Österreich Im Salzkammergut die heile Alpenwelt erleben

Berühmt geworden durch Heimatfilm und Salz überzeugt die Region in Oberösterreich heutzutage mit Bergen, Seen und kaiserlicher Küche
Ortsansicht Hallstatt, Salzkammergut, Österreich

Salz machte Hallstatt reich und verhalf gleich der gesamten Region zu ihrem Namen

Ausflug in den Heimatfilm

Der Oberkellner heißt nicht Leopold, sondern Thomas, er begrüßt die Gäste auch nicht mit Gesang, sondern mit Weinwissen. Und seit der Gasthof erweitert wurde, spielt er eh in der Luxus-Liga. Trotzdem weht durch das Weiße Rössl (St. Wolfgang, www.weissesroessl.at, DZ ab ca. 180 €) noch der Geist der Operetten-Verfilmung "Im weißen Rößl", die das Salzkammergut in den 60er-Jahren zum Inbegriff heiler Alpenwelt machte. Noch immer steigen täglich viele Fans aus Reisebussen und Schunkeldampfern, um zu sehen, wo Peter Alexander als Leopold „Rößl“- Wirtin Josepha einwickelte. Die lotst Wirtin Gudrun Peter aus Rücksicht auf ihre Hotelgäste diskret auf die Terrasse. Das ist auch einer meiner Lieblingsplätze: Mit Blick über den blitzblauen See, hinter dem sich der Dachstein ins Bild schiebt, klingen mir die Schlager wie ein Echo aus der Kindheit in den Ohren.

Auf kaiserlichen Spuren durch das Salzkammergut

In Bad Ischl, wo Kaiser Franz Joseph I. bis 1914 – vom kleinen Prinzen bis zum greisen Monarchen – 82-mal die Sommerfrische verbrachte, lebt die Donaumonarchie fort. Wer dem Kaiser-Kult mit Augenzwinkern begegnet, kann sich königlich amüsieren. Meine k.u.k.-Runde beginnt mit ein paar Bahnen im Pool der Eurothermen, dem aufgebrezelten Kurzentrum. Im salzhaltigen Ischler Wasser soll einst die Monarchie gerettet worden sein: Erst eine Kur bescherte Erzherzogin Sophie 1830 den Thronfolger Franz Joseph, den das Volk „Salzprinz“ taufte (www.eurothermen.at). Dann bummele ich ins Café Ramsauer an der Kaiser-Franz-Joseph-Straße. Seit Walzerkönig Johann Strauß zum Tarockspielen herkam, wird hier Kaffeehaus-Kultur gepflegt (www.cafe-ramsauer.at). In der im Sommer zugänglichen Kaiservilla amüsiert mich, dass den Regenten eines Reichs, das bis Prag, Budapest, Triest und Sarajevo reichte, im Urlaub dieselben Sorgen plagten wie seine Untertanen: Im Schlafzimmer steht eine Sammlung Barometer, mit denen er das unberechenbare Wetter vorherzusagen hoffte (www.kaiservilla.at). Von der Sommerresidenz spaziere ich zur Villa Schratt, heute ein Gästehaus (www.villaschratt.at). Den Weg legte der Kaiser täglich zurück, weil ihn dort mit frisch gebackenem Guglhupf Burgschauspielerin Katharina Schratt empfing. Sie war die Liebe seines Alters, nachdem sich die Ehe zwischen Seiner eher drögen Majestät und der quecksilbrigen Sisi als Missverständnis entpuppt hatte. Schließlich suche ich mir in der Hofzuckerbäckerei Zauner noch ein Souvenir aus unter rund 200 Torterln, Wipferln & Kipferln (www.zauner.at). In meinem Hotel Goldener Ochs, Baujahr 1790, gibt’s Kaisers Lieblingsdessert: super fluffigen Kaiserschmarrn (www.goldenerochs.at, DZ ab 112 €).

Seeblicke im Salzkammergut

Vor ein paar Jahren nahm Larry Ellison an einer exklusiven Segelregatta am Traunsee teil, laut Forbes-Liste der fünftreichste Mensch der Welt. Nach dem Cruisen legte seine Crew am Ostufer an, um im Karbach einzukehren. Der Milliardär durfte aber weder die legendäre Brettljause noch das frisch gezapfte Bier genießen. Er hatte versäumt, Alois Vogl, den für seine rigide Hausordnung berüchtigten Wirt der Jausenstation, zu grüßen und wurde nicht bedient (Tel. 0043-664-451 88 30, nur per Wassertaxi von Traunkirchen zu erreichen). Mit Spezialitäten wie Mondseer Lamm, Wild aus dem Höllengebirge und angelgefischtem Zander ist das Salzkammergut eine der ergiebigsten Genuss-Regionen Österreichs. Das Schöne für passionierte Terrassen-Gourmets wie mich: In der Region der 76 Seen wird zu den Schmankerln oft noch Seeblick serviert. Mal knorrig wie bei Alois, mal mondän wie im Bootshaus. Das Restaurant gehört zum Hotel Das Traunsee. In stylischer Holz-Glas-Architektur verwöhnt Lukas Nagl, zwei Gault-Millau-Hauben, direkt am See mit puristischer Regionalküche. Tipp: Seine Flusskrebs-Germknödel und die von Lukas Nagl persönlich entdeckten Süßwasser-Muscheln aus dem Traunsee (www.dastraunsee.at, DZ ab ca. 172 €). Am Attersee empfehle ich den Litzlberger Keller, wo Gäste mit Seeblick nächtigen können. Die Küche hat Klassiker vom Tafelspitz bis zu Nockerln, und auf der Terrasse diniert man in Kunstgeschichte: Jugendstil-König Gustav Klimt hat während seiner 16 Attersee-Urlaube den Litzlberger Keller gemalt, ein Bild wurde kürzlich für 30 Millionen bei Sotheby’s versteigert (www.litzlbergerkeller.at, DZ ab ca. 98 €). Am Mondsee, dem beliebtesten, weil mit circa 25 Grad wärmsten Badesee des Salzkammerguts, kehre ich bei Martin Lackner ein. Der Patron des Seehotel Lackner ist ein Multitalent: Hotelier, Sommelier und exzellenter Koch: Sein Tatar vom Mondseer Räucherfisch kann sogar mit dem genialen Seeblick konkurrieren (www.seehotel-lackner.at, DZ/HP ca. 216 €). Im gemütlichen Aichingerwirt am Mondsee kocht Juniorchef Michael Ellmann groß auf, Spezialität: Hochlandrind aus eigener Zucht (www.aichingerwirt.at, DZ ab ca. 115 €).

