Norddeutschland Auf zum Schaalsee!

Eine intakte Natur und zauberhafte Dörfer säumen das Biosphärenreservat zwischen Hamburg und Schwerin, einst Teil der innerdeutschen Grenze
Auf zum Schaalsee!

Einstimmen

Norddeutschlands tiefster See liegt da wie ein glattes Tuch. Ein Fisch taucht kurz auf, einige Enten fliegen schnatternd los. Dann beginnt der Holzsteg ganz leicht zu schwanken. Ein kleines Fischerboot zieht durchs Blickfeld. Zu hören ist es am Ufer nicht. Ein Elektromotor treibt es an, wie alle Boote hier, der Natur zuliebe. Die ist ein von der Eiszeit geformtes Naturparadies auf halber Strecke zwischen Hamburg und Schwerin. Und ein Biosphärenreservat, was Besucher oft an dem merken, was sie nicht sehen: den See zum Beispiel, der nur eingeschränkt zugänglich ist. Oder die Wasservögel, die sich in den geschützten Uferzonen verstecken. Einst durchzog der See, der am ehesten als ausgefranstes Y zu beschreiben ist, die innerdeutsche Grenze. Heute teilen ihn sich Schleswig-Holstein und Mecklenburg- Vorpommern. Die Region wächst zwar zusammen, aber der See blieb seiner Randlage treu. Das ist sein großes Glück.

Im Norden

Das kleine Dorf Salem mit seinen alten Bauern- und Fachwerkhäusern liegt dekorativ am nördlichen Ausläufer des Salemer Sees, der per Kanal mit dem Schaalsee verbunden ist. Der Familienbetrieb der Kaisers baut Spargel und Erdbeeren an und hält Galloways. Im Hofcafé neben dem Hofladen esse ich eine hausgemachte Galloway-Roulade (www.kaiserhof-salem.de). Ganz in der Nähe, am Schaalsee-Camp, könnte ich mir jetzt ein Kanu ausleihen (www.kanu-center.de). Stattdessen lenke ich mein Auto über holprige, schmale Landstraßen nach Kittlitz. Genauer gesagt, zum Dielencafé (www.dielencafe.com), wo ich am riesigen Torten-Buffet einen Stopp einlege, bevor es weitergeht zur schönen, backsteinroten Maria-Magdalenen-Kirche in Mustin. An der Tür der Gläsernen Molkerei, einer Bio-Meierei mit Laden und kleinem Café in einem kubistischen Gebäude aus Holz und Glas, rüttle ich leider vergebens: Ich hätte mich zur Besichtigung anmelden müssen (www.glaeserne-molkerei.de). In Klein Thurow übernachte ich schließlich in der Bauernkate von Familie Strauß. Sie hat ein altes Bauernhaus liebevoll renoviert und eine neue Scheune mit alten Baumaterialien errichtet. Balken und Ziegel wirken, als hätte das Gästehaus mit Ferienwohnungen und Heuhostel eine lange Geschichte hinter sich (www.bauernkate-klein-thurow.de, Heu-Hostel ab 20 € p. P.). Beim Frühstück am alten Ofen mit Schafskäse aus der Klein Salitzer Milchschäferei (www.salitzer-milchschaeferei.de) blicke ich auf die Schafe, die vor der Tür weiden, auf die rot leuchtenden Apfelbäume und den Bauerngarten in voller Blüte. Zum Abschied verraten mir meine Vermieter noch ihr liebstes Badeplätzchen: den Steg am Goldensee in Gross Thurow.

Der Osten

Dieser Teil des Sees steht als Biosphärenreservat unter strengem Schutz. Die Straße führt auf Abstand zum See vorbei an Feldern und wogenden Wiesen, Obstbäume säumen die Alleen. Die unscheinbare Dorfkirche St. Abundus in Lassahn ist innen ein wunderschönes, mit Holzarbeiten reich verziertes Gotteshaus. Auf dem Kirchhof liegt das Familiengrab der von Bernstorffs, eine Gedenktafel erinnert an den von den Nazis ermordeten Widerstandskämpfer Albrecht Graf von Bernstorff. Familie Strauß hatte mir das Restaurant Brückenhaus am Schaalsee auf der Stintenburginsel ans Herz gelegt. Bei hausgebackenem Apfelkuchen genieße ich den Blick über den See (www.brueckenhaus-am-schaalsee.de) und schaue bei der Klopstock-Eiche vorbei. Sie erinnert an den Schaalsee-Besuch des Dichters 1767 und seine Ode an die Stintburginsel. Südlich davon liegt Techin. Mit seinen hübsch herausgeputzten Bauernhäusern gilt es als eines der schönsten Dörfer der Region.

Der Süden

Gleich am Ortseingang von Zarrentin, der einzigen Stadt am Schaalsee, liegt das Pahlhuus. Das Infozentrum des Unesco-Biosphärenreservats erklärt, warum Kraniche, Gänse und Enten die Gegend während des Vogelzugs nutzen (www.schaalsee.de). Ich habe Glück: Am ersten Sonntag des Monats findet am Pahlhuus der Schaalsee-Markt statt – mit Kunsthandwerk und regionalen Produkten, die unter der Woche auch im Regionalwarenladen zu bekommen sind (Hauptstr. 15, www.schaalsee-info.de). Ich folge dem Uferweg vom Pahlhuus zum Kloster, vorbei an Fischerhütten mit kleinen Holzbooten, schmalen Anlegern und Stegen, gesäumt von alten Weiden und Schilf. Der markante rote Backsteinbau von 1246 beherbergt heute Verwaltung, Ausstellungs- und Veranstaltungsraum (www.kloster-zarrentin.de). In der Klosterkirche St. Petrus und St. Paulus beeindrucken mich die romanischen und gotischen Wandmalereien (Amtsstr. 9, www.kirche-zarrentin.de). Das Fischhaus am Schaalsee, Restaurant und Hotel, serviert auf der großen Seeblick-Terrasse Schaalsee-Maräne, einen selten gewordenen, lachsähnlichen Fisch (Amtsstr. 11, www.fischhaus-schaalsee.de, DZ ab 99 €).

Auf zum Schaalsee!

Malerisch am Seeufer liegt das Kloster von Zarrentin, welches bereits 1246 gegründet wurde

Der Westen

Ein Rundgang durch das im 12. Jahrhundert erstmals erwähnte Seedorf lohnt sich: idyllische Reetdachhäuser, malerische Gärten, versteckte Villen. Nahe der St. Clemens-St. Katharinen-Kirche laufe ich vorbei am Seedorfer Schloss (Privatbesitz) zur kleinen Halbinsel Seedorfer Werder und spaziere durch den Buchenwald, der das Ufer säumt. Auf dem Gutshof Gross Zecher, wo ich auch übernachten könnte, beende ich meine Schaalsee-Umrundung und verspeise in der Kutscherscheune mit Blick auf das stille Gewässer einen Wildschwein-Burger (www.kutscherscheune.de, DZ ab 75 €).

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