Albanien Ein Besuch in Tirana

Sozialistischer Protz, moderne Bürobauten und eine Altstadt fast ohne Straßennamen: Albaniens Hauptstadt ist keine Schönheit, aber eine spannende Entdeckung
Ein Besuch in Tirana

Das Zentrum von Tirana - Mini Mofas und Quads zu mieten vor dem Nationalmuseum

Ansehen:

Im Zentrum einer euro­päischen Hauptstadt zuckelt ein struppi­ges Eselchen vorbei an sozialistischen Prunkbauten, hinter sich einen klappri­gen Wagen, turmhoch beladen mit Brettern. Zwei alte Herren gehen unter­ gehakt übers Trottoir, während sich ein Trupp Jugendlicher auf röhrenden Quads die breite Straße mit Luxuslimousinen teilt. Nur Schritte abseits, in Seitengassen teils ohne Namen und Hausnummern, qualmen Räucheröfen in Gärten vor Schindeldachhäuschen, leben Menschen in Rohbauten, während sich nebenan wildgewordene Architekten verwirklichten. Nach langer Abschottung ist Tirana heute eine spannende Stadtlandschaft, in der Besucher von einer Epoche in die nächste stolpern.

Am zentralen Platz Sheshi Skënderbej verweist die Et' Hem Bey-Moschee mit prächtigen Fresken auf die osmanische Zeit. Dane­ben zeugen der glänzend­ glatte Kulturpalast und das Nationalmuseum mit dem Helden-Mosaik von den monumentalen Vor­lieben des früheren Diktators Enver Hoxha.

Weiter im Süden verfällt, einem notgelandeten Ufo gleich, dessen Museum Piramida (Rruga Papa Gjion Pali II). Von der Spitze dieser sternenförmigen Geschmacksverirrung aber hat man einen wunderbaren Blick in den Rinia-Park, wo Familien picknicken und ältere Herren Schach spielen.

Wer mitten hinein will in den ganz normalen Wahnsinn dieser Stadt, lässt sich zum Flohmarkt Pazari Medreses (Rruga Ferit Xhajko/Rruga 5 Maji) treiben. Nach dem Trubel tut ein bisschen Einkehr gut, etwa in der Nationalen Kunstgalerie. Sie präsentiert unbeirrt vor allem großforma­tige Revolutionsschinken mit Arbeiter­helden und Partisanen (Bulevardi Dëshmorët e Kombit, www.gka.al).

Essen & Trinken

Obst, Käse, ge­grillte Schafsköpfe gibt es auf dem Markt Pazari I Ri (am Sheshi Avni Rustemi). Herzhaftes wie Schafsdarmwürste oder Schafskäseauflauf serviert das traditionel­le Oda (Rruga Luigj Gurakuqi, Tel. 00355- 4-224 95 41).

Hervorragende ćevapčići grillen zwei Imbisse in der Nähe (am Sheshi Avni Rustemi). Italie­nische Gerichte und eine Terrasse bieten die Cafés und Restaurants im Taiwan-Komplex (Rruga Dëshmorët e 4 Shkurtit/ Park Rinia).

Den besten Blick auf die Stadt gewährt die Drehturm ­Bar Sky Club (Rruga Dëshmorët e 4 Shkurtit Nr. 5/1, www.skyhotel-al.com)

Ein Ruhepäuschen mit Kuchen lohnt sich im Garten des Künstlerhauses Shtëpia E Sali Shijakut (Rruga Vildan Luarasi). Laut und lustig wird’s in den Kneipen im ehemaligen Bonzenviertel Blloku (südlich des Flüsschens Lana zwischen Bulevardi Dëshmorët e Kombit und Rruga Sami Frashëri).

Schlafen

Zentral, sauber und geschmackvoll präsentiert sich das kleine Hotel Nobel (Rruga Urani Pano, Tel. 00355-4-225 64 44, DZ/F ab 50 €, www.hotelnobeltirana.com).

Modern albanisch (leichter Hang zum Kitsch) schlafen Gäste im Firenze Hotel mit toller Terrasse (Boulevard Zogu I. Nr. 72, Tel. 00355-4-224 90 99, DZ/F ab 70 €, www.firenzehoteltirana.com).

Komfort nach internationalem Stan­dard bietet das zu Hoxhas Zeiten gebaute Tirana International (Sheshi Skënderbej, Tel. 00355-4-223 41 85, DZ/F ab 116 €, www.tiranainternational.com).

Einen Garten finden Gäste im Rogner Hotel Tirana (Bulevardi Dëshmorët e Kombit, Tel. 00355-4-2235035, DZ/F ab ca. 125 €, www.hotel-europapark.com).

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