Australien Inselhopping am Great Barrier Reef

Strandurlaub, Schnorcheln, Urwaldwanderungen – die Inseln an der Ostküste Australiens sind ein vielfältiges Reiseziel. Wer etwas Zeit und Geld im Gepäck hat, kann wunderbar Inselhopping betreiben
Inselhopping am Great Barrier Reef

Lake McKenzie ist einer von vielen Binnenseen auf Fraser Island. Im Gegensatz zum 120 Kilometer langen Meeresstrand kann man hier baden, ohne Haiangriffe zu riskieren

Fraser Island

"Wenn hier der Blitz einschlägt, findet man hinterher Glasklumpen im Sand", sagt Peter Meyer. Der 44-jährige Australier mit deutschen Wurzeln arbeitet als Ranger auf Fraser Island. Die Insel an der Ostküste Australiens besteht komplett aus feinem Quarzsand – dem Grundstoff für Glas. Fraser ist die größte Sandinsel der Welt, etwa doppelt so groß wie Rügen. Doch sie ist keine Wüste. Die bis zu 240 Meter hohen Dünen sind mit dichtem Regenwald bewachsen. Bis in die neunziger Jahre wurden die Satinay-Pinien, die fast nur hier vorkommen, in großem Maßstab abgeholzt. Heute ist der Wald geschützt.

Der 120 Kilometer lange Strand ist zum Baden denkbar ungeeignet. Er ist die offizielle Autobahn der Insel. Ein Verkehrspolizist achtet darauf, dass das Tempolimit von 80 km/h eingehalten wird. Zudem lauern im Wasser starke Strömungen und Haie. Zum Glück hat die Insel deutlich ungefährlichere Binnenseen. Im Inselinneren könnte man allenfalls einem Dingo begegnen. Aber diesen Wildhund, der äußerlich zahmen Haushunden ähnelt, hat Meyer heute noch nicht gesehen. Er beruhigt seine Gäste mit australischer Gelassenheit: "Den letzten Zwischenfall mit Wildtieren gab es auf der Insel vor zwei Jahren. Ein deutscher Journalist wurde damals von einer Ente angegriffen."

Infos zu Fraser Island

Übernachten:

Urwald- und Strandfeeling zugleich liefert das Kingfisher Bay Resort. Gäste wählen zwischen normalen Zimmern oder kleinen Villen.

Tel. 0061-741949300, www.kingfisherbay.com

Touren auf der Insel:

Ob Strand oder das wilde Hinterland, Fraser Island wird meistens mit dem Allradwagen erkundet, bestenfalls sitzt hinter dem Steuer jemand der sich nicht nur mit dem Wagen auskennt, sondern auch mit der Flora und Fauna. Fraser Explorer Tours, Tel. 0061-741949222, zwei Tage mit Guide ab 260 Euro. www.fraserexplorertours.com.au

Inselhopping am Great Barrier Reef

Wer hier absteigt, hat gute Chancen, beim Schnorcheln Suppenschildkröten und beim Tauchen Mantarochen zu sehen: Lady Elliot Island am südlichen Zipfel des Great Barrier Reef

Lady Elliot Island

Lady Elliot Island liegt am südlichen Zipfel des Great Barrier Reef. Die windige kleine Insel mit den weißen Stränden ist aus einem ganz anderen Stoff gemacht als Fraser Island: Lady Elliot besteht aus abgestorbenen Korallen. Die Insel ist flach, grün und fast rund. Eine 800 Meter lange Flugpiste verläuft einmal quer hindurch. Der Strand ist ein unendlicher Vorrat an großen und kleinen Gitterstrukturen und durchlöcherten Gebilden.

Seit den siebziger Jahren gibt es eine kleine, charmante Hotelanlage mit weißen Holzhütten. In dem Öko-Resort geht es familiär zu, die Hütten lassen sich von außen gar nicht abschließen. Die meisten Besucher kommen zum Schnorcheln oder Tauchen. Und es gibt viel zu sehen: Man muss sich nur im flachen Wasser über den Korallen treiben lassen, dann weckt man die Neugier der gemütlich paddelnder Suppenschildkröten ganz von selbst. Und an den Rändern des Riffs ist die Wahrscheinlichkeit groß, dem bis zu fünf Meter langen, majestätischen Riffmanta zu begegnen. Abends beim Sundowner-Picknick am Leuchtturm ziehen dreieckige weiße Flossen durch das Wasser, fast direkt am Strand. "Es sind Riffhaie", sagt Tony Coy, der Manager des Resorts und beruhigt die Gäste. "Sie tun Menschen nichts."

