Mostar, Bosnien-Herzegowina

Die Brücke von Mostar – als sie 1993 im Bürgerkrieg zerschossen wurde, gingen die Fernsehbilder um die Welt. Mittlerweile ist das Wahrzeichen der zweitgrößten Stadt Bosnien-Herzegowinas wieder aufgebaut. Und Mostar übt wieder den Brückenschlag zwischen den Kulturen, die sich auf die beiden Uferseiten des Neretva verteilen. Der Osten der Stadt ist muslimisch geprägt, im Westen wohnen vor allem bosnische Kroaten katholischen Glaubens. Die Stadt gilt zudem als Schatz der osmanischen Architektur. Davon zeugen zum Beispiel der alte Basar Kujundžiluk oder die 1557 erbaute und nach dem Bosnienkrieg restaurierte Karađozbeg-Moschee. Alle stehen sie aber im Schatten von Stari Most, der „alten Brücke“ aus dem 16. Jahrhundert, sie sich in bogenförmig über den bedeutendsten Fluss im Land spannt.

 

Vielleicht liegt es auch an den geringen Suchanfragen aus Deutschland, aber zurzeit besteht kein Flugverkehr am Flughafen Mostar. Alternativ können Besucher nach Sarajevo oder Split fliegen.

 

Cuneo, Italien

Goethe ließ Cuneo auf seiner Reise durch Italien links liegen. Auch in Liedern wurde die 56.000-Einwohner-Stadt noch nicht besungen. Vielmehr steht sie im Schatten anderer piemontesischer Städte wie Turin, Asti oder Alba. Und seien wir ehrlich: Cuneo ist nicht die allersehenswerteste Stadt Italiens – trotz seiner neoklassizistischen Piazza Galimberti. Aber Cuneo ist das Tor zum vielleicht schönsten Tal der Alpen: dem Valle Maira. Man könnte sich also am Aeroporto Internazionale di Cuneo einen Wagen nehmen und die Bergwelt des Piemonts erfahren. Das Valle Maira ist ein verwunschenes Tal. 60 Kilometer weit schneidet es sich von West nach Ost tief durch die Kottischen Alpen, deren höchste Gipfel die 3000er-Marke deutlich überragen. Da das Maira-Tal keinen Pass auf die französische Seite hat, bleibt es vom Durchgangsverkehr verschont. In den Weiten der Westalpen kreuzen sich nur selten die Wege der Wanderer. Und auch Mountainbiker und Skitourengeher kommen hier voll auf ihre Kosten. In den vergangenen Jahrzehnten war das Tal stark von Landflucht betroffen. Heute werden einige verlassene Bergbauernhöfe wiederbelebt und geschmackvoll zu Pensionen ausgebaut wie beispielsweise die Pensione Ceaglio.

Trollhättan, Schweden

Ob es ein Auto-Nostalgiker war, der einen Flug nach Trollhättan suchte? In der 49.000-Einwohner-Stadt wurden ab 1947 windschnittige Limousinen gebaut. Im Jahr 2012 nahm die Saga von Saab ein trauriges Ende – mit der Insolvenz. Immerhin konnte das Saab-Museum gerettet werden. Es ist heute einer der größten Touristenmagnete in der westschwedischen Stadt. Eine Reise wert ist Trollhättan auch wegen der nahen Wasserfälle. 32 Meter tief stürzt Schwedens längster Fluss, der Göta älv, hier in die Tiefe – theoretisch. Denn das Wasser wird die meiste Zeit zur Stromherstellung abgezweigt. Trollhättan ist eben die meiste Zeit eine Industriestadt. Das Kanalmuseum erzählt die lange Geschichte vom Umschiffen der Wasserfälle. Immerhin werden vor allem im Sommer noch regelmäßig die Schleusen geöffnet. Dann rauschen 300 Kubikmeter pro Sekunde an den Schaulistigen vorbei.

