Vorweihnachtszeit Kulinarischer Advent im Elsass

Wie ließe es sich angenehmer aufs Christkind warten als mit Crémant, frittierten Karpfen und Käse satt? Das südliche Elsass macht zur Vorweihnachtszeit Appetit aufs Fest
Kulinarischer Advent im Elsass

Einer der bekanntesten Weihnachtsmärkte der Region findet alljährlich auf dem Kirchplatz von Mulhouse statt

Ansehen

Wer Klassiker mag, kommt um die beiden großen Städte nicht herum: Die bekanntesten Weihnachtsmärkte finden in Colmar und Mulhouse statt. Aber dorthin zieht es eben auch die meisten Touristen. Dabei geht es in der Vorweihnachtszeit auch an anderen Orten im Sundgau gemütlich zu, dem südlichsten Teil des Elsass’, wo Frankreich, Deutschland und die Schweiz aufeinandertreffen. Bei Lichterspektakeln und Adventsbasaren, mit Weinproben beim Winzer und Verkostungen von Bredle, wie das Weihnachtsgebäck in dieser Region heißt. In Guebwiller im Florival, in Masevaux im Dollertal und in anderen Städtchen laden Weihnachtsgreeter Besucher zu sich nach Hause ein, um bei Glühwein zu basteln, zu backen oder mit den Gästen die Gegend zu erkunden. Spielt der Winter mit, lässt sich’s auf den Kämmen der Vogesen auch vortrefflich langlaufen oder Schneeschuh-wandern, in Thann etwa starten Ski-Busse zu den Liftanlagen.

Im Advent schmiegt sich in Thann die Budenstadt der Kunsthandwerker um das jahrhundertealte Münster Saint-Thiébaut, und vor dem Kirchenportal mit seinen mehr als 500 gotischen Figuren gibt es Kindertheater (www.ville-thann.fr). Märchen und Legenden nehmen auch in Altkirch echte Gestalt an, 20 Kilometer südwestlich von Mulhouse. Dort verwandeln sich ab Anfang Dezember die Plätze des auf einem Hügel gelegenen Ortes in eine Märchenwelt voller Elfen, Hexen und anderer Fabelwesen (Touristeninfo: Tel. 0033-3-89 40 02 90). Polternd schleift unweit davon eine seltsame Gestalt ihre rostige Kette über den Boden. Hans-Trapp heißt der finstere, in Felle gekleidete Geselle, bei uns als Knecht Ruprecht bekannt. Zusammen mit dem Heiligen Nikolaus im Bischofskleid ist er als Weihnachtsbotschafter vor den Toren von Mulhouse unterwegs: im Écomusée d'Alsace in Ungersheim, einem der größten französischen Freilichtmuseen. Zwischen Bauernhäusern und Werkstätten erinnern die zwei an die Bräuche dieses Landstrichs (www.ecomusee-alsace.fr). Dem Jahreswechsel entgegenlaufen kann man im beschaulichen Ferrette nahe der Schweizer Grenze.Hier waren einst die Habsburger zu Hause, später die Grimaldis, die es nach Monaco zog. Zur Burg führt am Silvesterabend eine Fackelwanderung, anschließend gibt’s Crémant am Lagerfeuer im Hof (www.ferrette.fr).

Essen & Trinken

Im Keller von Bernard Antony in Vieuxferette, einem kleinen Ort nahe der Kantonshauptstadt, reifen einige der weltbesten Rohmilchkäse. Bauern aus ganz Frankreich, aus Südengland und der Schweiz liefern die Milch. Die Fromagerie Antony beliefert weltweit 19 Drei-Sterne- und rund 25 Zwei-Sterne-Restaurants exklusiv mit ihren Produkten. Natürlich dürfen Besucher vor Ort kosten: In der Woche werden Käseteller mit Bauernbrot aus dem Holzofen und elsässischer Riesling serviert, an Wochenenden wird zu großen Käsezeremonien geladen (Rue de la Montagne 5, Tel. 0033-3-89 40 42 22, www.fromagerieantony.fr).

Ganz andere Köstlichkeiten kennt man im L’Abre Vert im nahen Heimersdorf: frisch frittierte Karpfen (Rue Principale 17, Tel. 0033-3-89 07 11 40). Die heimelige Bauernstube liegt an der von nicht weniger als 30 Restaurants gesäumten Route de la Carpe Frite, die sich quer durch den Sundgau schlängelt (www.carpe-frite.fr). Auf Traditionsküche legt man im Elsass unverkennbar viel Wert: Schlachtplatten oder Flammkuchen gehören zum Winter wie Seine und Louvre zu Paris. So auch im Au Veil Armand in Berrwiller. Das Dörfchen liegt zu Füßen des Hartmannswillerkopfes. Familie Feder betreibt schon in fünfter Generation das Dorfgasthaus und serviert Suppen, saftige Braten und Kuchen, den traditionell ein Schuss Schlagrahm krönt (Rue Principale 120, Tel. 0033-3-89 76 73 23, www.restaurant-au-vieil-armand.com).

Wer es noch süßer mag, ist in Heimsbrunn richtig, zehn Kilometer südwestlich von Mulhouse. In der Chocolaterie Abtey werden Pralinen mit Schnäpsen, Likören und Cognac veredelt, es gibt promillereichen Behang für den Weihnachtsbaum, und Schokonikoläuse laufen vom Fließband. Fast geschenkt und gleich pfundweise sind die zu Bruch gegangenen im Werksverkauf zu haben (Rue de la Forêt 4, Tel. 0033-3-89 81 99 64, www.abtey.fr). Wo die Elsässer Weinstraße allmählich ihr Ende findet, wachsen feine Rieslinge und Pinotweine. Rund ein Drittel wird als Crémant vermarktet, als Schaumwein. Probieren und kaufen kann man sie in der Cave Vinicole du Viel-Armand der Winzergenossenschaft Wuenheim, in der mehr als hundert Weinbauern organisiert sind. Im riesigen Genossenschaftsladen bieten die Elsässer Winzer neben eigenen Weinen auch die ihrer Kollegen aus Bordeaux und Burgund an (Route de Cernay 1, Tel. 0033-3-89 76 73 75, www.cavevieilarmand.com).

Schlafen

Die kleinen Fachwerkhäuser Les Loges besitzen Doppel-, Drei- und Vierbettzimmer und gehören zum Écomusée in Ungersheim, das wie ein echtes altes Dorf aussieht (Tel. 0033-3-69 58 50 25, www.ecomusee-alsace.fr, DZ ab 75 €).

Unterhalb der Burg von Ferette liegt ein vor zwei Jahren renoviertes Herrenhaus von 1900. Die Maison des Fontaines hat zwei Ferienwohnungen, die als Bed and Breakfast oder wochenweise vermietet werden. Hausherrin Ouafae Kientz ist Französischlehrerin und bietet zum Quartier gleich noch Sprachkurse an (Place des Comtes 6, Tel. 0033-3-89 40 38 31, www.maison5temps.com, DZ/F ab 114 €).

Les Violettes ist eines der wenigen Wellness-Hotels im südlichen Elsass. Mit Massagen und Saunagängen bereitete sich die französische Frauenfußball-Nationalmannschaft hier auf die WM 2012 vor (Jungholtz, Thierenbach, Tel. 0033-3-89 76 91 19, www.les-violettes.com, DZ ab 210 €).

Elsass
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