17 Uhr, Tryggvagötu 19, www.kolaportid.is

8. Style auf Isländisch: Farmers Market

Nein, hier gibt es nichts zu essen, sondern Klamotten. Wer den Flagshipstore von Farmers Market betritt, möchte spontan in einen Kaufrausch verfallen, zu verlockend sehen die Jäckchen aus Lopi-Wolle mit isländischen Mustern für Sie und die flauschigen Holzfällerhemden für Ihn aus. Inspirieren lassen sich die beiden Gründer Joel Palsson und Bergthora Gudnadottir dabei von der isländischen Natur, deswegen dominieren gedeckte Farben die meisten ihrer Kollektionen. Entworfen und gefertigt werden alle Teile von Bergthora selbst, das spiegelt sich dann auch im Preis wieder, der die meisten Besucher dann doch von einem spontanen Kaufrausch abhält.

Hólmaslóð 2, Fishpacking District, www.farmersmarket.is

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Die Hauptstraße Laugavegur ist tagsüber Shopping- und Schlemmer-Paradies, nach Einbruch der Dunkelheit verwandelt sich die eigentlich ruhige Straße in die Ausgehmeile

9. Vielseitig Schlemmen: Eldur Café & Is

Es reicht nach Chai, Bananen und frischem Teig. Die Fensterscheibe ist beschlagen und die kleine Menschentraube vor dem Tresen schaut gebannt auf das handgeschriebene Crêpe-Menü an der Wand. Wer bei der großen Auswahl an süßen und herzhaften Variationen nicht fündig wird, kann seinen eigenen Crêpe kreieren und dabei aus Zutaten von Schokoladenstreuseln bis Rucola wählen. Die Bedienung steht dabei gern beratend zu Seite. Vegan, Gluten- oder Laktose frei sind auch kein Problem. Und Eis gibt es auch.

Skólavörðustígur 2, www.facebook.com/eldurogis

10. Konzertsaal bestaunen: Harpa

Wie ein an Land gespülter Eisklotz liegt das preisgekrönte Konzerthaus Harpa auf einer Landzunge im Hafen von Reykjavik. Seit 2011 steht es hier zwischen Neubauprojekten und Promenade. Die Glasbausteine der Fassade sollen die sechseckigen Basaltsäulen darstellen, die die karge Landschaft Islands prägen. Dabei gleicht keiner der 956 Bausteine dem anderen – ein Kunstwerk des Architekten Olafur Eliasson. Auch ohne eine Konzertkarte lohnt sich ein kleiner Spaziergang durch Harpa. Wer etwas mehr Zeit hat, schaut sich im hauseigenen 360-Grad-Kino einen Kurzfilm zu den schönsten Orten Islands an und stimmt sich auf die Weiterreise ein.

Austurbakki 2, www.harpa.is

11. Second Hand: Spuutnik

Amerikanische Baseball-Jacken, Blümchen-Kleider aus den 60er Jahren oder Ethno-Shirts, alles was das Vintage-Herz begehrt, ist bei Spuutnik zu finden und das schon seit 25 Jahren. Islands größter und ältester Second-Hand-Laden ist inzwischen eine Institution. Über Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Instagram werden stolz die neuesten Errungenschaften präsentiert und dann strömt die kaufwillige Vintage-Gefolgschaft in das Geschäft auf der Laugavegur. Wer hier herkommt, sollte Zeit und Lust zum Stöbern mitbringen, das Tresen-Personal unterhält den Shopping-Streifzug mit guter Musik und findet auch für die unentschlossene Kundschaft noch ein Lieblingsteil.

Laugavegur 28b/Kringlan, www.facebook.com/Spuutnik

12. Schlemmen wie die Wikinger: Dill

Lediglich Zutaten, die sich in der umliegenden Natur finden lassen, werden im gehobenen Restaurant "Dill" verarbeitet. Küchenchef Gunnar Karl Gíslason lernte in den besten Häusern der Welt und sorgt dafür, dass andere Sterneköche für ein paar Wochen bei ihm gastieren. Auf den Tellern der Gäste versammelt sich das Beste aus den nordischen Gefilden – roher Fisch oder Innereien gehören durchaus dazu. Wie ihre sieben Gänge entstehen, können die Gäste durch die offene Küche live verfolgen. Da das "Dill" inzwischen auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist, lohnt sich eine frühzeitige Reservierung!

Hverfisgötu 12, www.dillrestaurant.is

13. Hängenbleiben: Húrra Bar

So klein Reykjavik auch sein mag, die Ausgehszene ist hervorragend und immer im Wandel. Einer der nächtlichen Newcomer ist die Húrra Bar. Schlicht mit holzvertäfelter Theke, gemütlichen Sitzecken und Party-Girlanden kommt sie nicht neumodisch aber einladend daher. Viele der Nachtschwärmer starten hier ihren Abend. An der Bar gibt es sechs verschiedene Biere aus dem Zapfhahn, zwischen 22 und 23 Uhr heizen meist lokale Bands dem Publikum ein, Da danach eh keiner mehr sitzt, machen die DJs gleich weiter. Manche, die ursprünglich nur ein Bier trinken wollten, bleiben gleich bis in die Morgenstunden.