Derry, Nordirland

Wäre es nach Sympathiepunkten gegangen, dann wäre entweder Island oder Nordirland 2016 Fußball-Europameister geworden. Doch während die Vulkaninsel durch die EM einen weiteren Tourismus-Schub erfährt, hat kaum jemand Nordirland auf dem Radar. Dabei ist zum Beispiel Derry, die nach Belfast zweitgrößte Stadt des Landes, schon aus zeitgeschichtlichen Gründen ein spannendes Reiseziel. Der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten schlägt sich bereits im Städtenamen nieder: Während die alteingesessenen Iren Derry oder Doire sagen, bevorzugen die Großbritannientreuen Unionisten den offiziellen Namen Londonderry. Weltbekannt sind die Wandbilder im katholischen Viertel Bogside, die an den Bloody Sunday und den Bürgerkrieg erinnern. Derry hat aber auch klassische Sehenswürdigkeiten wie die Altstadt mit einer 1,5 Kilometer langen begehbaren Stadtmauer aus dem 17. Jahrhundert. Oder die St. Columb’s Cathedral, die größte anglikanische Kathedrale Nordirlands. Der City of Derry Airport ist via London sehr gut aus Deutschland zu erreichen.

Dole, Frankreich

Wer bei Dole nur an Ananas denkt, verkennt die wunderschöne Kleinstadt gleichen Namens im ostfranzösischen Département Jura. Rund um die Stiftskirche Notre-Dame erzählt die Altstadt von einer bewegten Vergangenheit, als Dole noch die Hauptstadt der Freigrafschaft Burgund (Franche-Comté), einer Region etwa so groß wie Thüringen, war. Heute ist Franche-Comté ein beliebtes Urlaubsgebiet vor allem für Wasserfreunde. Der Fluss Doubs und der Rhein-Rhône-Kanal sind Traumreviere für Kanus und Hausboote. Südlich der Stadt liegt der Aéroport Dole Jura (DLE). Er wird zurzeit nicht direkt von Deutschland aus angeflogen, was das minimale Suchvolumen erklären könnte. Eine der Sehenswürdigkeiten von Dole ist das Geburtshaus von Louis Pasteur (1822 - 1895). Der Chemiker hinterließ der Menschheit vor allem die Pasteurisierung, das Haltbarmachen von Lebensmitteln durch Erhitzen.

Land's End, England

Komm, wir fliegen ans Ende der Welt! Das geht wirklich. Dazu muss man allerdings erst einmal auf den englischen Scilly-Inseln sein. Der Land’s End Airport gehört nämlich der Fluglinie Isles of Scilly Travel, die das englische Festland mit der Hauptinsel der Scillies verbindet. 15 Minuten dauert so ein Flug zwischen Land’s End und St. Mary’s. Land’s End selbst ist längst kein Geheimtipp mehr. Die Landzunge am westlichsten Ende von Cornwall ist in Privatbesitz. Touristen lockt vor allem der errichtete Themenpark mit seinen Shops, Hotel und 4D-Kino inmitten imposanter Natur. Darunter auch viele Deutsche, die auf den Spuren der Romane von Rosamunde Pilcher wandeln. Die meisten Besucher kommen allerdings über den Landweg hierher und nicht mit den kleinen Flugzeugen der Isles of Scilly Travel.

Badajoz, Spanien

Badeurlaub? Nicht hier. Die spanische Region Extremadura liegt im Landesinneren, ohne Zugang zum Meer. Sie ist dünn besiedelt, eine der ärmeren Regionen Spaniens – aber durchaus reich an Natur- und Kulturschätzen. Bekanntester Exportschlager ist der Jamón Ibérico, ein luftgetrockneter Schinken vom schwarzen iberischen Schwein. Auf mehr als 85.000 Hektar Rebfläche wachsen einige der besten Tempranillos Spaniens. Hauptstadt der Extremadura ist Badajoz mit knapp 150.000 Einwohnern. Im frühen Mittelalter war Badajoz sogar Hauptstadt eines Emirates, das neben der Extremadura einen Großteil Portugals umfasste. Die maurischen Wurzeln erkennt man noch heute an der Festung Alcazaba. Da Badajoz an der portugiesischen Grenze liegt, ist es nach Lissabon nur unwesentlich weiter als nach Sevilla, der nächst größeren spanischen Stadt. Und für alle, die unbedingt baden möchten: Am Stadtrand befindet sich Aqua Badajoz, ein großes Freizeitbad.

