Karo-Junge

Der Stamm der Karo ist mit einer geschätzen Zahl von 1000 - 3000 Angehörigen verhältnismäßig klein

Karo-Krieger

Der Stamm der Karo lebt am östlichen Ufer des Omo, wo sie als Subsistenzbauern Sorghum, Mais und Bohnen anbauen

Körperkult

Körperbemalung hat bei den Karo einen hohen Stellenwert, denn Farben und Muster können Jagderfolg, Tapferkeit oder auch Sieg über einen Feind symbolisieren

Kleinbauern

Wegen der in diesem Tal vorkommenden tödlichen Tsesefliege, die sich überwiegend vom Blut großer Wirbeltiere ernährt, beschränkt sich die Viehhaltung der Karo auf kleines Vieh

Mursi-Kämpfer

Die Mursi sind wahrscheinlich der berühmteste Stamm des Omo-Tals. Der Stockkampf ist eine Art ritualisierte männliche Gewalt, ist teil der Initiationsriten, die ein junger Mursi auf dem Weg zum erwachsenen Mann bestehen muss

Lippenteller

Ursprung und Bedeutung der Lippenteller sind bis heute umstritten und nicht eindeutig definiert. Sie dienen nicht nur der Verzierung, sondern symbolisieren unter anderem die Heiratsfähigkeit der Frau

Stil im Ohrläppchen

Sowohl Männer als auch Frauen verwenden oft kleinere Teller für die Ohrläppchen als Schmuck

Rinderzucht während der Regenzeit

Die zwei jährlichen Regenzeiten bestimmen den Lebensrhythmus der Mursi. Während der Regenzeiten beziehen sie östlich des Omo Weideland und betreiben Rinderzucht

Raue Krieger

Die Nyangatom leben in den rauen Regionen des Tals, in denen teilweise monatelang kein Regen fällt. Sie sind bekannt und gefürchtet für ihre Kampfkunst

Die Halsketten den Arbore

Die Arbore leben unweit vom Turkanasee. Körperbemalung wird sowohl von Frauen als auch Männern praktiziert. Die Frauen tragen zudem farbige Halsketten

GEO SAISON: Wie haben Sie Ihre erste Reise in den Süden Äthiopiens 2011 organisiert?

Ken Hermann: Mein Assistent und ich sind nach Addis Abeba geflogen und haben uns Guide, Fahrer und Auto gemietet, Zelt und Generator gekauft und sind einfach losgefahren. Eine ziemliche Herausforderung.

Warum das?

Ken Hermann: Ich wusste nicht, wie beschwerlich die Reise wird. Zelten bei 45 Grad, drei Wochen lang Kekse und Nudeln sind kein Spaß. Abends am Lagerfeuer sitzen, mit Taschenlampe draußen lesen ging gar nicht, viel zu viele Insekten. Bei Regen waren die Pisten unpassierbar. Nichts funktionierte von allein, ich musste mich um alles selbst kümmern.

Kleiner Kontrast zu Ihrer Arbeit als Werbefotograf …

Ken Hermann: Das stimmt. Meine Arbeit ist oft so clean, alles funktioniert, die Maske, der Assistent, das Studio. Das Model ist da, sieht perfekt aus. Manchmal sehne ich mich danach, wieder ganz einfach zu arbeiten. Ganz früher war ich immer mit Rucksack und Kamera in der Welt unterwegs, gern in Indien und Nepal, habe Porträts gemacht und das Leben dokumentiert. So habe ich als Fotograf angefangen. Das vermisse ich manchmal.

Viele bekannte Fotografen waren vor Ihnen im Omo-Tal, es gibt reichlich Coffee-Table-Bücher. Warum wollten Sie dorthin?

Ken Hermann: Ich hatte keine Ahnung, dass die Stämme in Ostafrika unter Fotografen schon so einen Kultstatus hatten. Als ich 2011 das erste Mal fuhr, war ich ziemlich naiv. Ich wollte eine Einmal-im-Leben-Reise machen, auf eigene Faust, ohne Auftrag.

Welche Idee steckt hinter Ihren Fotos?