Nachts allerdings scheint es hier zu spuken. Zumindest glaubten das Seefahrer, wenn es sie auf die früher unbewohnte Insel verschlug. Denn von Oktober bis Dezember ist hier mitten in der Nacht ein ausdauerndes und unheimliches Heulen zu hören. "Das Heulen stammt von einem Vogel," erklärt Coy, "dem Keilschwanz-Sturmtaucher." Wegen seiner geschmacklichen Ähnlichkeit zu Lammgerichten wird er "mutton bird" genannt. Die Vermutung, es handele sich um einen Geist, wird durch seine Tagesroutinen noch befeuert: Man hört ihn nur nachts, und tagsüber ist er nicht zu sehen - dann ist er auf dem Wasser.

Infos zu Lady Elliot Island

Übernachten: Mitten drin statt nur dabei ist man im Lady Elliot Island Resort. Die Anlage wurde so nachhaltig erbaut, dass sie so gut wie keinen Einfluss auf die Natur der Insel hat.

Tel. 0061-741946700, www.ladyelliot.com.au

Inselhopping am Great Barrier Reef

Tagsüber schaut man ins Wasser, nachts in die Sterne: Die "Reefworld" ist eine Tauchplattform mitten im Great Barrier Reef. Nach Sonnenuntergang wird das Oberdeck zum exklusiven Zeltplatz

Reefworld - eine Plattform im Meer

Von oben sieht das Great Barrier Reef aus wie ein Gemälde in Blau- und Türkistönen, mit Farbverläufen der kitschigen Sorte. Das Riff wird gern als "größter lebender Organismus der Welt" bezeichnet. Doch genau genommen ist es eine über 2.000 Kilometer lange Kette aus 2.500 kleineren Einzelriffs und 900 Inseln. In einer Straße, die sich zwischen dem Hardy- und dem Hook-Riff hindurchschlängelt, liegt eine Plattform im Meer verankert, 50 Meter lang und 14 Meter breit, seitlich hat ein Ausflugsschiff festgemacht. Die "Reefworld" liegt 40 Seemeilen vor der Küste auf der Höhe von Airlie Beach.

Auf dem Ponton herrscht eine unwirkliche Stimmung. Ein Wasserflugzeug löst sich mühsam von der Meeresoberfläche. Helikopter fliegen eine kleine Landeplattform an. Passagiere werden auf motorisierten Flößen zur Reefworld transferiert. Immer wieder verschwinden Menschen in Taucherausrüstung über eine Treppe im Inneren der Plattform. Für die vielen Tagesgäste sind dutzende Neoprenanzüge, Flossen und Schnorchelmasken an Bord. Wasserscheue Menschen werden in den Keller der Plattform geschickt, in einen Raum mit großen Fenstern, an denen Fische vorbeiziehen wie im Zooaquarium. In einem U-Boot mit Glaswänden kann man an der Riffkante entlangfahren.

Ein bulliger Riesenzackenbarsch treibt träge um die Plattform. Ein Schwarm Yellowtail-Füsiliere passiert die Schnuppertaucher. Zwischen den vielen Arten von Steinkorallen deutlich zu erkennen: kahle Stellen. Das Riff leidet. Wissenschaftler schätzen, dass das Great Barrier Reef in den letzten dreißig Jahren die Hälfte seiner Korallen verloren hat. Sie wurden durch Stürme zerstört, gingen an der Korallenbleiche zugrunde oder fielen einer Seesternplage zum Opfer. Zu allem Überfluss genehmigte die Regierung den Ausbau des Kohlehafens in Abbot Point, dessen Schlamm ins Schutzgebiet des Riffs gekippt werden soll. Im letzten Jahr zeigte die Unesco der australischen Regierung die gelbe Karte und drohte, das Great Barrier Reef auf die Liste der "Welterbestätten in Gefahr" zu setzen.

Tourismus am Riff ist – nicht nur hier an der Reefworld – eine Gratwanderung. Immerhin sind ihm Grenzen gesetzt. "Nur ein Prozent des Riffs ist überhaupt für die touristische Nutzung freigegeben", sagt Shem Warden, die den Betrieb auf der Reefworld managt. Bis zu zwölf Gäste dürfen hier sogar über Nacht bleiben. Zwar gibt es eine Schlafkabine, doch das eigentliche Highlight ist die Übernachtung in Mini-Zelten auf dem Oberdeck. Zum Einschlafen kann man hier – wenn das nicht zu aufregend ist – die Sterne des südlichen Himmels zählen.

Infos zu Reefworld

Anbieter Reefsleep:

Cruise Whitsundays Reefsleep, zwei Tage komplett inkl. Boots-Transfers und Vollpension am 280 € im Swag www.cruisewhitsundays.com/gbra-Reefsleep.aspx

Die Plattform ist auch per Wasserflugzeug oder Helikopter zu erreichen. Keine Übernachtungen vom 24. Dezember bis 31. März.

