Lund Ganz Lund ist eine Uni

Die südschwedische Universitätsstadt Lund ist klein, gemütlich, und ihre Universität zählt zu den 100 besten der Welt. Anton Rosenberg, Student der Architektur, gibt einen Einblick ins Studentenleben
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Willkommen in Lund
Das Uni-Leben in Lund

Willkommen in Lund

Ganz Lund ist eine Uni

Anton Rosenberg hat gerade seinen Bachelor in Architektur bestanden. Der 24-jährige sagt: „Lund ist nichts ohne die Studenten.“

"Lund ist nichts ohne die Studenten", sagt Anton Rosenberg. Er studiert seit drei Jahren Architektur an der 1666 gegründeten Universität in Lund, im südschwedischen Schonen. Sie ist heute eine der größten und ältesten Unis Skandinaviens. Vom Bahnhofs-Vorplatz ist allerdings noch keine Spur von Universität zu sehen. Lund erscheint auf den ersten Blick provinziell und gemütlich. Der Marktplatz und die Kopfsteinpflaster-Gassen verbreiten schwedische Gelassenheit. Lediglich das Durchschnittsalter der Bevölkerung scheint viel jünger als anderswo.

Anton hat sich bereit erklärt, heute sein studentisches Lund zu zeigen. „Die großen Sommersemesterferien stehen gerade vor der Tür“, erklärt er, „darum ist eigentlich nicht mehr viel los.“ Der gebürtige Malmöer hat gerade seine Bachelor-Prüfung bestanden. Pläne für die Ferien hat der 24-jährige noch nicht. „Vielleicht ein Trip nach Asien für möglichst wenig Geld, mal sehen, was der Sommer so bringt.“ Die schwedische Kleinstadt mit ihrem über alles thronenden Dom ist schon seit drei Jahren sein Lebensmittelpunkt.

„Lunds Domkyrka ist der älteste Dom in Schweden, romanisch und im Jahre 1103 erbaut“, erklärt er kurz. Als Architekturstudent hat Anton die Daten natürlich alle im Kopf. Während die Bewohner von Lund ihre Samstagseinkäufe fürs Wochenende erledigen locken unzählige kleine Cafés zur klassischen Zimtschnecke, der Kanelbullar, mit Kaffee. Doch es geht weiter. Vorbei am Krognoshuset, das ist der älteste bewahrte Profanbau der Stadt. Das Gebäude stammt aus dem 14. Jahrhundert und ist heute Sitz des Kunstvereins. Und welches ist Antons Lieblingsmuseum?

„Es gibt einige Museen in der Stadt, aber das Skissernas Museum mag ich besonders gern. Hier kann man sehen, wie ein Kunstwerk entsteht von einer hastigen Skizze auf einer Serviette bis zu einem großen Modell in Bronze. Das ganze Haus steckt voller Skizzen und Entwürfe. Es ist wie ein Blick hinter die Kulissen eines Kunstwerkes.“ Die Domuhr schlägt 12.30 Uhr – Zeit für eine Mittagspause.

„Das Grand Hotel ist die erste und beste Adresse in Lund“, sagt Anton. Gast ist er da aber nie, denn seine Geldbörse ist mehr auf ein Sandwich im Park eingestellt, gesteht er. Deshalb geht es nun in die Saluhall, die Markthalle, und zwar zu Widerbergs Gröna Deli. „Ein Baguette und Wrap zum Mitnehmen, bitte“. Plus zwei Getränke. "Das macht zusammen 129 SEK, bitte." Umgerchnet fast 15 Euro. Im Botanischen Garten von Lund unter den großen Bäumen ist einer der beliebtesten Picknickplätze, den alle Lunder gerne mögen, der Wrap ist lecker. Nebenan gibt es Live-Musik gratis, zwei Studenten spielen Gitarre und Geige. Wer braucht da noch ein Grand Hotel?

Und wo ist nun die Uni? „Die ist überall“, sagt der Architekturstudent und grinst. Lund hat 100.00 Einwohner, allein 47.000 davon sind Studenten. „Auf den großen Campus gehen wir auch noch, die Geisteswissenschaften sind hier im Kern von Lund in einigen Gebäuden untergebracht. Meine Architektur-Fakultät und der Studiengang Design sind auch auf dem großen Campus zu finden.“ Lund ist die drittgrößte Stadt Schonens. Jeder spricht hier perfektes Englisch: an der Uni, am Marktstand ebenso wie die nette Bedienung im Café. Eine Verständigung ist für ausländische Studenten daher eigentlich kein großes Problem.

Das Uni-Leben in Lund

Dennoch ist die Universität Lund längst nicht so bekannt wie Cambridge oder Oxford. Dabei ist ihr Ruf mehr als gut. Die Fachbereiche Chemie, Biologie, Physik und Mathematik wurden vom Excellence Ranking, CHE, 2010 als exzellent eingestuft. Diese Bereiche liegen auf dem Campus Gelände ganz nah beieinander.

