Maskenzauber im Salzburger Land

Zur Wintersonnenwende ziehen in den Dörfern des Salzburger Landes unheimliche Gestalten von Hof zu Hof. Ihr Maskenzauber soll die Dämonen der Kälte verscheuchen. GEO SAISON-Autor Olaf Tarmas folgte den "Perchten" und "Tresterern"
In diesem Artikel
Von Hof zu Hof
Mehr Traditionen in kleinen Dörfern
Wo und Wann?

Von Hof zu Hof

Das nennt man wohl einen Scheinsieg: Kaum hat im Duell Sommer gegen Winter die Verkörperung der lichten Jahreszeit die böse, zottelige Winterfigur in den Schnee gestoßen, fegen orkanartige Böen übers Voralpenland, und Eisregen prasselt herab. Doch die maskierte, in Fell und Federn gekleidete Schar, die die beiden Figuren begleitet, lässt sich vom Wetter nicht entmutigen. Gut gelaunt ziehen die Gollinger Perchten von einem Hof zum nächsten.

Aufgeben kommt nicht in Frage – wie könnten sie auch, sind sie doch verantwortlich für den ordnungsgemäßen Ablauf der Jahreszeiten. Dafür, dass auch vom nächsten Hof die garstigen Wintergeister vertrieben werden. Lieber lassen die Teilnehmer den Flachmann mit dem Zirbelschnaps kreisen, wickeln sich fester in ihre Schafsfelle und stemmen sich gegen den Sturm. Fünfzehn Höfe liegen auf ihrer Tour, fünfzehn Mal versammeln sich die Perchten vor den Höfen, die mit ihren weiß verputzten Fassaden und den adretten Holzbalkonen unter den typischen ausladenden Dächern einen äußerst gepflegten Eindruck machen.

Das ist auch besser so, schließlich prüfen die Schnabelperchten mit ihren starren Zirbelholzmasken und den großen Scheren genau, ob auch alles ordentlich ist auf dem Hof. Wenn nicht, wird, so will es der Brauch, der verantwortlichen Person der Bauch aufgeschnitten und der Unrat hineingeschaufelt. Zimperlich sind sie nicht, die mythischen Gestalten.

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Winterzauber im Salzburger Land

Wie in GOLLING leben auch anderswo im Salzburger Land seit einigen Jahren Rituale wieder auf, mit denen die Bürger von Alters her die Wintersonnenwende feiern. Nicht überall wird dabei gleich viel Wert auf die Tradition gelegt. In einigen Orten sind aus den Perchtenläufen folkloristische Umzüge geworden, anderswo muten die Masken der bösen Schiachperchten eher wie Fantasy-Fratzen aus dem "Herrn der Ringe" an. "Wenn Didgeridoos zum Einsatz kommen, hat das mit Tradition nicht mehr viel zu tun", moniert ein Mitglied der Gollinger Perchten allzu beliebige Interpretationen des Rituals.

Mehr Traditionen in kleinen Dörfern

Die Gruppen aus den kleineren Ortschaften kommen dem Brauchtum am nächsten. Wie in BRUCK im Bezirk ZELL AM SEE, das inmitten der Berge liegt. Von dort aus rumpelt am Dreikönigsabend ein Traktor mit einem Anhänger voller Tresterer hinaus auf die Großglocknerstraße. Die tief verschneiten Höfe, die die Gruppe ansteuert, stehen entlang der Panoramastraße zum GROSSGLOCKNER.

Tagsüber bietet sie grandiose Ausblicke auf die Hänge und Gipfel der Hohen Tauern. Nachts schimmern die Schneefelder im Mondlicht – eine mystische Kulisse für den Auftritt der Tresterer. Erst kurz vor dem Ziel springt die zottelige Schar von der Ladefläche. Fackeln und bengalisches Hexenfeuer leuchten durch die Nacht, blechernes Schellenläuten zerreißt die Stille – ein durchaus unheimlicher Zug ist es, der da auf die erleuchteten Fenster des Hofs zustapft.

Im Unterschied zu den Gollinger Perchten begnügen sich die Tresterer nicht mit einem Auftritt vor dem Hof, sondern stürmen die gute Stube. Mit einem Satz ist die hexenartige Frau Percht auf dem Wohnzimmertisch, einen Augenblick später haben alle dort Sitzenden kohleverschmierte Gesichter. Höhepunkt eines Tresterer-Besuchs ist der Auftritt der in Brokat gewandeten, mit Feder-Kopfputz geschmückten Schönperchten.

Sie vollführen einen komplexen Stampftanz, der sich aus dem Austreten des Getreides entwickelt haben soll, einer frühen Spielart des Dreschens. Das Ritual soll den Zuschauern reiche Ernte, Glück und Gesundheit bringen. Zum Abschluss stakst dann noch die Hühnerpercht mit Schnabelmaske durch den Raumund legt – klatsch! – ein Ei auf den Dielenboden, Symbol für Neubeginn und Fruchtbarkeit. Auf dem letzten Hof sträubt sich die Frau des Hauses entschieden, den auseinanderfließenden Dotter aufzuwischen. "Das letzte Mal, dass ich das gemacht habe, ist fünf Jahre her.

Unsere jüngste Tochter ist jetzt vier, noch ein Kind wollen wir eigentlich nicht", begründet sie ihre Weigerung, halb im Scherz. Halb aber auch im Ernst: Der Wirkung eines Tresterer-Auftritts auf einem einsamen Gehöft unter einem Alpen-Winterhimmel kann man sich nur schwer entziehen.

Wo und Wann?

Perchtenläufe finden zwischen Nikolaus und Dreikönig im Salzburger Land statt und unterscheiden sich von Dorf zu Dorf. Während die Umzüge öffentlich angekündigt werden, kann man die konkrete Route erst kurz vorher beim örtlichen Tourismusbüro erfragen. Den besten Überblick über alle Perchten- und Tresterer-Aktivitäten bietet Salzburgerland Tourismus (Tel. 0043-662-6 68 80, www.salzburgerland.com).

Golling Der traditionelle Perchtenlauf erfolgt am 5. Januar, dem Vorabend von Dreikönig (Tourismusverband Golling, Tel. 0043-6244-43 56, www.golling.info). Im Jahr 2013 wird auch der Bio-Bauernhof besucht, auf dem die freundliche Familie Seidl Wohnungen vermietet (Tel. 0043-6244-2 02 47, www.urlaubambauernhof.at/starbauer; DZ ab 38 €).

Bruck Die Tresterer an der Großglocknerstraße haben sich erst 2004 neu formiert und rücken am 5. und 6. Januar aus. Infos über die Höfe 2013 werden Ende 2012 bekanntgegeben (Tourist Information Großglockner-Zellersee, Tel. 0043-6545-72 95, www.grossglockner-zellersee.info).

Zell am See Hier haben die Perchten und Tresterer eine lange Tradition. In der Vorweihnachtszeit ziehen die Perchten von Hof zu Hof, am Dreikönigstag beginnt in Zell am See ein Tresterer-Umzug (Infos unter www.tresterer.com und vom Tourismusverband Zell am See, Tel. 0043-654 27 70, www.zellamsee.at).

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