Asturien: Eine Reise für Entdecker

Heiter bis wolkig. Entlang der Costa Verde geht es von Fischerörtchen zu Fischerörtchen durch Nordspaniens üppig-wilden Grünstreifen
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Cudillero & Lastres
Ribadesella
Frische Fische in Llanes

Cudillero & Lastres

CUDILLERO & LASTRES

Himmelblau, Ochsenblutrot, Pistaziengrün: Asturische Hausbesitzer lieben es bunt – ein Anblick, der an Regentagen aufmuntert. Denn von denen gibt es auch im Sommer genug. Irgendwo muss das satte Grün in Spaniens Norden ja herkommen. Diese Art Lokalkolorit findet der Gast auch in Cudillero , einem Fischerstädtchen, das den Naturgewalten Respekt zollt: Eng schmiegen sich die Häuser in einen geschützten Talkessel und dessen Hänge, als suchten sie Zuflucht vor dem rauen und stets etwas bedrohlichen kantabrischen Meer. Die Orte der Geselligkeit, die steilen Treppenviertel und kleinen Plätze mit ihren Bars und Tavernen, halten respektvollen Abstand zum Wasser.

Noch weiter landeinwärts steht die orangerote Casona de la Paca. Die Villa wurde Ende des 19. Jahrhunderts von einer asturischen Familie errichtet, die auf Kuba mit Tabak und Zuckerrohr ein Vermögen gemacht hatte. Indianos nannte man solche Rückkehrer aus der Neuen Welt, Casonas de Indianos ihre prunkvollen Residenzen, die sich überall an der asturischen Küste finden. Die heutige Besitzerin entdeckte das damals verfallene "Indianer-Haus" vor zwanzig Jahren und renovierte es über fünf Jahre hinweg zu einem feinen Hotel im Kolonialstil (El Pito, Tel. 0034-985-59 13 03, www.casonadelapaca.com).

Wie Cudillero hält auch Lastres gebührenden Abstand zum Meer. Die kleine Stadt mit ihren Häusern aus gelbem Bruchstein klettert an einem Hang empor, der Hafen ist auch hier ein eher schmuckloser Ort der Arbeit, an dem man sich nicht länger als nötig aufhält. Von weiter oben bietet sich ohnehin ein schönerer Blick über die asturische Klippenküste – zum Beispiel vom Hotel und Restaurant Eutimio aus. Der Familienbetrieb, zu dem eine kleine Konservenproduktion gehört, serviert köstliche Fischspezialitäten. Sehr empfehlenswert ist der warme Salat mit Seeteufel und Pilzen (Calle San Antonio, Tel. 0034-985-85 00 12, www.casaeutimio.com).

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Die bunten Fassaden des Fischerdorfes Cudillero spiegeln sich im Meer

Ribadesella

RIBADESELLA

Weißer Sandstrand, türkisfarbenes Meer, Casonas de Indianos mit Palmen im Vorgarten, ringsum üppig grüne Berge: Wer bei Sonnenschein die Strandpromenade des Fischerorts entlangspaziert, wähnt sich in karibischen Gefilden. Spanische Sommerfrischler und Heimkehrer aus der Neuen Welt haben das Strandviertel mit der Aura eines alten Seebads zu Beginn des letzten Jahrhunderts angelegt. Doch die Karibik-Illusion kann sich schnell verflüchtigen: Einen Tag, manchmal auch nur ein paar Stunden nach einer Sonnenphase spazieren Besucher in einer Mischung aus Sprühregen und Gischt am Strand entlang, der plötzlich an die Nordsee erinnert. Zum Glück halten viele der renovierten Casonas de Indianos für kühles Wetter Kamine bereit. Gemütlich ist es dann zum Beispiel in der Villa Rosario, die mit ihren Erkern und Türmchen fast schon schlossartige Ausmaße annimmt (Calle Dionisio Ruisanchez 6, Tel. 0034-985-86 00 90, www.hotelvillarosario.com).

