Südtirol In drei Tagen durch die italienischen Alpen

Meer oder Alpen? Beides! Von Meran mit mediterranem Flair geht es hinauf ins Revier der Steinböcke und Gämsen: unterwegs auf dem Meraner Höhenweg.
Meraner Höhenweg

Entlang von Blumenwiesen und Berghängen: Der Meraner Höhenweg oberhalb vom Dorf Tirol ist ein Wanderparadies.

Ankommen in Meran

Unter einer Palme sitze ich an der Promenade und beobachte das Treiben in den Cafés. Ich stelle mir vor, wie einst Kaiserin Sisi von Österreich vor dem Jugendstil-Kurhaus flanierte. Meran war der Südbalkon der Monarchie, in der Belle Époque zog das milde Klima aber auch Literaten wie Arthur Schnitzler, Stefan Zweig und Franz Kafka an. Um die Stadt herum ragen kantige Gipfel auf, ich blicke auf dicht bewaldete Hänge und sonnige Almen, auf mein Wanderareal in den kommenden drei Tagen.

Tag eins: Vom Dorf Tirol zum Meraner Höhenweg

In Dorf Tirol lasse ich die üppige Mittelmeer-Vegetation hinter mir und schaukle mit der Seilbahn auf 1400 Meter hinauf, nach Hochmuth. Kuhglocken läuten, Eidechsen huschen über Fels, die Wiesen fallen steil hinab, die warme Luft duftet nach Tannen. Schmal schlängelt sich der Wanderweg über dem Meraner Talkessel entlang und führt nach wenigen Schritten mitten hinein – in die Stille. Im Schutzhaus Hochgang empfiehlt mir die junge Wirtin hausgemachte Bärlauchknödel mit Fichtensirup. Hühner, Kaninchen und Pferde spazieren über die Alm, zackig ragen die Texel-Gipfel in den Himmel, blassblau sind die Dolomiten in der Ferne zu erkennen. Ich überquere wilde Wasserfälle und Bäche, an einem besonders breiten Wasserlauf, der in den Partschinser Wasserfall mündet, steht die Nasereit-Hütte, wo ich köstlichen Apfelstrudel genieße. Das Gasthaus Giggelberg ist mein erstes Etappenziel. Mit Blick auf das erleuchtete Meran im Tal schlafe ich zufrieden ein.

Im Video: Die schönsten Wanderrouten weltweit

Tag zwei: Schwitzen und Schlemmen auf dem Meraner Höhenweg

Ein Murmeltier huscht über den Pfad. Inmitten von dichten Fichten­wäldern stehen große Bauernhöfe aus dunklem Holz. Die meisten seien rund 500 Jahre alt, erklärt Bergführerin Birgit, die mich auf den Vinschgauer Sonnenberg begleitet. In der 1000­-Stufen­-Schlucht komme ich zwar ganz schön ins Keuchen, aber die Anstren­gung lohnt sich: Wasser sprudelt über Gneis­ und Glimmerschiefer, Ver­gissmeinnicht wuchern am Wegesrand neben Ginster, Feuerlilien und Pech­nelken. Wir spazieren durch Blumenwiesen, prächtige Farne verwandeln Bachufer in kleine Urwälder. Vor einer Getreidemühle, in der früher Vintschgerl zubereitet wurden, Südtiroler Rog­genbrote, grasen Ziegen, ihre Glöck­chen bimmeln. Am liebsten würde ich mich auf die Wiese legen, doch Birgit empfiehlt mir die Liegestühle am nahen Linthof. Ein guter Tipp! Auch Küche und Ausblick sind fantastisch, bei Tagliatelle mit frischen Pfifferlingen, schaue ich auf Reinhold Messners spätmittelalter­liches Schloss Juval. Im Schnalstal durchqueren wir anschließend ange­nehm kühle Lärchenwälder und steigen durch Schluchten. Das heutige Etappen­ziel ist der Montferthof, ein Biobau­ernhof, gebaut mit jahrhundertealtem Holz. Gastgeberin Edith bietet selbst ge­machten Rhabarbersaft an, abends tischt sie in der gemütlichen Stube Brennnessel­-Kartoffel­-Suppe und Braten vom Hofschwein auf.

 

SCHLOSS JUVAL

Schloss Juval in Südtirol, Italien

Tag drei: Selbstgemachtes Kosten auf dem Meraner Höhenweg

Morgens gehe ich in den Stall, um beim Melken zuzusehen. »Die Milch bringen wir mit der Seilbahn ins Tal zu den Molkereien«, erklärt mir die Bäu­erin. Eine Kanne stellt sie auf den Früh­stückstisch neben die selbst gemachte Holunder­-Vanille-­Marmelade, den haus­eigenen Speck und das ofenwarme Südtiroler Paarlbrot. Damit bin ich fit für die dritte Etappe, die etwas ober­ halb des Pfossentalbaches verläuft. Entlang des Steiges sprießen Glocken­blumen aus dem Waldboden. Am Jausen­platz Vorderkaser koste ich mich durch hausgemachten Kuh­-, Ziegenkäse und Quark. Der schäumende Bach windet sich in seinem Bett, am Berghang gegenüber mache ich zwischen buschigen Alpenrosen zwei Steinböcke aus, die behänd über einen Felsen springen. Vor mir breiten sich Almen aus, ich teile den Weg mit Kühen und einigen Tagesausflüglern. Vor der Mitterkaser Alm, die Matthias Gamper bewirtschaftet, bestaunen mich Ziegen. Er kommt gerade vom Melken. »Ich muss gleich noch Käse aufbereiten, Heu einholen und zwischendurch Gäste betreuen«, erzählt er lächelnd. Lang­weilig sei ihm nie. Ein Stück weiter den Forstweg entlang liegt der Eishof. Das Lamm für Braten stammt aus dem hauseigenen Stall. Jetzt sind die Gipfel der Texelgruppe nicht mehr fern. Ab Ende Juni, wenn auf dem 2895 Meter hohen Eisjöchl kein Schnee mehr liegt, dann starten vom Eishof aus viele Tourengänger ins hochalpine Gebiet. Doch für mich endet die Wanderung hier. Eine Nacht lang bleibe ich noch in der Höhe, wo Bäume rar sind und Schneefelder leuchten. Am nächsten Morgen geht es sechs Stunden lang bergab, in die Wärme, nach Pfelders, und von dort per Bus nach Meran.

 

Wissenstest: Südtirol
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Zurück in Meran

Dort gönne ich mich einen Vormittag in der Therme, koste auf dem Samstagsmarkt Speck und Schüttelbrot und spaziere zwischen Kakteen und Zypressen durch die Gärten von Trauttmansdorff. Auf der Terrasse des 357 von Haubenkoch Andrea Fenoglio beschließe ich den Tag mit einer ausgezeichneten Artischocken­-Pizza.

 

Weitere Informationen zu den Wandertouren Merans

Alle Etappen sind auch als Tagestouren begehbar. Wanderführer von Meran Alpin kennen jeden Gipfel und jede Berg­blume. Als Startpunkt für den Mera­ner Höhenweg bieten sich das Hotel Flora an der Meraner Promenade an oder das Hotel Lechner, nahe der Seilbahnstation oberhalb von Dorf Tirol.

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