Nach dem ersten harten Frost haben Fischer des kasachischen Dorfes Tastubek unter der Eisdecke Netze ausgespannt. Nun holen die Männer sie durch Löcher entlang der Strecke wieder ein. Ihr Fang: Flundern – jene Speisefisch-Art, die es in dem mit Salz belasteten einstigen Süßwassersee noch aushält

Im ehemaligen Hafen von Aralsk rostet ein Trawler auf verschneitem Sand. Um die Steppen Usbekistans und Kasachstans in fruchtbares Land zu verwandeln, ließen sowjetische Agraringenieure in den 1960er Jahren die Zuflüsse des Aralsees umlenken. Er schrumpfte und ist in weiten Teilen zu Wüste geworden. Aralsk lag zeitweise 50 Kilometer vom Ufer entfernt

Zehn Stunden am Tag sind die Fischer mit ihren Kamelen gewöhnlich unterwegs. Auf tückischem Terrain: In den Uferbereichen des Sees ist die Eisfläche voller versteckter Risse, durch die Mensch und Tier einbrechen können

Auf einer Waage taxieren die Männer aus Tastubek ihren Fang, ehe sie ihn an durchreisende Händler verkaufen. An guten Tagen bringt es ein Dreier-Team auf rund 200 Kilo Flundern im Wert von umgerechnet 40 Euro. Immerhin, sagen die Fischer: ein Einkommen. Und Zeichen ihrer Unabhängigkeit

17 Familien leben noch in Tastubek. Bisweilen gehen die Männer hinaus zum Friedhof und beten dort zu Allah. Für die Kinder gibt es immerhin noch eine Schule. Und an manchen Tagen das Warten auf den Lastwagen, dessen Fahrer den Vätern Geld für den gefrorenen Fisch in den Säcken bezahlt

Noch vor 50 Jahren war der Aralsee so groß wie Bayern. Seither hat er rund 80 Prozent seines Volumens und etwa zwei Drittel seiner Fläche eingebüßt. Projekte wie ein 2005 errichteter Damm, der das Wasser im nördlich gelegenen "Kleinen Aralsee" zurückhält, sollen die Wende bringen. Erste Süßwasserfische wie Karpfen und Zander kehren zurück

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