Ken Hermann: Ich bin anspruchsvoll. Ich inszeniere Bilder, arbeite mit einer digitalen Phase-One-654-Mittelformatkamera, die ich sonst im Studio benutze. Für mich war klar, dass ich auch die Umgebung, den Fluss, die Bäume, die Hütten zeigen wollte. Die künstliche Beleuchtung rückt die Menschen in den Mittelpunkt, betont ihre Gesichtszüge und ihre oftmals unnachgiebige Körperhaltung, ihren Stolz und ihren Ernst. Wir sind oft sehr früh aufgestanden, waren in den Dörfern, bevor die Menschen wach wurden, konnten sehen, wie sie sind, bevor die Touristen kommen.

Was ändert sich dann?

Ken Hermann: Es ist schon so, dass sich die Menschen extra dafür in ihre Lederkluft werfen, Schmuck anlegen, manche Feste feiern, weil Touristen das erwarten, und dann viel mehr so aussehen, wie sich Touristen Eingeborene vorstellen. Auf meinen Bildern sind sie entsprechend ein wenig "underdressed". Wir haben stets abgewartet, bis sich die erste Aufregung nach unserer Ankunft gelegt hatte. Es dauerte dann eine Weile, bis wir Blitzanlage, Stative, Schirme und Scheinwerfer aufgebaut hatten und loslegen konnten. Das war dann gegen sechs, halb sieben Uhr, wenn das Licht am schönsten ist. Vorher mussten wir uns allerdings noch über das Geld einigen.

Wer musste bezahlt werden?

Ken Hermann: Speziell bei meiner ersten Reise war ich sehr erstaunt, wie kompliziert die Verhandlungen sind. Meistens muss man mit dem Dorfchef reden. Und wie konnte ich ihm klarmachen, dass ich anders fotografierte als ein Tourist? Ich erinnere mich an eine Situation: Vor mir der Mensch, den ich aufnehmen wollte, hinter mir fünfzig Leute aus dem Dorf, die bei jedem Blitz zählten und rechneten. Der Kurs für ein Bild war drei Äthiopische Birr, umgerechnet etwa zwölf Cent. Das zahlen auch die Touristen. Für das perfekte Bild musste ich manchmal 150-mal auf den Auslöser drücken, das waren dann schon fast zwanzig Euro. Irgendwann konnte ich Pauschalen aushandeln. Und als ich ein zweites und drittes Mal kam, hatte ich Prints dabei und habe sie verschenkt. Das machte vieles einfacher. Gezahlt habe ich immer, nicht nur, weil ich musste, auch, weil ich es wollte. Ein Model bezahle ich doch auch. Irgendwann ging mir allerdings das Geld aus.

Hatten Sie nicht genug Geld dabei?

Ken Hermann: Die Währung in Äthiopien ist sehr schwach. Schon für kleine Summen braucht man viele Scheine, wir hatten Plastiktüten voller Geld aus Addis mitgebracht. Das war irgendwann weg.

Was machen die Bewohner mit dem Geld?

Ken Hermann: Die Karo und Hamar, die in dorfähnlichen Strukturen wohnen, finanzieren damit ihre medizinische Versorgung, die Ausbildung ihrer Kinder, das Baumaterial für ihre Hütten, kaufen Rinder und Ziegen. Allerdings fließt auch viel Geld an korrupte Beamte und Polizisten. Schwierig ist es bei Stämmen, die fast ausschließlich vom Tauschhandel leben, zum Beispiel bei den Mursi und Nyangatom. Aufgrund der schweren Lebensumstände – Dürren, Überschwemmungen, Hunger – bekämpfen sie sich oft und kaufen manchmal Waffen von dem Geld.

Sie waren drei Mal in den vergangenen vier Jahren in Ostafrika. Wie hat sich das Omo-Tal in der Zeit verändert?

Ken Hermann: Der Tourismus hat deutlich zugenommen. 2011 gab es kaum Infrastruktur. Hotels, Restaurants, Straßen, Brücken, Elektrizität machen das Reisen – und auch das Fotografieren – heute viel einfacher. Jetzt kommen am späten Vormittag meist mehrere Busse in die Dörfer. Die Leute springen raus, machen Fotos, springen rein, fahren zum nächsten Dorf.

Ihre schönen Bilder werden auch dazu beitragen, dass mehr Touristen kommen. Bereuen Sie Ihre Arbeit manchmal?

