Bafut Ein Königreich macht Schule

Zwei Schweizer Studenten haben das kleine Königreich Bafut in Kamerun besucht und zeigen in ihrer Webdokumentation, wie sich eine Nation mit Bildung gegen Korruption und Armut wappnet. Wir zeigen die Dokumentation und sprechen mit den Machern

Wann und wo habt ihr das erste Mal von Bafut gehört?

Manuel: Das ist lange her. Mein Patenonkel Walter Fürst, welcher uns während der Zeit begleitet hat, reist schon seit rund 25 Jahren jährlich nach Kamerun. In Bafut hat er damals beim Aufbau sowie der Leitung einer technischen Schule geholfen und baute sich schlussendlich ein Haus. Schon als ich ein kleiner Junge war, zeigte mir Walter Fotos und erzählte von seinen Abenteuern in Bafut. Es war also ein langgehegter Traum von mir, mir selbst ein Bild dieser Gegend zu machen. Mit dem Projekt hat sich dieser Traum nun verwirklicht.

Marius: Von Bafut erzählte mir Manuel das erste Mal, als es darum ging eine Idee für meine Bachelorarbeit zu finden. Ich konnte mir zu diesem Zeitpunkt aber noch rein gar nichts darunter vorstellen. Auch nach stundenlangen Recherchen im Internet blieb das Königreich Bafut für mich ein Mysterium, was mein Interesse für diese Region ungemein steigerte. Es reizte mich extrem an einen Ort zu reisen, über den es kaum Reiseführer gibt und der unter Touristen noch gänzlich unbekannt ist.

Was hat Euch an dem kleinen Königreich so fasziniert, dass Ihr euer Abschlussprojekt dort gemacht habt?

Manuel: Walter war der Grund, überhaupt auf den Gedanken zu kommen, nach Bafut zu reisen. Alleine hätten wir die Reise wohl nie angetreten. Da wir wussten, dass Walter dort sehr gut vernetzt ist, waren wir uns sicher, an die für uns wichtigen Menschen heranzukommen. Einblick in eine Gegend zu erhalten, welche für die meisten Menschen in unseren Breitengraden wohl für immer verborgen bleibt, war sehr reizvoll für uns. Mit unserem Film soll sich jeder selber ein Bild der Nordwestprovinz machen können.

Marius: Afrika als Kontinent faszinierte mich schon lange. Kamerun insbesondere, da ich in meinem Zivildienst bei Greenpeace für ein Projekt namens Klimakarawane arbeitete, welches in Kamerun indigenen Völker Elektrizität durch Solarstrom ermöglichte. Während der ganzen Zeit hatte ich aber nie die Möglichkeit, auch nach Kamerun zu reisen. Als uns Walter dann von seiner Zeit in Bafut erzählte, vom Gegensatz zwischen Moderne, Tradition und Religion, von den Leuten und dem König war ich davon überzeugt, dass wir eine einmalige Chance geboten bekommen, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. So wurde unsere Bachelorarbeit zur Abenteuerreise nach Kamerun oder umgekehrt. Ein kleines Königreich in Afrika klingt per se schon sehr faszinierend, nicht?

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Der traditionell gekleidete König auf seinem Thron in einem der Gebäude des Palastes. Insgesamt ist er mit acht Frauen verheiratet und ist eines von rund 300 Geschwistern

Wie habt ihr Euch vorbereitet?

Manuel und Marius: Da wir bis zum Schluss nicht genau wussten, was uns in Kamerun ganz genau erwarten wird, entschlossen wir uns in Szenarien zu denken. Das heißt wir entwickelten vor der Reise zwei, drei grobe Ideen, um vor Ort flexibel zu sein und spontan auf das Thema eingehen zu können, welches uns am idealsten erschien. Die Geschichte, die uns von Anfang an am meisten reizte, konnten wir dann jedoch auch umsetzen. Was man bei einem solchen Projekt natürlich auch nicht vernachlässigen darf, ist das ganze Equipment. Wir führten an mehreren Tagen Techniktests durch. Die Hauptkamera, mit welcher wir drehen wollten, war neu für uns. Wir testeten das Handling, die Toneinspeisung, wie lange der Akku hält und vieles mehr. Ein weiterer wichtiger Punkt bei unserer Vorbereitung war die Reise, wie erklärt man einem kamerunischen Zollbeamten wieso man eine Drohne in seinem Reisekoffer hat? Erlaubt die Airline das mitführen einer Drohne im Gepäck? Brauchen wir eine Drehbewilligung um in einem fremden Land Aufnahmen machen zu können? Dazu kommt natürlich die übliche Reisevorbereitung wie Visa einholen, Impfungen gegen Gelbfieber, Malariaprophylaxe, und eine Reise- und Materialversicherung.