Dass Indoor-Aktivitäten in Ribadesella eine überaus lange Tradition haben, wird Besuchern der Höhlen von Tito Bustillo klar: Bereits vor etwa 22 000 Jahren zogen sich Steinzeit-Künstler aus den bewohnten Höhleneingängen tief ins Innere der Karstberge zurück und bemalten im Fackelschein die Wände mit Pferde- und Hirschmotiven. Eine Führung durch die hallenartigen Tropfsteinhöhlen mit den rätselhaften Wandmalereien lohnt sich.

Am Steilufer von Cuerres unweit der Stadt erwartet Costa-Verde-Reisende die nächste Verwirrung: Dieser Duft nach Gräsern und Meer, der graue Fels, die satten Kleematten und grünen Bergrücken – das alles mutet irisch an. Ein Spaziergang entlang der Klippen zeigt einmal mehr, was den Reiz Asturiens ausmacht: Hier mischen sich Eindrücke, die das touristische Bewusstsein sonst fein säuberlich trennt oder ganz verschiedenen Erdteilen zuschreibt. Ein bisschen Island ist auch noch dabei: Durch Aushöhlungen im Küstengestein schießen bei starker Brandung geysirartige Fontänen in die Höhe und versprühen ihre Gischt über die Wiesen. Am eindrucksvollsten sind diese "bufones" bei Arenillas (Küstenwanderweg E-9 zwischen Llanes und Pendueles).

Frische Fische in Llanes

LLANES

Llanes ist so etwas wie das Fischerhauptstädtchen der asturischen Küste – ein bisschen größer und urbaner als die benachbarten Orte, mit einer größeren Auswahl an Restaurants und Spezialitätengeschäften. Das prächtige ehemalige Casino führt eine ganze Reihe "indianischer" Repräsentationsbauten an, in denen man, wie auch in der Basilica Santa Maria del Concejo, Konzerte und andere Kulturveranstaltungen erleben kann.

Doch auch in Llanes spielt die Fischerei noch immer eine wichtige Rolle. Bei der täglichen Fischauktion am Hafen sieht man, was das kantabrische Meer so alles hergibt: Silbern schillern Thunfischleiber, und Seeteufel zeigen ihre glitschigen Fratzen. Die örtlichen Genossenschaftsfischer versteigern zig Kisten mit allerlei Meeresgetier auf Eis an Händler und Restaurantbesitzer. Die gedrungenen Fischerboote gehen täglich auf Fang, während der Bonito-Saison, wenn diese Thunfischart an der Küste vorbeizieht, sogar mehrere Tage am Stück. Mitfahren ist für Touristen zu gefährlich, denn es kommt immer noch vor, dass auch erfahrene Fischer bei rauer See über Bord gehen.

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Die grünen Klippen der asturischen Küste erinnern an die Vegetation britischer Inseln

Also verfolgt man die Spur der Fische besser in den Restaurants. Im San Pelayo im Örtchen Niembro kurz hinter der Stadt (Richtung Ribadesella) kredenzt der junge Spitzenkoch José Miguel Naves seine prämierten Kreationen, alte asturische Rezepte für Seeteufel und Bonito, mit originellen Zutaten neu interpretiert. Saucen aus dem örtlichen Sidra-Apfelwein haben eine lange Tradition, doch Algen als Beilage sind auch für einheimische Gourmets noch Neuland (Tel. 0034-985-40 73 76, www.restaurantesanpelayo.com). Übernachten kann man ein Stück landeinwärts im Landhotel El Habana. Trotz des Namens ist es keine Casona de Indianos, doch wenn man auf der Veranda vor dem exotischen Garten sitzt, fühlt es sich trotzdem an wie in den Tropen (La Pereda, Tel. 0034-985-40 25 26, www.elhabana.net). Bei Sonnenschein fällt der Blick vom Garten aus auf die nahen Flanken der Picos de Europa. Die "Gipfel Europas", dieses ursprüngliche, wilde Gebirge, das sich vom Osten Asturiens bis nach Kantabrien erstreckt, reicht hier bis fast unmittelbar ans Meer. Die Felswüste mit ihren verzweigten Höhlensystemen wäre ein guter Grund für eine zweite Reise nach Asturien.

Asturien
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