Mit dem Fahrrad quer durch den afrikanischen Kontinent radeln: Fabian Nawrath und Tim Starck haben es gewagt

Auf ihrer Radreise von Kapstadt nach Kairo trafen sie auf Dürre, Unwetter und zahlreiche beeindruckende Menschen

Die Eindrücke ihrer Reise ins Ungewisse haben die beiden Radfahrer fotografisch festgehalten

Diese Fotografie entstand am Lake Tanganyika in Kongo/Tansania

Auch für afrikanische Fahrrad-Modelle interessierten sich die beiden. Hier ein Fahrradtaxi in Chitipa, Malawi

Autos gab es für die Reisenden eher selten zu sehen. Das Fahrrad gilt in den Provinzen des Kontinents als gängiges Transportmittel - selbst für schwere Lasten

Das "wahre" Gesicht von Afrika, wie Nawrath und Stark es nennen, lernten sie mit Hilfe der Einheimischen kennen. Sie reagierten meist positiv auf die Reisenden

Viele luden die Reisenden ein, ihre Häuser und Arbeitsplätze kennenzulernen. Hier entdeckten sie eine Garküche in Harar, Äthiopien, nahe der Grenze zu Solmalia. Munitionskisten wurden zu Kochstellen umfunktioniert

Der kleine Junge blickt stolz auf die bebilderte Wand. Auf der linken Seite prangt Jesus, rechts lächelt Barack Obama

Den Ramadan verbrachten die Reisenden in Ägypten. Die Gastfreundlichkeit dieser Familie wird den beiden lange in Erinnerung bleiben

Geschafft: 12.000 Kilometer liegen hinter den Reisenden. Tim setzt jetzt seine Ausbildung zum Physiotherapeuten in Konstanz fort. Fabian setzt sein Kommunikationsdesign-Studium in Aachen fort

Ihr Reisepass hat schon 38 Länder gesehen. Woher stammt diese unbändige Reiselust?

Ich bin neugierig auf die Welt, die Menschen und auf ihr Wohnen. Da ich in Aachen im Zentrum von Europa wohne, habe ich schon sehr früh viele verschiedene Länder gesehen. Man kann fast an einem Tag von Deutschland in die Niederlande, Belgien und Frankreich reisen. Luxemburg ist dann auch nicht mehr weit weg. Das macht neugierig darauf, was sich dann wohl weiter weg befindet.

Sie verreisen nie gewöhnlich: Island und Istanbul per Fahrrad, die Alpen zu Fuß und zuletzt der afrikanische Kontinent, wieder per Rad.

Diese Formen des Reisens sind so wunderbar langsam. Und man ist nicht von einer „Hülle“ umgeben, wie beim Autofahren. Man spürt die Umgebung und Natur intensiver.

Für mich sind es meist die unerwarteten und vor allem ungeplanten Begegnungen, die ich an dieser langsamen Form des Reisens liebe.

Sie haben im Alter von 22 Jahren schon so viel von der Welt gesehen - was war das Besondere an dieser Afrikareise?

Die Reise war von der Dauer und Distanz länger als alles Vorherige. Sie ging durch einen Kontinent, über dessen Bild von Bürgerkrieg, Hunger und wilden Tieren beherrscht ist. Wir wollten ein anderes Bild von Afrika mitnehmen.

Was nimmt man auf eine Radreise von 12.000 Kilometern mit? Konnten Sie so viel Equipment überhaupt transportieren?

Beim Packen ist es immer wieder verwunderlich, dass sich die Ausrüstung für eine Wochenendtour von der für eine Reise von einem halben Jahr gar nicht so sehr unterscheidet. Ein bisschen Kleidung, Zelt und Kocher, Kameraausrüstung nimmt das größte Volumen ein. Auf so einer langen Reise kommen dann aber insbesondere mehr Medikamente und Ersatzteile mit.

Wie lange waren Sie insgesamt unterwegs? Und wo haben Sie übernachtet?

Wir waren sieben Monate unterwegs. Die Übernachtungen waren wohl so vielfältig wie der Kontinent. Oft haben wir unser Zelt aufgeschlagen. Von Campingplätzen im europäischen Sinne in Südafrika, über Bushcamping in den Weiten Sambias. Im Sudan sind wir in Moscheen für die Nacht aufgenommen worden und in der Sahara in Ägypten haben wir unsere Schlafsäcke unter der unendlichen, funkelnden Milchstraße ausgerollt.

Es lief aber nicht ganz nach Plan, oder? 35 platte Reifen, drei gerissene Ketten, zwei gebrochene Rahmen, 14 Speichenbrüche und drei Verhaftungen ...

Bei den Pannen konnten wir uns auf die afrikanische Improvisationskunst verlassen. Ich könnte mir fast vorstellen, dass es in Deutschland schwieriger ist, seinen Fahrradrahmen geschweißt zu bekommen. Verhaftet wurden wir von korrupten Polizisten, die ein paar US-Dollar abpressen wollten und dafür ein Vergehen erfunden haben. Wir haben uns von einem überladenen LKW einen Berg hochziehen lassen. Zahlen wollten wir nicht. Noch weniger aber den kompletten Berg runter zur Polizeistation mitkommen.

Haben Sie zwischenzeitlich ans Aufgeben gedacht?

Wir waren im Sudan während der Teilung in Nord- und Südsudan. In der Grenzregion stand ein Bürgerkrieg bevor. Aufgeben wollten wir nicht. Hatten aber überlegt, ob es möglich ist, am Äquator an die Westküste Afrikas zu fliegen, um den Konflikt zu umgehen. Letztendlich haben wir eine Route durch den (Nord-)Sudan gefunden, weit weg von der Konfliktregion.

Sie haben auf Ihrer Reise Spenden gesammelt. Ursprünglich waren 12.000 Euro angedacht, einen Euro für jeden zurückgelegten Kilometer. Haben Sie Ihr Ziel erreicht?

Noch nicht. Bisher haben wir gut 9000 Euro für Ärzte ohne Grenzen gesammelt. Aber das Spendenprojekt läuft auch noch. Auf unserer Website gibt es die Hinweise.

Ihr Compagnon, Tim Starck, ist noch in der Ausbildung, Sie selbst im Studium. Wie lässt sich das mit solchen Reisen vereinbaren?

Tim ist zwischen Abitur und Ausbildungsbeginn gereist. Ich habe ein Urlaubssemester eingelegt.

Sie waren mittlerweile auch schon wieder unterwegs ...

Die letzten zwei Monate bin ich mit dem Fahrrad durch Zentralasien gefahren: Von der Seidenstraße in Usbekistan durch Tadschikistan, entlang des Hindukusch, über das "Dach der Welt" nach Kirgistan und in die Weiten der kasachischen Steppe Richtung Pol der Unzugänglichkeit. Den auch ich dann nicht erreicht habe.

Der Afrikablog der beiden Radler: africabybike.de

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Fabian Nawrath (22) auf seiner Reise durch die Sahara

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