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Nachdem einige Studenten uns ihren kamerunischen Alltag gezeigt hatten, wollten auch wir ihnen Einblick geben, wie das Leben in der Schweiz in etwa aussieht mit Beamer und Laptop

Wie war der Zugang vor Ort? War es leicht die Menschen und den König für Euer Projekt zu gewinnen?

Manuel und Marius: Hier war Walter besonders wertvoll für uns. Ohne ihn hätten wir dieses Projekt wohl nie in einem Monat realisieren können. In der ersten Woche in Bafut machte er uns mit den verschiedensten Leuten bekannt, von Schulleiter über Schneider, König bis zur normalen Familien Mutter. So kam es, dass wir nach einigen Tagen fast überall schon als "die weißen Männer mit dem fliegenden Ding" bekannt waren. Da Walter bestens bekannt ist in Bafut, war es nie schwierig die Leute von unserem Projekt zu überzeugen. Wir sind eigentlich nie auf Abneigung gestoßen, eher im Gegenteil. Es kam vor, dass am Morgen vor unserer Tür Kinder aus der Schule standen und uns fragten, ob sie nicht unsere Drohne für einen Nachmittag ausleihen könnten.

Wie kann man sich das Leben in Bafut vorstellen, wie autonom ist es von Kamerun?

Manuel und Marius: Das Leben ist geprägt von viel Arbeit. Praktisch jeder in Bafut ist Selbstversorger und betreibt eine kleine Farm um die nötigen Lebensmittel anzupflanzen. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch, wer ein regelmäßiges Einkommen hat, gehört zu den Ausnahmen. Viele Menschen verkaufen Gemüse auf den Märkten oder probieren anderweitig an etwas Geld zu kommen. Das erwirtschaftete Geld wird größtenteils für die Ausbildung der Kinder ausgegeben. Politisch gesehen gehört Bafut zu Kamerun, zu vergleichen mit einer Gemeinde in Deutschland oder der Schweiz. Der König hat politisch gesehen nichts oder nur sehr wenig zu sagen, er ist lediglich das traditionelle Oberhaupt. Da in Bafut Tradition fast so wichtig ist wie Politik, genießt der König bei der Bevölkerung ein sehr hohes Ansehen.

Was macht das Schulsystem Kameruns für Euch besonders?

Manuel: Man hat es in Kamerun irgendwie geschafft, der Bildung einen sehr hohen Stellenwert zuzuschreiben. Vor 20 oder 30 Jahren war es wichtiger, dass die Kinder die Familie zu Hause unterstützen. Heute weiß jeder in Kamerun, dass man mit einer guten Ausbildung viel weiter kommt im Leben. Was trotz allem auch gesagt werden muss: Das Niveau ist im Vergleich zur Schweiz und auch Deutschland nicht gleich hoch. Wir haben uns entschieden das Schulsystem in Bafut zu porträtieren, weil es uns als sehr wichtig scheint, Bildung zu thematisieren. Die Kinder gestalten in wenigen Jahren unsere Zukunft und leben in dem was wir aufgebaut haben. Wie die Kinder in Kamerun und generell in Afrika aufwachsen und was für Zukunftschancen sie haben, möchten wir dem deutschsprachigen Publikum mit dieser Webdokumentation aufzeigen.

Marius: Die Bevölkerung und damit meine ich auch die einfachen Leute vom Land, haben erkannt, dass Bildung ein ganz wichtiger Faktor ist, für das Wohlergehen Ihrer Kinder. Der Schuldirektor Paul hat uns dazu eine wunderschöne Metapher erzählt. "Versucht man einen krumm gewachsenen Baum gerade zu biegen, so bricht dieser, genau gleich ist es mit der Korruption. Will man den Älteren beibringen, dass Korruption schlecht ist, so verschwendet man nur seine Zeit." Deshalb denke ich, ist es sehr wichtig, dass die Kinder bereits in der Schule lernen, dass Korruption nicht gut ist. Hinzu kommt, dass heute auch in Bafut fast ausschließlich über Mobiltelefone kommuniziert wird, was für Analphabeten fast unmöglich ist.

Ich denke das Thema Schule ist aus mehreren Gründen interessant. Bildung heißt Zukunft. Besucht man eine Schule in einem fremden Land, so erfährt man sehr viel über die Kultur und über die Werte und Einstellungen die den jungen Leuten beigebracht werden. Es ist für mich der beste Ort um einem Land den Puls zu fühlen und zu sehen wie die Generation von Morgen aufwächst.

 

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Marius im Interview mit dem König von Bafut, der unter seiner traditionellen Kleidung Sneakers und Jeans trägt

Informationen zu dem Projekt

Hier gibt es sowohl die Webdokumentation als auch weitere Informationen zu Marius und Manuel

Kamerun
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