Villa Schratt, Bad Ischl, Salzkammergut

Die Villa Schratt suchte Kaiser Franz Josef nahezu täglich auf, wenn er im Salzkammergut war, damals gab es frischen Guglhupf, heute beherbergt das Haus Gäste

Tracht und Tradition

"Grande Dame der Tracht" wird Gexi Tostmann genannt. Sie führt in Seewalchen am Attersee Österreichs renommiertestes Trachtengeschäft. Gexi trägt selbst nur Dirndl und hat alles, vom Alltagsdirndl bis zum Festdirndl für den Auftritt bei den Salzburger Festspielen. Die bekennende 68erin sympathisiert übrigens mit den Grünen und schimpft auf rechte Politiker, die das Tragen der Tracht stigmatisieren (www.tostmann.at). Ein weiteres Traditions- Produkt wird gerade reloaded: der Goiserer: Den im 19. Jh. von Schuster und Bergführer Franz Neubacher erfundenen Bergschuh trug selbst Kaiser Franz Joseph auf der Jagd. Heute setzt der junge Schuster Sebastian Leitner in Bad Goisern die Tradition fort (www.goiserer.at).

Gipfel der Gemütlichkeit

Im Salzkammergut stehen Charakterköpfe wie der Dachstein mit seinen fast 3000 Metern. Markenzeichen der Region sind trotzdem nicht die steilen „Zapf’n“, sondern die vielen schönen Wander-Berglein, die sich mal lässig, mal markant vom Seeufer aufschwingen, stets im aeroben Bereich um 1500 Meter, mit mindestens einer Jausenstation – und einer Aussicht wie ein Großer. Zum Schafberg etwa fährt vom Wolfgangsee zwar eine Dampflok, aber die ist meist voll (www.schafbergbahn.at). Lieber wandere ich über die Schafbergalm in drei Stunden auf 1752 Metern und verstehe, warum der Berg als einer der schönsten Aussichtsberge des Landes gilt. Und in der kühn über der Nordwand thronenden Schutzhütte Himmelspforte serviert Familie Leitner Kaspressknödelsuppe (Tel. 0043-664-433 12 77). Gerade mal 923 und 1037 Meter erreichen der Kleine und Große Sonnstein. Trotzdem stecken die Hausberge von Traunkirchen voller Erlebnisse: knackige Pfade durch den Wald, Kraxelpassagen an den Gipfeln, im Sonnsteinkar sogar Gämsen und mit der Sonnsteinhütte einen Rastplatz in Adlerhorst-Lage (www.sonnsteinhuette.at). Auf die Katrin, den Hausberg von Bad Ischl, fahre ich mit der Seilbahn (www.katrinseilbahn.com), weil die schönste Tour oben beginnt: Die Höhenwanderung über Elferkogel und Hainzen nebst Rast mit leckeren Mehlspeisen in der Katrinalmhütte (www.katrinalmhuette.at).

Salz suchen im Salzkammergut

Ringsherum Berge, die einem fast unanständig nahe rücken, mittendrin der See, dunkel wie der Eingang zum Hades. Es gibt beschaulichere Plätze, um einen Ort zu gründen. Doch Hallstatt besitzt einen Rohstoff, um den
einst Kriege geführt wurden: Salz. Seit 7000 Jahren wird das „weiße Gold“ aus dem Haselgebirge gefördert – im ältesten Bergwerk der Welt. Das Schaubergwerk erinnert an einen Unter-Tage-Freizeitpark (www.salzwelten.at). Interessanter ist es, den Archäologen vom Naturhistorischen Museum Wien beim Buddeln im berühmten Gräberfeld hoch über Hallstatt zuzusehen. Am Grabschmuck ist abzulesen, dass der Ort dank des Salzes schon eine High Society hatte, als Rom noch nicht erbaut war. Das Museum Hallstatt erzählt die 7000 Jahre alte Geschichte des UNESCO-Weltkulturerbes (www.museum-hallstatt.at). Vom Mittelalter an wurde das Salz mit Wasser aus dem Gestein gelöst. Um die Sole in die Sudpfannen im 40 Kilometer entfernten Ebensee zu transportieren, wurde um 1600 die älteste Pipeline der Welt aus 13 000 hohlen Baumstämmen gebaut. Der Soleweg folgt in vier Etappen von Hallstatt über Bad Goisern, Bad Ischl nach Ebensee dieser Geschichte (http://dachstein.salzkammergut.at). Allerdings sind die Baumstämme längst durch Kunststoff ersetzt.

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