Skyros, Griechenland

Klares Wasser, Fischerboote, weiße Häuschen, die sich an einen Berg schmiegen – Skyros entspricht in vielen Dingen dem Idealbild einer griechischen Insel. Der Hauptort Chora gilt sogar als eines der schönsten Dörfer der Ägäis. Warum verlieren sich dann nur so sporadisch Urlauber auf diese Insel? An fehlenden Unterkünften liegt es nicht. Skyros bietet Hotels, Appartements und Studios in verschiedenen Preislagen. An der Landschaft der größten und nördlichsten Sporadeninsel kann es auch nicht liegen. Sie ist sehr abwechslungsreich, die bewaldeten Berge sind von Wanderwegen durchzogen. Zum Abkühlen und Entspannen gibt es einige schöne Strände. Und wie auf nur wenigen Ägäis-Inseln erlebt man auf Skyros noch das traditionelle Griechenland. Die rund 2700 Bewohner pflegen ihre kulturellen und religiösen Bräuche bis heute. Auf der Insel lebt sogar eine eigene, uralte Pferderasse - das halbwilde Skyros-Pony. Und dennoch scheint kaum jemand diesen griechischen Geheimtipp auf dem Zettel zu haben, dabei fliegt Aegean Airlines mit Zwischenstopp in Athen den Skyros Island National Airport von verschiedenen deutschen Städten an.

Tartu, Estland

Quirlige Studentenstadt trifft historische Altstadt – das ist das Erfolgsrezept von Tartu, der nach Tallinn zweitgrößten Stadt Estlands. Jeder siebte der knapp 100.000 Einwohner ist an der Universität immatrikuliert. Deren prächtiges Hauptgebäude erzählt von einer langen Geschichte, die nicht zuletzt von deutschen Einflüssen geprägt wurde. Im 19. Jahrhundert war die Universität die einzige deutsche Hochschule im Russischen Zarenreich. Auch das klassizistische Rathaus trägt deutsche Handschrift: Es ist das Werk eines Rostocker Architekten. Auf andere Art imposant ist die Ruine des Doms. Die gotischen Spitzbögen ragen wie Skelette in den Himmel. Schaurig-schön, vor allem im Winter. In den Gassen und auf den Plätzen der restaurierten Altstadt tobt vor allem im Sommer das Leben. Im verlagert sich das Leben in die vielen Kneipen und Cafés. Die Lebenslust dieser Stadt hat ein Künstler in Bronze gegossen: Im Brunnen vor dem Rathaus steht ein sich innig küssendes Studentenpärchen. Wäre diese Stadt nicht so abgelegen, würden sich unter die Studenten sicherlich auch mehr Touristen mischen! Lediglich Finnair fliegt Tartu an, und zwar von Helsinki.

Namsos, Norwegen

„We don’t want to be Namsosed again“, soll Winston Churchill gesagt haben. Und zwar nachdem die deutsche Luftwaffe 1940 die norwegische Stadt Namsos zerbombt hatte. Und das, nachdem Namsos bereits 1872 und 1897 durch zwei Großfeuer in Schutt und Asche zerfallen war. Was ist also zu erwarten von einer Stadt, die im englischen Sprachgebrauch bis heute für vollständige Zerstörung steht? Die hübschen Holzhäuser von einst haben die drei Feuersbrünste nicht überstanden. Namsos heute bedeutet: Beton. Die Stadt ist keine Schönheit, trotz ihrer Lage an der Mündung des Flusses Namsen in den Namsenfjord, umgeben von bewaldeten Hügeln. Aber Hässlichkeit in Norwegen ist schon fast wieder ein Kunststück …

 

Ein paar Sachen gibt es dennoch zu sehen. Vor der Stadt liegt das norwegische Sägewerkmuseum. Lysstøperiet fertigt Kerzen, die eigentlich zu schade, zum Abbrennen sind. Die meisten Touristen kommen nicht über den kleinen Namsos Lufthavn in die Stadt, sondern per Auto oder Wohnmobil. Namsos liegt an der spektakulären Küstenstraße Fv17 zwischen Steinkjer und Bodø.

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