Cardiff

Die walisische Hauptstadt befindet sich seit Jahren im Wandel und der steht ihr gut. Ein erfrischender Mix aus alt und neu durchzieht die Innenstadt, große Parkanlagen wie der Bute Park haben dafür gesorgt, dass sich Cardiff inzwischen zu den grünsten Hauptstädten Europas zählen darf. Das war nicht immer so. Noch bis die 80er Jahre galt Cardiff als eins der Armenhäuser Europas. Mit dem Wegfall der Schieferindustrie verlor der einst so angesehene Hafen an Bedeutung und mit ihm die Stadt. Inzwischen ist auch Cardiff Bay wieder aufgeblüht, Restaurants und Geschäfte laden zum Flanieren direkt am Hafenbecken ein und das mächtige Opernhaus, was hier seinen Platz gefunden hat, sollten nicht nur Opernfans gesehen haben. Das Herz der Stadt formiert das Rugby-Stadion, wer kann, nimmt die Stimmung mit, die herrscht wenn die walisische Nationalmannschaft hier spielt. Sei es im Stadion oder in den umliegenden Pubs, es macht einfach Spaß dabei zu sein. Kurzum: Cardiff ist der perfekte Startpunkt für eine Reise durch Wales.

Pembrokeshire Coast Nationalpark

Die lieblichen Küsten von Pembrokeshire mit ihren lang gezogenen einsamen Buchten, dem farbenreichen Hinterland und dem funkelnden Meer, überraschen. Denn Wales eilt ein doch eher verregneter Ruf voraus. Zu Unrecht. Mit 1700 Sonnenstunden ist die Region an der Südküste die wärmste im Land und das ruft eine faszinierende Flora und Fauna hervor, die sich am besten zu Fuß erkunden lässt. Entlang der Küste zieht sich zwischen  St. Dogmaels im Westen bis nach Saundersfoot im Osten der Pembrokeshire Coast Path. Der Nationalpark ist besonders bekannt für die Brutkolonien vieler Seevögel wie Papageientaucher, die sich auf der Insel Skomer zwischen März und Ende Juli niederlassen.

Brecon Beacons Nationalpark

Die letzte Eiszeit formte diese landschaftliche Wundertüte in Mittelwales, die gerade einmal zwei Autostunden von den Küsten Pembrokeshires entfernt liegt. Karstige Berge und Hügel durchziehen grasbewachsene Hochmoore und von Heidekraut bewachsene Steilhänge. Das westliche Gebiet des Nationalparks trumpft mit Wasserfällen und Kalksteinhöhlen. Aufgrund des großen geologischen Interesses, das diese Region hervorruft, wurde sie 2005 als Erste in Wales zu einem UNESCO Geopark ernannt – dem Fforest Fawr Geopark. Hinzu kommt eine weitere Auszeichnung, die vor allem Astro-Fans interessieren dürfte. Seit 2012 gilt die Region als Internationales Lichtschutzgebiet. Da die nächsten Städte weit genug entfernt liegen, lässt sich im Brecon Beacons Nationalpark das Sternenzelt ganz ohne die störende Lichtverschmutzung beobachten. Unbedingt gehört auch ein Abstecher in die historisch-hübsche Marktstadt Brecon am nördlichen Rand des Parks zu einem Besuch dazu.

Hay-on-Wye

Es sind gerade einmal knapp 1800 Menschen, die in Hay-on-Wye, kurz auch einfach nur Hay genannt, leben. Auf den ersten Blick ein Dorf wie viele andere in Wales wären da nicht die ganzen Bücher. Als der Buchhändler Richard Booth 1961 in dem kleinen Ort aus Schieferhäusern direkt am Fluss Wye gelegen, die Idee eines Bücherdorfes entwickelte, fand sie schnell Anklang und machte Hay weltbekannt. Es ist bis heute das erste und größte Bücherdorf weltweit. In fast 40 Antiquariaten stapeln sich die Bücher teilweise vom Keller bis unter den Dachboden. Ganz besondere Stimmung herrscht während des zehntägigen Literaturfestivals Hay Festival of Literature & Arts, das jedes Jahr von Ende Mai bis Anfang Juni dauert. Dann kommen internationale Literaten und Musiker in das kleine Dorf.

Newtown

In Newtown kommt nun wieder so etwas wie städtisches Flair auf. Die Marktstadt gibt es bereits seit dem 13. Jahrhundert. King Edward I. sprach der Stadt damals das Recht zu, jeden Dienstag einen Markt abzuhalten, was seither Tradition ist. Hier lassen sich köstliche walisische Traditionsgerichte und Snacks wie die Welsh Cakes probieren, aber auch ausgefallene Mode finden. Denn Newtown galt im 16. Jahrhundert als das Herz der Woll- und Flanellindustrie in Wales, davon zeugt noch heute das ortsansässige Textilmuseum. Bekanntester Sohn der Stadt ist der Sozialreformer Robert Owen, dem nicht nur ein Denkmal gesetzt, sondern dem zu Ehren ebenfalls ein kleines Museum eröffnet wurde. Wer nicht am Markttag in der Stadt ist, findet in der kleinen von Fachwerkhäusern umgebenen Hauptstraße die Möglichkeit der Kauflust zu frönen oder einen Tee zu trinken.