Tryggvagata 22, www.facebook.com/hurra.is

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Zwar gibt auch noch andere Orte auf der Welt, wo Kontinentalspalten mit Süßwasser gefüllt sind, aber nur auf Island im sogenannten Silfra Crack kann man Tauchen und Schnorcheln

SONNTAG

14. Auf dem mehligen Boden der Tatsachen: Sandholt

Über zwei Ladenlokale verteilt, erstreckt sich mittlerweile die Sandholt Bäckerei. Zu jeder Tageszeit weht ein verlockender Duft nach Zimtschnecken, Kuchen oder Brot auf die Laugavegur hinaus. Besonders wer früh auf eine der Outdoor-Touren geht, kann hier bereits ab halb sieben frühstücken. Unbedingt eins der Sauerteig-Brote probieren, die sind seit Eröffnung 1920 die Spezialität des Hauses..

Laugavegur 36, www.sandholt.is

15. Zwischen Kontinenten treiben: Silfra Crack

Es gibt viele Optionen die Innenstadt Reykjaviks für einen Vormittag gegen die einzigartige Natur Islands einzutauschen, doch der Ausflug zum sogenannten Silfra Crack sticht besonders hervor. Denn wo sonst kann man denn schon mal zwischen zwei Kontinentalplatten hin und her schwimmen? Mitten im rund eine Stunde von Reykjavik entfernt liegenden Nationalpark Thingvellir driften die europäische und die nordamerikanische Kontinentalplatten auseinander, pro Jahr ca. zwei Zentimeter. Entstanden ist über Jahrtausende der Silfra Crack. Genährt wird er von dem Wasser des Gletschers Langjökull. Das Gletscherwasser benötigt zwischen 30 und 100 Jahren, bis es im Thingvellir Nationalpark ankommt, es wird von dem porösen Lavagestein gefiltert und zählt zu den klarsten Gewässern der Welt. Deswegen ist der Silfra Crack besonders bei Tauchern beliebt mit einer möglichen Sichtweite von 100 Metern zählt das Revier zu den besten. Wer keinen Taucherschein hat, kann sich von der seichten Strömung durch den Spalt tragen lassen und schnorcheln. Bei einer maximalen Wassertemperatur von vier Grad geht das allerdings nur im Trockeneisanzug. Allein das Ankleiden ist den Ausflug wert. Sind alle Schichten angelegt, samt Kopfhaube und Taucherhandschuhen, wanken alle Teilnehmer wie Astronauten durch die karge, ja mondähnliche, Landschaft zu einer schmalen Eisentreppe, die in den Silfra Crack führt. Kaum ist der Kopf im Wasser, zeigt sich die Unterwasserwelt: Fische verirren sich nur selten in den steil abfallenden Spalt, dafür sorgen diverse Algen für eine bunte Landschaft – tief Grün bis rostig Rot überziehen die Unterwasserpflanzen die Steine, das Wasser schimmert hellblau im Hintergrund. Bis auf den eigenen Atem ist nichts zu hören. Rechts liegt Amerika und links Europa, nur wenige Kraulschläge voneinander entfernt. Rund 40 Minuten dauert die Schnorcheltour, der gesamte Ausflug vier Stunden.

Zum Beispiel buchbar über Arctic Adventures www.adventures.is, allgemeine Informationen gibt es unter www.silfra.org

SCHLAFEN

Kex Hostel

In der ehemaligen Keksfabrik an der Hafenstraße hat sich eins der trendigsten Hostels Islands eingerichtet. Industriecharme und Vintagemöbel zeichnen die Räumlichkeiten, in den, bis zu 140 Gäste Platz finden können, aus. Neben Schlafsälen und Doppelzimmern gibt es einen hauseigenen Herrenfrisiersalon, eine Bar und sogar einen kleinen Konzertsaal, in dem nicht selten gute Bands spielen. Wie es sich für eine ehemalige Keksfabrik gehört, wird das organische Frühstücks-Brot eigenhändig gebacken.

Skúlagata 28, Tel. 00354-5616060, www.kexhostel.is

Hellmur Square

Unten Hostel oben Hotel, das Hlemmur Square ist das neueste Haus des Hoteliers Klaus Ortlieb, der bereits das Hotel Gotham City in New York zu einem Erfolg machte. In der Stadtvilla aus dem Jahr 1930 sind zum einen 180 Hostelbetten in modernen Schlafsälen untergebracht, und zum anderen 17 Hotelzimmer, die im Dachgeschoss liegen und eine entsprechende Aussicht über Reykjavík bieten. Im Erdgeschoss sorgen die gut bestückte Bar und ein lauschiges Restaurant für das Wohl der Gäste.

Laugavegur 105, Tel. 00 354 561 6060, www.hlemmursquare.com

ANREISE

Auch wenn Island seit der Finanzkrise 2008 deutlich günstiger geworden ist, sind die Preise vor Ort nicht zu unterschätzen. Die Flüge nach Island hingegen sind spätestens seit Start der Fluglinie WOW Air sehr erschwinglich geworden. Das ganze Jahr über verbindet die 2012 gegründete Airline Berlin und Reykjavik. In den Sommermonaten gibt es ebenfalls Verbindungen ab Düsseldorf und Frankfurt. Oneway-Tickets gibt es bereits ab 75 Euro inklusive Steuern, www.wow-air.de.

Die Recherche wurde unterstützt von Iceland Tourism und WOW Air. Dies hat keinen Einfluss auf den Inhalt der Berichterstattung.

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