Inselhopping am Great Barrier Reef

An diesem Strand wird jeder Handyschnappschuss zur Postkarte: Whitehaven Beach auf Whitsunday Island, der Hauptinsel der gleichnamigen Inselgruppe

Whitsundays

Auf Hamilton Island herrscht eine eigentümliche Atmosphäre, die entfernt an die perfekt-freundliche Welt der Truman Show erinnert. Hunderte kleiner Golf-Caddys wieseln nahezu lautlos über Hügel und um die Ecken – jedenfalls solange sie vorwärts fahren, bei der Rückwärtsfahrt piepen sie. Die größten Vehikel sind die Shuttle-Vans, die zwischen Hotels und Flughafen verkehren. Die Fahrer lächeln eingefroren und geben per Headset jedes Tourdetail an eine Zentrale durch.

Hamilton ist der erste Anlaufpunkt der Whitsunday Islands (oder Pfingstsonntagsinseln), einer Gruppe von 74 Inseln. Hamilton Island gehört dem Multimillionär Robert Oatley. Seine Familie besitzt die meisten Hotels, er ließ den neuen Yachthafen bauen, abends in den Restaurants trinkt man Wein von seinen Gütern. Als einzige der Whitsundays hat Hamilton einen Flughafen. Passagiere, die mit den Jets aus Sydney, Melbourne oder Brisbane einfliegen, haben es mit ihren Rollköfferchen nur ein paar Schritte zum Yachthafen.

Dort starten die Touren zu den anderen Inseln, in gewagt motorisierten Schlauchbooten. Im Nara Inlet, einem geschützt gelegenen Fjord, der in Hook Island hineinschneidet, sind nach einem kleinen Aufstieg durch den Wald Höhlenmalereien zu sehen. Sie zählen zu den ältesten archäologischen Funden im östlichen Australien. Auf den Whitsunday Islands lebten die Ngaro, der einzige seefahrende Aborigine-Stamm. Über die Whitsundays verteilt liegen noch viele archäologische Fundstätten, doch die wenigsten sind für Besucher zugänglich. Also weiter mit dem Schnellboot.

Der Whitehaven Beach an der Ostseite der Hauptinsel Whitsunday Island fehlt zurecht in keiner Liste der schönsten Strände der Welt. Besucher waten im knöcheltiefen Wasser und schießen Fotos von Stachelrochen. Die bratpfannengroßen Fische lassen sie bis auf wenige Meter an sich herankommen, beäugen sie jedoch mit Respekt. Um nicht versehentlich auf Rochen zu treten, sollte man langsam durch den Grund schlurfen.

Infos zu den Whitsundays

Eintägiger Bootsausflug ab Hamilton Island inkl. Schnorcheln, Landgang am Hill Inlet und Stopp am Whitehaven Beach für 95 Euro gibt es bei Ocean Rafting: Tel. 0061-749466848, www.oceanrafting.com.au

Inselhopping am Great Barrier Reef

Der Name führt in die Irre: Nudey Beach auf Fitzroy Island ist gar kein Nudistenstrand. Zur Insel fährt man von Cairns aus nur eine dreiviertel Stunde

Fitzroy Island

Betty und Barney haben Glück gehabt. Als sie fast verhungert waren, hat sie jemand eingesammelt und zu Jen Moloney gebracht, vor der sie jetzt in großen Wassertanks aufgepäppelt werden. Betty und Barney sind Suppenschildkröten, und Jen Moloney ist Meeresbiologin. Sie hat auf Fitzroy Island eine Krankenstation für Meeresschildkröten aufgebaut. Ihre Patienten sind mit Booten zusammengestoßen, wurden von Haien angegriffen, haben sich in Netzen verfangen oder litten an Unterernährung, weil Plastikmüll ihren Verdauungstrackt verstopft hat. Wenn Besucher kommen, füttert Moloney die Tiere mit Salat, und zum Abschied schrubbt sie ihnen (also den Schildkröten) mit groben Haushaltsbürsten den Rücken.

Im Hauptjob arbeitet Moloney für das Hotel auf Fitzroy Island. Die Insel ist die letzte Station auf dieser Hoppingtour, sie liegt eine dreiviertel Bootsstunde von Cairns entfernt. Die Granitfelsen ragen steil auf, von den grünen Hügeln reicht die Aussicht bis zum Festland und dem Grey Peaks Nationalpark. Am Nudey Beach, der kein Nudistenstrand ist, sondern einfach ein sehr schöner Streifen Korallensand, könnte man jetzt einfach noch sehr lange liegen bleiben.

Infos zu Fitzroy Island

Übernachten: Von Camping bis 4-Sterne-Haus ist auf Fitzroy alles möglich. Die komplette Koordination übernimmt die Insel-Zentrale: Tel. 0061-740446700, www.fitzroyisland.com

Cairns Turtle Rehabilitation Centre: Die Krankenstation für Meeresschildkröten liegt nur ein paar Minuten vom einzigen Hotel der Insel entfernt. Buchungen für Besuche unter tourguide@fitzroyisland.com.

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