Schweiz Saas-Fee - günstig und entspannt

Schweiz erschwinglich: Im von vielen Viertausendern gesäumten Gletscherdorf nahe Zermatt hat das erste Wellness-Hostel der Welt aufgemacht
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Bereits 1951 entscheid man, dass Saas-Fee autofrei bleiben soll und so ist das Dorf im Kanton Walli inzwischen über die Landesgrenzen hinaus für seine nachhaltige Ansätze bekannt

Der Große Wagen prangt wie ein glitzernder Schlitten am schwarzen Himmel. Glühwürmchen gleich schieben sich Pistenraupen die Hänge hinauf. Zu ihren Füßen leuchten die Fenster der Hotels und Pensionen, aus der Dorfmitte lugt der Kirchturm hervor. Am Ortseingang stehen Stadel in Grüppchen, als hielten sie einen Plausch, historische Lagerhäuschen auf Steinfüßen, mit Schindeln gedeckt, das verwitterte Holz fast so schwarz wie die Nacht. Das Dorf in den Walliser Alpen nördlich von Zermatt trägt sein Abendkleid – und ich blicke, gerade angekommen, vom Fenster meiner Unterkunft in die Nacht.

Am nächsten Morgen geht der Vorhang auf für ein besonderes Spektakel, ein Blick wie auf eine Postkarte: Mehrere Viertausender recken ihre zackigen Gipfel in den blauen Himmel, darunter der Dom, der höchste Berg, der ganz auf Schweizer Boden steht. Zwischen ihnen thront wie ein Riesen-Baiser der Fee-Gletscher. Die Gondeln zockeln schon der Sonne entgegen, hinauf zu den Pisten am Plattjen, am Felskinn und am Mittelallalin, mit 3600 Metern der höchste Punkt des Skigebiets. Im September 2014 hatte der Schweizer Jugendherbergsverband das Wellnesshostel4000 eröffnet, das weltweit erste Hostel mit Spa. Und das mitten in den Alpen, am Ende des Saastals, hinter dem bald Italien beginnt. In einem autofreien Dorf auf knapp 1800 Meter Höhe, wo die Schnitzereien der Bergbauern Giebel und Balkone zieren und die Schule gleich neben der Kirche liegt. Ein Ort, über den der Dramatiker Carl Zuckmayer gesagt hat: "Man steht am Ende der Welt und zugleich an ihrem Ursprung, an ihrem Anbeginn und in ihrer Mitte." In seinem Arbeitszimmer im ehemaligen Pfarrhaus von 1732, heute das Herzstück des Saaser Museums hat Zuckmayer 1930 den "Hauptmann von Köpenick" geschrieben. Achtzig Jahre zuvor war Pfarrer Imseng als erster Skifahrer des Landes auf selbst gebastelten Brettern von Saas ins tiefer gelegene Grund gefahren, um einem Sterbenden noch Beistand leisten zu können. Als 1984 die Metro, die höchste unterirdische Standseilbahn der Welt, eröffnet wurde, die im Mittelallalin hinaufführt zur einem Drehrestaurant mit sonniger Aussichtsplattform, war fast jeder Winkel des Skigebiets bereits erschlossen. Nun sollte der nächste Superlativ folgen: ein mehrgeschossiges Hostel auf höchstem Öko-Standard mit einer Holzfassade, die einmal so verwittern wird wie die kleinen Stadel nebenan.

Ich war begeistert, als ich davon hörte, schließlich ist die Schweiz teuer, ein Skiurlaub erst recht. Ein Hostel mit Halbpension aber macht ihn erschwinglich. Im Ort gab es anfangs Vorbehalte gegen den modernen Neubau. Bewohner fürchteten um ihre Traditionen, Hoteliers die Konkurrenz; der Bürgerentscheid ging knapp aus. "Inzwischen sehen alle unser Haus als Bereicherung", sagt Leiterin Chantal Anthamatten. Schließlich wurde das alte Schwimmbad im Zuge des Baus saniert und um einen riesigen Spa erweitert. Das Aqua Allalin können nun alle Gäste des Orts nutzen. Ein echter Mehrwert, so sieht man das inzwischen. In der braunbeigen Lobby mit den bodentiefen Fenstern, den Cocktailtischen an Ledersofas und den Deckenlampen, die wie in Scheiben geschnittenes Eis aussehen, sitzt ein Pärchen am Kamin. Eine Gruppe junger Snowboarder steht um den Billardtisch herum. Im Aufenthaltsraum, wo Frühstück und Abendessen serviert werden, spielen Kinder. Mich zieht es auf die Terrasse zu den Liegestühlen mit den Fellen darauf. Nach einem Tag auf den perfekt präparierten Pisten genieße ich die Nachmittagssonne – und einen richtig guten Espresso. Dann schlüpfe ich in den Bademantel und gebe dem Spa auf Anhieb fünf Sterne: grauer Schiefer, edle Materialien, Dampfbad, Jacuzzi, Ruheraum, Balkone mit Bergblick und zwei große Saunen, die über der Schlucht zu schweben scheinen. Durch ihre Panoramafenster beobachte ich Gämsen, die über die Felsen klettern. Bis es dunkel wird – und die Glühwürmchen ihre Arbeit aufnehmen.

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Schlafsaal und Sauna: In Saas-Fee hat 2014 das erste Hostel mit eigenem Spa-Bereich eröffnet

Infos zu Saas-Fee

Das Gletscherdorf gehört zur "Freien Ferienrepublik Saas-Fee", dem touristischen Verbund der Gemeinden des Saastals. Übernachtungsgäste nutzen Ski- und Ortsbus gratis. www.saas-fee.ch

Saaser Museum

Heimatkunde im schönsten Gebäude des Orts. Historische Fotos, alte Bauernstube und Zuckmayers Arbeitszimmer. Dorfstrasse, www.3906.ch/de/vereine/kultur/saasermuseum/

Wellness-Hostel 4000

Nahe dem Busbahnhof in Fußnähe zur Gondel gelegen, mit großzügigen Gemeinschaftsräumen und Terrasse. Vor allem Doppel- und Familienzimmer, das Gros mit Gletscherblick. Zugang zu Spa und Schwimmbad des Aqua Allalin. www.youthhostel.ch/de/hostels/saas-fee, Ü/Mehrbettzimmer/F ab ca. 41 €, DZ/F ab 122 €, HP 17 €, Spa ca. 12,50 €, Schwimmbad gratis

Skigebiet

Umfasst Saas-Fee, Saas-Grund, Saas-Almagell und Saas-Balen. 150 Pisten-Kilometer, 39 Kilometer gespurte Loipen. 2012 zum besten Skigebiet der Schweiz gewählt. Skipass 6 Tage Gesamtgebiet ca. 315 €, Teilbereiche günstiger

Mittelallalin

Endstation der Standseilbahn. Dreherrestaurant mit Sonnenterrasse auf 3500 Meter Höhe. Großartiger Panoramablick auf die Gipfelwelt.

Gletscher-Experience

Größte Gletschergrotte der Welt. Auf dem Mittelallalin führt ein Tunnel ins Ewige Eis. Unter einer acht Meter dicken Decke verläuft ein Rundweg mit Erklärtafeln, kleine Kapelle und Eisskulpturen.

Hannig

Der Hausberg mit Blick auf die berühmten Gipfel von Mönch und Jungfrau. Für die Talfahrt gibt’s an der Gondel Leih-Schlitten.

Anreise

Flug nach Zürich (z. B. Swiss, Air Berlin) oder Genf (z. B. Easy Jet)

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