Barmouth

Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, die eine solch perfekte Lage vorweisen können wie Barmouth. Die kleine Ortschaft mit ihren bunten Häusern liegt an den westlichen Ausläufern des Snowdonia Nationalparks direkt an der Meeresmündung Cardigan Bay, in die hier der Fluss Mawddach mündet. Über die gold-gelben Dünen des lang gezogenen Strandes zieht sich das Küstengras, je nach Sonneneinstrahlung funkelt das Meer türkis bis dunkelblau. Im Hintergrund reihen sich die Gipfel der Bergkette Cader Idris aneinander, in den Wintermonaten oft schneebestäubt. Barmouth ist der perfekte Ort für Wander- oder Radausflüge in den Snowdonia Nationalpark oder aber Wasseraktivitäten in der ruhigen Meeresbucht. Für Wanderer sind rund um die Mündung des Mawddach elf Trails angelegt worden, von leicht bis schwer, die mitten hineinführen in die schöne Szenerie in die Barmouth gebettet ist.

Portmeirion

Der exzentrische Architekt Sir Bertram Clough Williams-Ellis mochte Portofino in Italien. So etwas sollte es auch in Wales geben. Passenderweise gehört die Halbinsel in der Bucht von Tremadog seiner Familie und so baute Williams-Ellis sich sein eigenes Dorf - Portmeirion. Dabei war er so erfolgreich, dass er prominente Unterstützung, wie die des deutschen Künstlers Hans Feibusch, bekam. Dieses kuriose Dorf lässt sich jederzeit besuchen. Wie in jeder funktionierenden Ortschaft gibt es hier Restaurants, Cafés und Geschäfte. Wer möchte, kann auch in einem der bunten Häuser übernachten, wie es bereits viele Berühmtheiten wie die Beatles getan haben. Serienfans dürften Portmeirion längst als die Kulisse von der Mystery-Serie „The Prisoner“ erkannt haben.

Mount Snowdon

Von Barmouth aus geht es tiefer hinein, in den Snowdonia Nationalpark. Rund um den höchsten Berg des Landes, den Snowdon (1085 Meter), ist 1951 mit Snowdonia der erste und größte Nationalpark in Wales entstanden. Er erstreckt sich über einen Großteil des Nordens – hinweg über schroffe Berge und weite Weidenlandschaften bis hin zu steil abfallenden Küsten. Gespickt ist das Landschaftsbild von kleinen Dörfern aus Schieferhäusschen, Relikte aus der Zeit, als die Schieferindustrie im Norden von Wales florierte. Wer Wales bereist, sollte den Namensgeber des Parks, den Mount Snowdon bezwingen. Es gibt insgesamt sechs Routen hinauf, die an Schwierigkeitsgraden variieren. Wer nicht laufen möchte, nimmt die einzige Zahnradbahn Großbritanniens - die Snowdon Mountain Railway. Ihr Ausgangspunkt ist der kleine Ort Llanberis.

Anglesey

Der vorletzte Stopp auf dieser Reise ist die walisische Insel Anglesey. Umgeben von dramatisch abfallenden Küsten und der tosenden Irischen See, geht es im Inselinneren lieblicher zu. Burg und Schlossruinen verteilen sich im satten Grün. Den wohl spektakulärsten Ausblick genießt man allerdings am westlichsten Zipfel der Insel, am Leuchtturm South Stack. Besonders empfehlenswert bei Sonnenaufgang, wenn noch keine Touristen den Weg hierhin gefunden haben. Lediglich zehn Autominuten entfernt liegt die kleine Inselhauptstadt Holyhead mit Unterkünften, Restaurants und einem Fährhafen.

Conwy und Llandudno

Die walisische Nordküste markiert das Ende dieser Reise durch Wales. In welcher dieser beiden Kleinstädte genau, das kann jeder für sich selbst entscheiden, oder gleich beide besuchen, denn Conwy und Llandudno trennen lediglich fünfzehn Autominuten und die Brücke über die Mündung des Flusses Conwy. An dessen Ufer ragt das majestätische Conwy Castle, welches zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt empor. Llandudno ist hingegen für seine lang geschwungene Promenade bekannt, an die sich viktorianische Altbauten in Pastellfarben schmiegen. Ein Teilstück des Wales Coast Path verbindet die beiden Orte, sodass sie sich auch erwandern lassen.

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