Quer durch die Wüste geht der Marathon des Sables. Die Veranstaltung hat Tradition: Bereits seit 1986 findet der Lauf statt

Bruno Macquet aus Frankreich versucht sich mit etwas Wasser abzukühlen

Die Läufer kämpfen sich durch die Gluthitze. Die meisten tragen Schuhe mit Gamaschen, damit so wenig Sand wie möglich durch die Ritzen dringt

Alessandro Tomaivolo aus Italien und weitere Teilnehmer hören sich aufmerksam die Hinweise von Organisator Patrick Bauer an. Vor jeder Etappe gibt er Auskunft, wie der Streckenverlauf aussieht und ob es schwierige Stellen gibt

Nachts bei bis zu drei Grad Celsius versuchen sich die Teilnehmer warm zu halten. Die Zeltplanen dient dabei mehr als Sonnenschutz gegen die beißende Sonne am Morgen als schützendes Zelt vor der Kälte

Fans am Wegesrand: Nur wenige Beduinen schauen den Läufern bei ihrer beschwerlichen Tour zu

Stephane-Alexandre Kiehn aus Frankreich

Der Franzose Rene Khelifa

Jean Marc Sicard aus Frankreich im Ziel

Dr. Alfred Witting aus Wuppertal nach seinem vierten Marathon des Sables

Interview mit einem Wüstenläufer

Dr. Alfred Witting (53) ist 2009 bereits zum vierten Mal beim Marathon des Sables mitgelaufen. Im Interview erzählt der Arzt aus Wuppertal, wie man die Tour durchsteht - und welche Tricks dabei helfen

Wie schafft man diesen Extremlauf?

Indem man lange trainiert, sich mental darauf vorbereitet - und indem man es will. Man muss fasziniert von diesem Lauf sein. Man muss die Komplexität dieses Laufs zu schätzen wissen und sich dementsprechend darauf vorbereiten.

Wie bereiten Sie sich darauf vor? Beim ersten Mal hatte ich fürchterlichen Respekt davor. Ich konnte mir nicht vorstellen 250 Kilometer durch die Sahara zu laufen, eine Woche lang alles selber zu schleppen und mit nur neun Litern Wasser am Tag auszukommen. Dann habe ich mich an das Training gemacht. Ausrüstung, Essen und Trinken getestet und Langstreckenlaufen mit Gepäck trainiert. Voller Erwartung bin ich dann zu meinem ersten Rennen aufgebrochen - und über alle Maßen belohnt worden. Die Wüste ist eine der faszinierendsten Landschaften der Welt. Und die ganze Woche nur mit ureigensten Elementen wie Essen, Trinken, Umwelt, ein paar Menschen und ganz viel Zeit für sich selbst durch die Wüste laufen zu können, das hat mich etwa drei, vier Monate auf Wolke sieben katapultiert. Es war für mich völlig klar, dass ich es noch mal machen werde. Der Respekt vor dem Lauf ist aber geblieben.

Sie mussten Ihre gesamte Verpflegung und Kleidung tragen. Was war in Ihrem Rucksack?

Es gibt eine Pflichtausrüstung, dazu zählt unter anderem ein Schlangenbiss-Set, ein Messer, eine Rettungsdecke, eine Trillerpfeife. Daneben leistet sich der ein oder andere Ausrüstungsgegenstände, die dem persönlichen Spleen entsprechen. Ich habe etwa ein GPS-Gerät dabei, um auch im Sandsturm nicht verloren zu gehen. Und zur Beruhigung meiner Familie ein Mini-Satellitentelefon. An Kleidung trage ich vielleicht 800 Gramm.

Wie haben Sie sich ernährt?

Es gibt die Verpflichtung, insgesamt mindestens 14000 Kalorien dabei zu haben. Damit kommt ein Mensch wie ich, ich bin 1,90 Meter groß, aber nicht aus. Insgesamt schleppe ich rund 30 Mahlzeiten mit mir herum.

Was genau essen Sie also? Energieriegel?

