Island-Abenteuer: Eine reist, viele zahlen

Die 24-jährige Klara Harden aus Österreich ist für 25 Tage durch Island gewandert. Ganz allein, nur mit einem Rucksack, Kamera und Stativ bewaffnet, lief sie auch abseits der gängigen Wanderwege. In einem Dokumentarfilm hat sie ihre Erlebnisse festgehalten und plant nun weitere Projekte außerhalb Europas. Ihre Reisen finanziert sie durch Spenden aus dem Internet

Klara, du bist ganz alleine durch Island gewandert und hast dabei einen Film gedreht.

Was hat dich dazu bewegt, diese Reise anzutreten?

Als ich mich zu dieser Reise entschlossen habe, hatte ich gerade mein Studium des Informationsdesign abgeschlossen. Während meines Studiums habe ich hauptsächlich in Männerteams gearbeitet und gemerkt, dass ich mich häufig selbst unterschätzt habe, und somit auch von den anderen unterschätzt wurde. Ich glaube, ich wollte mir selbst etwas beweisen.

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Die Abenteurerin Klara Harden in Island

Warum gerade Island?

Ich wusste von der wunderschönen Landschaft Islands – viele Fotografen schwärmen davon. Da dies meine erste Wanderung alleine war, wollte ich in ein Gebiet reisen, wo es keine gefährlichen Tiere, wie beispielsweise Braunbären oder giftige Schlangen gibt. Ein weiterer Grund für mich waren die langen Sommertage, die ich optimal ausnutzen konnte.

Du hast deine Reise nicht selbst bezahlt, sondern über "Crowdfunding" finanziert. Was ist das genau?

Ich hatte zu der Zeit kein Geld, aber ich wusste, ich muss diese Reise machen, da es die letzte Chance für mich war, einem Büro-Job zu entgehen. Dann bin ich auf "Crowdfunding" aufmerksam geworden - eine relativ neuartige Möglichkeit, seine Projekte oder Geschäftsideen vorzustellen, die dann durch Spenden von Privatpersonen realisiert werden können.

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Einsam und unberührt: die Landschaft Islands

Wie hast du die Spender von Deinem Projekt überzeugt?

Ich hab ein Video auf das Crowdfunding Portal startnext.de hochgeladen, in dem ich mich selbst interviewt und erklärt habe, warum ich diese Reise unbedingt machen will. Circa 1.500 Euro haben Einzelpersonen für mich gespendet, denen die Idee gefallen hat.

Welche Gegenden von Island hast du denn bewandert?

Erstmal bin ich die gängigen Wanderwege gelaufen, beispielsweise den "Laugavegur". Da ich außerhalb der Tourismuszeiten unterwegs war, war trotzdem sehr wenig los. Ich war sofort fasziniert von der wunderschönen Landschaft. Es ist wirklich fast so, als würde man durch "Herr der Ringe" spazieren. Danach hab ich aber die allgemeinen Wanderwege verlassen und bin in die Highlands gegangen. Da herrschte dann die absolute Stille. Allerdings war die Landschaft da eher öde.

Zum Schluss lenkte mich meine Route auf eine Halbinsel ganz im Norden. Dort wird selten gewandert, da die Wege kaum gekennzeichnet sind. Drei Tage lang hab ich keine Straße und keinen Menschen gesehen.

Wem bist du überhaupt begegnet?

Einmal zum Beispiel habe ich mich im Nebel verlaufen. An einem Steilhang traf ich eine Gruppe der Bergrettung von Reykjavik. Sie haben mich sofort in ihre Mitte genommen. Nach so langer Zeit die Verantwortung ablegen zu dürfen - das war ein wunderbarer Moment für mich. Ganz besonders war für mich auch die Begegnung mit einem Polarfuchs. Da hatte ich lange Zeit kein Lebewesen gesehen. Es war wie ein freundschaftlicher Gruß der Natur: "Hallo, es ist ok, dass du da bist".

Gab es Momente, in denen du Angst hattest, so alleine unterwegs?

Ja. Ich habe mir vorher Sorgen gemacht, wie es wohl ist, nachts alleine im Zelt zu schlafen. Aber wenn ich schon den ganzen Tag niemand getroffen habe, warum sollte dann jemand in der Nacht vorbeikommen? Das Wandern war ohnehin so anstrengend, dass ich abends sofort eingeschlafen bin. Einmal aber hatte ich richtig Angst: Ich wollte über einen Bergrücken ins nächste Tal und wusste nicht, wie ich wieder runterkommen sollte. Der ganze Berg war aus losem Schutt und ich hatte große Angst, mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken einfach abzurutschen. Ich musste wirklich meine Panik unterdrücken. In dem Moment war ich böse auf mich selbst, weil ich nicht gut auf mich aufgepasst habe.

Wie hat dich die Reise verändert?

Ich wollte wissen: Wie weit kann ich gehen? Unterwegs hat man niemanden, den man um seine Meinung bitten kann. Man lernt, sich auf sich selbst zu verlassen und die Konsequenzen seines Handelns zu tragen, da man niemandem die Schuld an den eigenen Entscheidungen geben kann. Und wenn man einen Gedankengang beginnt, denkt man ihn zu Ende, denn es gibt keine Ablenkung wie im Alltag. Ich habe auf der Reise viele Gedankengänge fertig gedacht. Ich mag mich selbst mehr nach dieser Reise und weiß, dass ich mich auf mich selbst verlassen kann.

Wem würdest du eine solche Reise empfehlen?

Jedem, der ein Bauchkribbeln verspürt bei dem Gedanken, allein unterwegs zu sein. Die Grenzen zwischen einem selbst und der Natur verschmelzen. Und ich glaube, zu erkennen dass es auch ein anderes Leben gibt neben E-Mails, Laptop, Job und Geld, kann für jeden eine große Bereicherung sein. Man sollte sich auf keinen Fall von Widrigkeiten abhalten lassen – bei mir hat es funktioniert, auch wenn ich anfangs kein Geld hatte.

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Auch in der rauen Vulkanlandschaft schlug Klara ihr Zelt auf

Nach dieser Erfahrung in Island stehen nun weitere Projekte an...

Genau. Im Sommer begleite ich mit der Kamera eine Expedition nach Peru. Außerdem plane ich eine Fahrradtour durch Madagaskar und hoffe, auch dieses Projekt durch Crowdfunding finanzieren zu können. Dieses Mal ist mir der Inhalt wichtiger als die Erfahrung an sich: Während der zwei Monate, die ich durch Madagaskar fahre, möchte ich mit einem Film auf Charity- und Naturschutzprojekte aufmerksam machen.

Warum gerade mit dem Fahrrad?

Das Fahrrad ist das gängigste Fortbewegungsmittel in Madagaskar. Ich reise gerne langsam, brauche aber auch eine körperliche Herausforderung, die einen sehr nahe an das Land heranbringt.

Willst du mit deinen Filmen irgendwann auch einmal Geld verdienen?

Mein momentaner Plan ist auf jeden Fall das Reisen. Ich war noch nie wirklich außerhalb Europas. Ich möchte weiterhin Videos machen mit der Aussage: Die Welt ist ein schöner Ort und jeder kann etwas dazu beitragen, damit sie uns erhalten bleibt. Ich werde damit wahrscheinlich nicht viel verdienen, aber dafür werde ich lernen – und das ist auch ein Gehalt.

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