Innovative Projekte Wie Menschen gemeinsam mit Tieren Neues wagen

Tradition ist das eine in Südtirol, das andere: Die Menschen hier beflügelt ein unstillbarer Geist, Grenzen zu überwinden
Lamatrekking, Südtiroler Alpen

Ein Bild wie aus einem Fantasyfilm: Lamas und Alpakas, aus Südamerika stammend, erklimmen nahe den Drei Zinnen die Südtiroler Alpen

Walter und Sabine Mair: Mit dem Alpaka auf die Alp

Eigentlich wollten Walter und Sabine Mair „nur so ein kleines Höfl, mit alternativer Landwirtschaft“. 2002 bauten sie den alten, 1320 Meter hoch gelegenen Kaserhof in Oberbozen neu, um ihrem Hobby einen angemessenen Rahmen zu geben: Sie züchten seit Jahren Araberpferde, Lamas und Alpakas.

„Und jetzt ist es doch etwas größer geworden“, schmunzelt Sabine Mair. Inzwischen halten die Mairs hier oben auf dem Kaserhof an die 20 Araberpferde, vor allem aber gut 200 Lamas und Alpakas. Damit können sie eine für diese Gegend ebenso ungewöhnliche wie naheliegende Attraktion anbieten: Trekkingtouren mit den niedlichen exotischen Trag- und Packtieren, die eigentlich in Südamerika beheimatet sind.

Für gemächliche Geher und Familien mit Kindern organisiert Walter Mair zweimal wöchentlich eine halbtägige Tour auf dem alten Römerweg zu den fotogenen Rittner Erdpyramiden. Für trittsichere Bergfexe bietet Mair unvergessliche Südtirol-Abenteuer an. Je einmal im Sommer führt er bis zu zehn Teilnehmer drei Tage lang mit seinen Lamas zu Südtirols wanderbaren Highlights: zum Rittner Horn und zum Plattkofel. In den Naturpark Puez Geisler, durch das Hochpustertal, auf der Seiser Alm.

Der Renner ist naturgemäß die Trekkingtour zu den Drei Zinnen – es gibt Stammgäste, die jedes Jahr mitgehen, „um sich auf diese Weise wieder zu erden“, erzählt Mair.

Doch Walter Mair wäre kein Südtiroler, wenn er mit seinen bergerfahrenen Vierbeinern (und fürs Erste nur mit ein paar guten Freunden) nicht auch schon die höchstgelegene Schutzhütte der Region bezwungen hätte. Eine Tour führte Mair und seine Lamas auf das Becherhaus in den Stubaier Alpen – auf stolze 3195 Meter Höhe.

Mehr dazu: www.kaserhof.it

Mario Kral: Echter Speck braucht wahre Liebe

Gut Ding braucht Weile, und sei es, um zu sehen, wo der Speck wächst. Ein besonders feiner Rohschinken findet sich eine gute Autostunde nördlich von Bozen im hintersten Sarntal, auf dem Unterkranzerhof, in rund 1500 Meter Höhe. Dort macht der passionierte Jungbauer Mario Kral den Speck „wieder wie früher“ – nur eben nicht für die eigene Brettljause, sondern um davon zu leben. Begonnen hat er seine „Hofmanufaktur“ vor ein paar Jahren mit „drei Focken“ (Ferkeln), heute leben hier 160 Schweine, 18 Kühe, zwei Haflinger und 50 Hennen wie im Bio-Bilderbuch.

Sie toben draußen auf der Wiese, solange es ihnen gefällt, oder verziehen sich nach drinnen in einen Stall, den Kral ohne Beton, aber mit Zirmholz, Naturstein und Lehmputz hergerichtet hat: „Sie sollen es ja fein haben.“

Zum Schlachter geht’s erst nach zwölf Monaten. Dort werden die Schweine dann zur Hamme oder Kaminwurze, die nach dem Räuchern in Krals prallvollem Speckhimmel zwölf bis 18 Monate lang zum ultimativen Gaumengenuss heranreifen darf.

Die lange Fahrt zum „Schweineflüsterer“ lohnt sich allemal, aber zum Kosten (und Kaufen) gibt es seinen Speck von glücklichen Schweinen auch auf dem Obstmarkt in Bozen. 

Mehr dazu: www.suedtirol.info

Robert Thurner: Leben im Paradies der Vielfalt

Nach 20 Jahren als Elektrotechniker für Beschneiungsanlagen in den Skigebieten der Welt war Robert Thurner reif – für den elterlichen Afingsbruckhof in Sarnthein.

Aber was tun? Ziegen halten wie der Opa? Nein, dieser Ort am Ende der Sarntaler Schlucht, wo es im Sommer 40 Grad heiß wird, war doch ideal für Beeren und Gemüse!

Heute hegt Thurner hier mit seiner Frau Reinhilde und den Kindern Noah und Mia ein Paradies der Vielfalt. Mehr als 500 Arten wachsen auf einem Hektar, alle unbehandelt. So gedeihen hier viele Beeren, die Gott wachsen lässt, dazu Paprika, Topinambur und rare Kartoffeln wie die „Blauen Schweden“. Auf dem Flachdach des Hauses leuchten bunte Bienenstöcke, im Stall wuseln Wachteln, im alten Keller sprießen Austernpilze.

Was reif ist, liefert Thurner in Hotelküchen und auf Bauernmärkte. Oder es wird „veredelt“ zu Fruchtaufstrichen, Sirup oder Antipasto. „Genug wäre nie – es wächst, was wächst“, sagt Thurner. Vor allem auch die Arbeit: Frei hat er nie, Ferien sind ein Fremdwort. Doch der Schalk blitzt Thurner aus dem Gesicht: „Wir machen einfach das ganze Jahr Urlaub auf dem Bauernhof!“ 

Mehr dazu: www.suedtirol.info

David Perathoner betreibt einen Ziegenhof

Tierisch fröhlich: David Perathoner, Testpilot, betreibt jetzt einen Ziegenhof

David Perathoner: Tierlieber Testpilot

In seinem früheren Leben war David Perathoner Testpilot für Gleitschirme, arbeitete dann im Sportartikelgroßhandel. „Aber mit 45 hat’s mir gereicht“, sagt er und herzt ein schwarz-braunes Zicklein.

St. Ulrich und Langkofel leuchten als Kulisse, wir sind in Tanirz, einem Weiler oben auf der Grödner Sonnenseite – auf dem Goashof. Im Stall tummeln sich an die hundert Ziegen. „Jetzt spinnt er komplett“, habe es damals geheißen, erzählt Perathoner.

Der Überflieger pachtete einen uralten Hof; reiste nach Österreich, Deutschland, Frankreich, bis in die Niederlande, „um zu lernen, wie man Ziegen hält“. Wieder zurück, holt er von einem Biobetrieb aus dem Allgäu eine Herde „Bunte Deutsche Edelziegen“.

Im März 2012 gab’s die erste Milch; jetzt sind es um die 140 Liter pro Tag. Ziegenfrischmilch, die er mit seinem Kühlauto bis nach Meran liefert, in Bioläden, Bäckereien, Hotels. Einem Feinkosthändler in Müchen sagte Perathoner ab: zu aufwendig. Seine Freiheit geht ihm über alles. Ab 5.30 Uhr die Ziegen melken, ab 7 Uhr die Milch verarbeiten, danach die Verkaufstour fahren, am Nachmittag die Wiesenarbeit: Welcher Testpilot könnte so leben?

Mehr zu David Perathoner gibt es hier: www.goashof.it

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