Nein! Ich hasse diese Riegel. Ich brauche eine einigermaßen normale Ernährung. Ich nehme gefriergetrocknetes Essen für die Hauptmahlzeiten mit, etwa Spaghetti Bolognese oder ein Gulasch Stroganoff. Ein besonderes Highlight ist Erdnussbutter. Dann habe ich Parmesankäse und Salami und als besondere Belohnung Weingummi dabei, ein bisschen Schokolade, und die Hauptunterstützung ziehe ich aus einer ausgeklügelten Nussmischung. Am Abend rühre ich mir auch gerne mal einen Kakao an oder eine Brühe. Sicher sehr individuell, aber für mich passt es gut. Denn die Seele isst mit.

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Dr. Alfred Witting

Tagsüber ist es extrem heiß, nachts fällt die Temperatur in der Wüste rapide. Die Läufer schlafen nur unter einer Zeltplane. Friert man da nicht jämmerlich?

Ich versuche den weltweit besten Schlafsack im Gepäck zu haben. Trotzdem bleibt es nicht aus, dass man nachts etwas friert. Aber meistens ist man vom Laufen und der Hitze etwa bis zehn Uhr abends aufgeheizt. Erst gegen Morgen, so gegen fünf Uhr, kriecht die Kälte hoch. Und dann steht man einfach auf und bewegt sich ein bisschen und wartet bis zum Start um neun Uhr.

Sind das eigentlich Spezialschuhe, die viele Läufer tragen?

Nein, da hat jeder Läufer sein eigenes Rezept. Jeder schwört auf das, was er selber kreiiert. Ich habe auch lange an einer Lösung getüftelt, fast drei Jahre lang mit meiner türkischen Schneiderin. Die Sahara ist sehr hügelig, da braucht man für den unebenen Untergrund feste Schuhe. Gamaschen verhindern, dass Sand eindringt.

Hat man unterwegs eigentlich Zuschauer?

Nur wenn man an Beduinen vorbeiläuft. Der Marathon des Sables ist schon ein Happening in Marokko. Da jubeln einem die Bewohner zu - und denken sich wahrscheinlich 'Was sind das für Idioten, die bei der Hitze viel zu schnell durch die Wüste laufen'.

Dieses Jahr war der Lauf allerdings nicht wie immer. Es hat Tage vor dem Start stark geregnet. Hatte das Einfluss auf die Tour?

Ja, wir mussten alle innerhalb kürzester Zeit in Hotels in der Nähe untergebracht werden - und fast alle der rund 1000 Läufer und Betreuer haben sich eine bakterielle Vergiftung zugezogen. Einige konnten gar nicht erst starten. Die Tour wurde aufgrund der Wetterverhältnisse komplett geändert. Mich hat es in der zweiten Etappe des Laufes niedergehauen. Ich konnte nur mit äußerster Disziplin weitermachen, alle fünf Minuten trinken, alle halbe Stunde essen, entsprechend langsamer gelaufen. Bei der vierten Etappe war ich wieder fit. Insgesamt war es wieder ein traumhaftes Erlebnis.

Wie teuer ist die Teilnahme?

Als Startgebühr zahlt man 3250 Euro inklusive Flug und Hotelaufenthalte am Anfang und Ende. Dann kommt die Ausrüstung hinzu und das Essen. Ich denke man muss mit 5000 Euro insgesamt rechnen.

Sind Sie 2010 wieder dabei?

Ich denke schon.

Interview: Bianca Gerlach

Der Fotograf Jozef Kubica hat die Tour begleitet und interessierte sich dabei vor allem für die Menschen, die sich durch die Wüste kämpfen. Eine Auswahl seiner Porträts sehen Sie in der obigen Fotostrecke.

Der Slowake studierte zunächst in Prag, dann an der Muthesius-Kunsthochschule in Kiel Fotografie. Auch für seine Diplomarbeit suchte er ein ähnliches Sujet: Er fotografierte Bergsteiger, die just vom höchsten Berg der Welt kamen, vom Everest.

Die Homepage von Jozef Kubica:

www.jozefkubica.de

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