Europäische Kulturhauptstadt 2015 Pilsen entdecken - die besten Reisetipps

Prags kleine Nachbarin lässt die Puppen tanzen. Natürlich führt unser Bummel rund um einen der größten Marktplätze Europas auch an die Quellen des berühmten Bieres
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Er misst 193 mal 139 Metern und ist einer der größten Marktplätze Europas. Ein Hingucker des Marktplatzes sind die goldenen Brunnen, die von Architekt Ondrej Ci­sler entworfen wurden

Einstimmen:

Scheckig ist das Land eine Autostunde westlich von Prag, ein Patchwork aus grünen Hügeln, Feldern, Wald und Flüssen. Zwei davon, Mže und Radbuza, nehmen Pilsen, die viertgrößte tschechische Stadt, in die Zange und fluten manchmal das FC-Viktoria-Stadion. Der zweifache Meister könnte dann auf dem Platz der Republik kicken: Mit 193 mal 139 Metern einer der größten Marktplätze Europas, würde er Rasen und Stehplätze locker fassen, gerahmt von farbenfrohen Giebelfassaden und Bürger-Palais, quasi den VIP-Logen der Stadt.

Hingucker sind die drei riesigen modernen goldenen Brunnen, die in den Ecken des Platzes Wasser in schwarze Granitbecken speien. Dank Schachbrett-Grundriss ist das Zentrum der 170 000-Einwohner-Stadt leicht zu erlaufen. Im Kulturhauptstadtjahr begleiten neun Guides die Besucher, darunter ein Student, ein Weltkriegsveteran und eine ukrainische Immigrantin. Sie zeigen ihr ganz persönliches Pilsen – via Handy-App im Projekt Verborgene Stadt (ab Januar unter www.plzen2015.cz).

Ansehen:

Vor dem Renaissance-Rathaus beginnt 1838 Pilsens Biertradition - mit einer Überschwemmung: Wütend über die miese Plörre hiesiger Brauer, kippen Bürger 36 Fässer aus. Der Magistrat versteht den Groll und holt den gleichnamigen bayerischen Biertüftler. Josef Groll erfindet 1842 das Pils und beschert der Stadt ihr Image bis heute.

Doch Pilsen will mehr zeigen als gut gezapfte Schaumkronen. Etwa seine – ja, man muss schon sagen – Monumentalbauten: Die maurisch-romanische Synagoge mit den roten Zwiebeltürmen etwa, weltweit die drittgrößte, gewinnt allmählich ihren Kampf gegen den Verfall. Dank üppiger Spenden ist das Dach wieder dicht, das Deckengemälde aber noch ein Puzzle

(Sady Pětatřicátníků 35/11).

Bürgerliches Vereinshaus, das klingt nach Teerpappen-Baracke, ist jedoch ein 1901 auf Initiative eines Bürgervereins erbautes, prächtiges Kulturzentrum mit Jugendstil-Café und verschnörkelten Prunksälen (Kopeckého sady 13, www.mestanska-beseda.cz). Sehenswert!

Am schattigen, mit Springbrunnen und Blumenbeeten verzierten Altstadt-Grüngürtel stehen zwei Metallgesellen mit Mauseohren und Knopfaugen: Spejbl und Hurvínek, Pilsens berühmteste Handpuppen. Ihre fast 300 Verwandten, von fingerklein bis lebensgroß, hängen nur ab – an Haken im Marionettenmuseum. Einige können Besucher sogar ausprobieren (Námestí Republiky 23, www.muzeumloutek.cz). Haushohe Puppen werden als Hommage an die tschechische Marionettentradition während des Kulturhauptstadtjahrs durch die Straßen wandeln.

Pils:

Expeditionen ins Bierreich bietet neben dem Brauereimuseum (Veleslavínova 6, www.prazdrojvisit.cz) auch die Urquelle Brauerei im klammen, kilometerlangen Kellerlabyrinth, wo jährlich ein paar Hektoliter herbes Helles wie vor hundert Jahren in riesigen Holzfässern reifen (U Prazdroje 7, Tel. 00420-377-06 28 88).

Im Pub zapft jeder sein Pils selbst. Am Tisch. Und das Display über dem Hahn zeigt nicht nur den Konsum an, sondern auch die Songs, mit denen der Gast das Lokal beschallen kann

(Pražská 1, www.thepub.cz). Bei Botanik schließlich gibt es neben Seifen, Ölen und Tees auch Bier-Handcreme, Bier-After-Shave und Bier-Shampoo (Riegrova 1, www.botanikplzen.cz).

Essen:

Wildschwein in Hagebuttensoße und andere böhmische Spezialitäten gibt’s im U Mansfelda – draußen auf der Stadtmauer-Terrasse oder drinnen im Wirtshaus

(Dřévéná 9, Tel. 00420-377-33 38 44, www.umansfelda.cz). Im Kellergewölbe Rango mit seiner guten mediterranen Speisekarte gluckst der Hausbrunnen bei Kerzenlicht

(Pražská 10, Tel. 00420-377-32 99 69, www.rango.cz).

Schlafen:

Fünf Gehminuten vom Zentrum bietet das Hotel U Zvonu Zimmer in angenehm warmen Farben und Gratis-WLAN (Pražská 2685/27, Tel. 00420-378- 01 18 55, DZ/F ab 63 €, www.hotel-uzvonu.cz).

Das Hotel Rous, in einem Bürgerhaus aus dem 13. Jahrhundert gelegen, imponiert durch seine Feldstein-Optik und seine Geschichte: Besitzer war einst ein Textilhändler, der auch ein Bordell betrieb (Zbrojnická 7, Tel. 00420-377-32 02 60, DZ/F ab 75 €, www.hotelrous.cz).

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