Passau Entdecken Sie die Stadt der drei Flüsse

Prachtfassaden in Mint und Dottergelb, jede Menge Studenten und Geschichten über meterhohe Fluten prägen die Stadt an den drei Flüssen: Donau, Inn und Ilz
Passau

Alles im Fluss hier: An der ortspitze treffen sich Inn (links), Donau (rechts) und Ilz (ganz rechts)

Ankommen in Passau

Funzel-Laternen bescheinen Kopfsteinpflaster, und in engen, teils steilen Gassen stehen verschnörkelte Palais und Stadthäuser mit Fassaden in Pastellfarben – von Dottergelb über Mint und Lachs bis Rostbraun: Wer in der Altstadt mal die Verkehrsschilder ausblendet, schlendert durch das Passau der Jahre etwa ab 1690, errichtet von italienischen Baumeistern auf den Ruinen des Brandes von 1662. Ihr Barock-Gesamtkunstwerk drängt sich auf einer schmalen Landzunge, an deren Ortspitze Ilz, Inn und Donau zusammenfließen. Als Salzhandelsstraßen machten diese drei Flüsse Bamberg reich und drohen ihr zugleich seit eh und je täglich mit Land unter.

Das passiert in Passau

Ein Wort nur – »Flut« –, dann sprudelt es: Die Kellnerin, der Verkäufer, der Student, alle, die ich anspreche, lassen noch mal Autos durch überschwemmte Gassen dümpeln, tragen Hosen aus Müllsäcken, schippen Keller leer, organisieren sich per Facebook. Wohl jeder Passauer kennt packende Geschichten, meist mit einem berührenden Happy End, erinnert sich an die Hilfsbereitschaft beim Jahrhunderthochwasser, das 2013 genau 12,89 Meter erreichte. Der Rekord lag im Jahr 1501 bei 13 Metern und ist an der Fassade des Rathausturms markiert (Rathausplatz 2). Der Kabarettist Ottfried Fischer, prominenter Sohn der Stadt, dokumentiert Flutgeschichte(n) in seinem Elternhaus, wo 2013 das Wasser bis zum Hals stand, wie das Museum heißt (Unterer Sand 2). Gravitätisch hallt das Geläut des weißen, mit grünen Turmmützen gekrönten Stephansdoms durch die Gassen. Jeder Prediger hat seine Kombi der acht Glocken, geschulte Ohren erkennen am Klangmix, wer die Kanzel besteigt. Beim Mittagskonzert kommt die weltgrößte, katholische Kirchenorgel zum Einsatz (Domplatz, 12 Uhr, Mai–Oktober). Die ideale Ufer-Promenade liegt nicht etwa an der Donau, wo Ausflugsdampfer und -busse parken, sondern zwischen Sonnen- Bänken und Liegewiesen am Inn, wo das Wahrzeichen, der Schaiblingsturm, sein rotes Dach in die Höhe reckt. Jenseits der Brücke, im Kloster Mariahilf, betete Kaiser Leopold I. anno 1683
täglich für den Sieg gegen die Türken vor Wien. Mit Erfolg, weshalb heute einige der sonst feierfreudigen Studenten die 321 Stufen der überdachten Wallfahrtstreppe hochsteigen und die Heilige anflehen: »Maria hilf … mir durchs Examen!« (Mariahilfberg 3)

Stephansdom, Passau

Im Stephansdom kommt zum Mittagskonzert die weltgröße, katholische Kirchenorgel zum Einsatz

Bayrische Küche genießen in Passau

Im Kaffeewerk koordinierte der Besitzer Stephan Bauer die Fluthilfe. Auf Bierkistenhockern und abgewetzten Sofas genießen Gäste seinen Käsekuchen und lauschen den Geschichten des Stadtrats (Kirchenplatz 3). Wie aus einer Theaterloge hat man vom Oberhaus den besten Panoramablick auf die Drei-Flüsse-Stadt. Das helle Lokal in der Veste Oberhaus, einer Trutzburg, in die Fürstbischöfe einst auch vor wütenden Bürgern türmten, inszeniert regionale Küche modern und leicht (Oberhaus 1). Im Kreuzweis gibt’s Deftiges auf den Teller sowie Würfelbecher und Karten auf den Tisch (Pfaffengasse 7). Absacker? Ins Journey! Spezialität: Cocktails der 20er (Schustergasse 1)

Die besten Adressen zum Übernachten in Passau

Ein verwunschener Garten und eine etwas laute Straßenbar: Das Art Hotel und Hostel in einem frisch renovierten Kaufmannshaus bietet helle, große Zimmer und Gruppenquartiere mit knarzenden Dielen und stilvollen Design-Details (Rindermarkt 9, DZ/F ab 60 €). Schmiedeeiserne Bettgestelle, antike Möbel und Frühstück auf der Inn-Terrasse: Das stylishe Hotel Schloss Ort punktet mit ruhiger Lage und Komfort (Ort 11, DZ/F ab 89 €). Kaiserin Sisi schlief hier, und Mondflieger Neil Armstrong eröffnete den Neubau – das Hotel Wilder Mann hat kleine, karge Zimmer mit Heiligenbildchen sowie fürstliche Suiten und serviert das Frühstück in einem Ballsaal über Passaus Dächern. (Schrottgasse 2, DZ/F ab ca. 95 €).

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