Südfrankreich Nizza per Tram entdecken

Entdeckungstour mit Linie 1: Le Tram kutschiert Besucher ins Zentrum und in weniger bekannte Ecken der Hafenstadt an der Côte d’Azur, etwa in die spannenden Viertel Libération und Petit Marais Niçois
Nizza

Blicke wie diese machen die Metropole an der Côte d’Azur zu einem beliebten Ziel im Süden

Einstimmen auf Nizza

Dass Le Tram Mit La Prom Konkurriert, gehört wohl noch einige Zeit zu Nizzas Alltag. Stolz und selbstbewusst trotzt die sieben Kilometer lange, weltberühmte Promenade des Anglais mit ihrem Strand, den Palmen und Luxushotels dem Schatten, den der Anschlag vom 14. Juli 2016 auf sie warf. Besucher zieht es derzeit zu Le Tram, der Straßenbahn. Linie 1 kurvt ruhig durch das Zentrum und zieht sogar rücksichtsvoll ihren Stromabnehmer ein, um ja nicht durch eine Oberleitung das Wasserspiel aus 128 Fontänen an der neu gestalteten Promenade du Paillon zu stören. Die Linie West-Ost hingegen überzieht die Stadt mit Baustellen: Von 2018 an soll sie teils unterirdisch vom Flughafen zum Hafen führen und La Prom entlasten (http://tramway.nice.fr). Sie ist und bleibt ein Muss, diese blumengeschmückte Promenade: Hier kann man aufs Meer schauen und den Schwimmern Respekt zollen, die zu jeder Jahreszeit und Temperatur in die Wellen steigen. Die gelassene Atmosphäre auf dem von ockerfarbenen Fassaden gesäumten Cours Saleya genießen, mit seinen Marktständen, wo montags Antiquitäten und an den anderen Tagen der Woche Gemüse und Blumen verkauft werden. Oder man biegt in die Altstadt ab und streift durch enge Gassen zur prächtigen Barockkirche Saint-Jaques-le-Majeur (Place du Jésus). Dann hat man für den ersten Eindruck alles beisammen: das Licht, die Lebensfreude und die Leckereien Nizzas (www.nicetourisme.com).

Promenade du Paillon, New Urban Parc, Vieux Nice,

Die neugestaltete Promenade du Paillon sorgt mit 128 Fontänen für eine Erfrischung

Nizza mit der Linie 1 entdecken

Auch zu weniger bekannten Seiten führt die Linie 1, zum Beispiel zur Place du Général-de-Gaull, dem Herzen des Viertels Libération, LIB genannt. Hinter der restaurierten neoklassizistischen Fassade des ehemaligen Gare du Sud gehen Bücher über den Schalter, das Bahnhofsgebäude von 1892 beherbergt eine städtische Multimedia-Bibliothek. Wo früher Züge in die Provence abfuhren, entstehen Wohnungen, Geschäfte und Kinos. Rund um den Bahnhof bieten dienstags bis sonntags auf dem größten Markt an die 120 Händler ihre Waren an. Dort gibt es in überbordender Fülle köstlichsten Fisch, Meeresfrüchte, Obst, Gemüse und Käse. Was Appetit weckt auf ein Pan Bagnat. Die besten dieser in einem Salade niçoise gebadeten Brote bekommt man im Kiosque Tintin (Place du Général de Gaulle, bis ca. 15 Uhr). Danach trinke ich noch einen frisch gerösteten Kaffee im Cafe Maori (17 Boulevard Joseph Garnier, www.cafe-maori06.fr).

Das einst verrufene Viertel zwischen der Place Garibaldi (Tram-Station!) und dem Hafen blüht unter dem Kosenamen Petiti Marais Niçois auf (nach dem Pariser Viertel Marais), mit Cafés, Design- und Modeläden und einer jungen kreativen Szene. Im Comptoir Central Électrique geht erst spät in der Nacht das Licht aus, eine gute Adresse für Burger und Cocktails (10 Rue Bonaparte). Lucien Chausseur überrascht mit extravaganten Schuhen (6 Rue Bonaparte), bei Jo Mistretta in der Horlogerie Speed Weller ticken seltene Uhren (13 Rue Cassini, https://speedweller.com). Als ich zufällig in die Eröffnungsfeier des sizilianischen Restaurants Mamma Mia stolpere, weist Chef Nicolas Diodoro auf seine Gäste und sagt: „Hier triffst du das Nizza von heute, die Altstadt ist für die Touristen.“ (9 Rue François Guisol, Tel. 0033-674 03 34 03) So würde es Philippe Mediavilla nicht sagen, aber dass er sein Café du Cycliste mit Carbon-Rennrädern und edlen Radler-Accessoires am Hafen eröffnet hat, spricht für die Dynamik dieses Viertels (16 Quai des Docks, www.cafeducycliste.com).

Nizza

Die besten Pan Bagnat hat unser Autor bei dem Marktstand Kiosque Tintin gegessen

Unterwegs in Nizza richtig schlemmen

In die Feinheiten der Cuisine niçoise steige ich ebenfalls am Hafen ein, im Kochstudio L’Atelier de Tam. Die ebenso hübsche wie geduldige Tamara Gréboval, Tochter eines Diplomaten aus Haiti, demonstriert, dass zwischen einem echten Salade niçoise und dem, was hierzulande serviert wird, Welten liegen, allein schon was die Qualität der Sardellenfilets angeht. Sie bringt mir auch bei, wie man das Gemüse für Ratatouille richtig schnibbelt, nämlich in feine Würfeln, brunoise eben (2 Place Guynemer, www.latelierdetam.com). Lucien Brych, Chef der Cantine de Lulu freut sich, dass „nach all dem Schnickschnack die alten Rezepte wieder hoch im Kurs stehen“. Wie Merda de can, grüne mit Mangold versetzte Gnocchi, oder der von Tomaten, Oliven und Kräutern aromatisierte Kaninchenschenkel (26 Rue Alberti, Tel. 0033-493-62 15 33, Sa. und So. geschl.). Da darf am nächsten Tag das Eis mal etwas artifizieller ausfallen – in Nizzas bester Eisdiele Arlequin, zum Beispiel das „Persepolis“ mit Safran, Rosenwasser und Pistazienstücken (9 Avenue Malausséna, www.arlequin-gelati.com).

Die besten Unterkünfte in Nizza

Mit Retro-Stil erweist die Villa Otero der Revuetänzerin Bella Otéro ihre Referenz, die von 1915 an in Nizza lebte. Plüsch mit Witz, nahe am Bahnhof (58 Rue Hérold, www.villa-otero.com, DZ ab 50 €).

Über den Dächern von Nizza thront im 7. Stock die Rooftop-Bar des Hotels Monsigny: ein großartiger Ausblick, freundliche Gastgeber und komfortable Zimmer an der größten Einkaufsstraße (17 Avenue Malausséna, www.hotelmonsignynice.com, DZ/F ab 52 €).

Nomen est omen: Hotel Ellington, das im Stil der 40er-/50er-Jahre renovierte Vier-Sterne-Hotel, huldigt Duke Ellington und dem Jazz, hat ruhige Zimmer zum Hinterhof – und demnächst einen Tram-Anschluss (25 Boulevard Dubouchage, www.ellington-nice.com, DZ/F ab 100 €).

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