Was macht diese Universität so begehrt? Die Zusammenarbeit mit den Professoren ist gut und der Umgang eher locker. Studenten belegen in Schweden nicht verschiedene Kurse gleichzeitig, sondern konzentrieren sich in der Regel für mehrere Wochen auf nur ein Thema und ein Projekt. Auch der regelmäßige Austausch mit dem Professor beim Kaffee gehört hier zur Routine und ist keine Ausnahme.

Ganz Lund ist eine Uni

Der Treffpunkt der Studenten in Lund: Café Ariman

Anton fühlt sich sehr wohl in seinem Fachbereich. "Sie ist die bedeutendste architektonische Schule in Schweden – sowohl in Bezug auf die Ausbildung also auch auf die Möglichkeiten, die man nach dem Studium im Ausland hat", erklärt Anton.

Eine Studentin geht mit ihrem Terrier Gassi über die Wiese beim Fachbereich Biologie. Selbst ein Hund darf mit ins Wohnheim? „Wenn er keine Probleme macht und nicht den ganzen Tag bellt, geht das." Auf einer anderen Grünfläche spielen einige Studenten Cricket.

Ganz Lund ist eine Uni

Die Universität von Lund wurde 1666 gegründet

Was würde Anton ändern wollen, wenn er Präsident der Uni wäre?

„Damit die Studenten auch international bessere Chancen haben würde ich neue Rahmenbedingungen einführen. Ich finde es nicht so gut, dass einen derselbe Lehrer prüft, der einen auch unterrichtet. Das würde ich verbessern, denn wie kann man sonst sehen, ob der Professor auch gut war und einem etwas beigebracht hat?!“

Und was macht er, wenn er nicht gerade für eine Prüfung lernt? „Keine Frage; da ist das Café Ariman, das ist einer der beliebtesten Treffpunkte der Studenten. Und sonst gehe ich in die Cafés und Bars meiner Nation.“ Was ist denn eine Nation?

„Eine Verbindung von Studenten.“ Über die Nation wird auch der Studentenwerksbeitrag an die Universität entrichtet. Sie übernimmt die Aufgaben eines deutschen Studentenwerkes. „Die Nationen sind nach den schwedischen Regionen benannt wie Smålands, Östgöta oder Göteborg. Jede Nation betreibt Cafés und Clubs für die Studenten. So bekommt man schnell Kontakt und ein günstiges Bier, das nicht so viel kostet wie in einem normalen Café“, erklärt Anton mal schnell das schwedische Studentenmodell.

Am Eingang eines jeden Nation-Cafés wird nach dem Nation-Ausweis gefragt. Die Kontrollen sind streng, denn nur in den Bars und Cafés der Nationen wird Alkohol so günstig verkauft, wie nirgends sonst in Schweden. Den Nation-Mitgliedsausweis müssen die Studenten zudem immer bei sich tragen. Neustudenten können zum Beginn des Semesters die verschiedenen Nationen bei einer Informationsveranstaltung kennenlernen und sich anschließend für eine entscheiden. Ohne Nation funktioniert eigentlich gar nichts.

Auch ein günstiges Mittagessen ist dort zu haben, denn eine Mensa hat die Uni Lund nicht. „Man bringt sich selber etwas mit oder geht in das Café seiner Nation zum Essen.“ Auch Aktivitäten wie ein Chor, Theatergruppen oder Filmabende werden dort angeboten. Früher oder später trifft man sich in Lund immer, sei es in der Nation, in der altehrwürdigen Bibliothek oder im Park beim Picknick - denn Lund ist eine Universität.

Tipps von Anton Rosenberg für einen Besuch in Lund

Grand Hotel: das beste Hotel in Lund

http://grandilund.se/

Café Ariman: das Studentencafé Lunds: www.ariman.se

Lunds konsthall: Kunsthalle Lunds mit wechselnden Ausstellungen

www.lundskonsthall.se

Krognos House: das älteste Haus der Stadt und Sitz des Kunstvereins www.konstforeningenaura.se

Kulturen: Es ist das zweitälteste Freilichtmuseum der Welt www.kulturen.com

Skissernas Museum: Antons Liebling: Das Skizzenmuseum www.adk.lu.se/en/

Botanischer Garten: Wunderschön und bestens geeignet für ein Picknick www.botaniskatradgarden.se

Saluhall: Alles rund ums Essen. Ein reichhaltiges Angebot an Marktständen http://lundssaluhall.se/

Widerbergs Gröna Deli: Lecker. Die besten belegten Baguettes der Stadt inmitten der Saluhallen www.gronadeli.se

Mat & Destillat: Eines der besten Restaurants in der Stadt. Auch die Bar ist zu empfehlen www.matochdestillat.se

Die Universität von Lund: www.lunduniversity.lu.se

Lunds Nation: http://lundsnation.se

Mehr Infos zu Lund: www.visitlund.se/en

 

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