Ken Hermann: Wie könnte ich? Auch mich hat diese Zeitreise ins Omo-Tal, die Isolation und Abgeschiedenheit fasziniert, ich wollte wie die Touristen die Stämme besuchen, die seit tausenden von Jahren so leben, und diese prekäre Phase im Leben dieser Menschen festhalten. Es ist ganz sicher das Ende einer Ära, das Ende dieser Kulturen. Aber die verbesserte Infrastruktur hat auch etwas Positives. Fast überall im Omo-Tal funktionieren heute Handys. Auch die Einheimischen telefonieren. Sie rufen die Guides in den Bussen an, die dann Kinder in die Schulen bringen oder Kranke zu den Krankenstationen. Aber die Bedrohung kommt eigentlich weniger durch die Touristen …

… sondern?

Ken Hermann: Die fruchtbarsten Flächen entlang des Omo-Flusses wurden an äthiopische und internationale Agrarkonzerne verkauft, dieEinheimischen werden vertrieben. Und jetzt bedroht noch ein riesiges Staudammprojekt das Leben in den Dörfern. Wenn der Gibe-Damm fertig ist, haben die Menschen kaum noch Wasser und nichts mehr zu essen. Viele werden wegziehen müssen.

Was können Sie Urlaubern empfehlen, die jetzt noch ins Omo-Tal reisen wollen?

Ken Hermann: Lassen Sie sich Zeit, versuchen Sie, lieber wenige Dörfer zu sehen, zeigen Sie Interesse, seien Sie respektvoll, fotografieren Sie nicht einfach drauflos. Die Menschen dort haben keinen Einfluss darauf, wer sie wann und weshalb besucht. Fahren Sie mit einem guten Veranstalter, der einen guten Guide garantiert. Er wird erklären können, warum Sie da sind, hören Sie sich die Geschichten der Leute an. Das Erlebnis ist doch das, was eigentlich zählt. Und das Omo-Tal ist schließlich kein Menschenzoo.

Werden Sie selbst wieder dorthin fahren?

Eigentlich habe ich es nicht vor, auch wenn mir ein Bild noch fehlt.

Welches denn?

Es sollte das letzte Foto meines Buches werden. Ich wollte die Baustelle des Staudamms fotografieren. Ich habe es versucht. Aber es war viel zu gefährlich. Der Gibe-Damm wird von Sicherheitsleuten hermetisch abgeriegelt. Offensichtlich will die Regierung in Äthiopien verhindern, dass das Projekt zu bekannt wird.

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Im Tal des Omo, Suzette Frovin und Ken Hermann, 256 Seiten mit über 140 Fotografien in Farbe, Texte auf Deutsch und Englisch, 45 Euro, erschienen bei EditionPanorama, 2014

Beschwerlich aber machbar, Reisen ins Omo-Tal

Das sollten Sie wissen

Das Visum für Äthiopien kostet 17 Euro. Man bekommt es am Flughafen bei der Einreise, aber die Schlangen sind oft lang. Einfacher ist es, das Visum vorab bei der Botschaft zu beantragen.

Malariaprophylaxe wird empfohlen. Gelbfieberimpfung ist keine Pflicht, wird aber ebenfalls nahegelegt. Da einige Stämme erst nach stundenlangen Fahrten auf schlechten Pisten zu erreichen sind, raten die Veranstalter Menschen mit Rückenproblemen eher davon ab und empfehlen, ihre Reisetauglichkeit vor dem Buchen mit einem Arzt abzuklären. Reisen nach Südäthiopien sind eher Nichts für Afrikaanfänger. Die Routen passen sich dem Wetter an. Die kleinen Gästehäuser, die von den Veranstaltern genutzt werden, bieten ein Dach über dem Kopf. Mehr aber auch nicht.

Veranstalter

Der zuverlässige Münchner Trekking-Spezialist Hauser Exkursionen fährt regelmäßig nach Südäthiopien und ins Omo-Tal, einige Tageswanderungen gehören zum Programm. 15 Tage 2990 €, www.hauser-exkursionen.de. Die große Äthiopien-Rundtour von Marco Polo Reisen führt zu den schönsten Plätzen des Landes, Besuche bei Einheimischen zu Hause sind Teil des Reisekonzepts. Fünf Tage lang bereisen die Teilnehmer das Omo- Tal. 21 Tage ab 4499 €, www.marco-polo-reisen.com. Studiosus Reisen schickt eine kleine Gruppe zu den HighlightsÄthiopiens. Auf dieser Reise erfahren die Teilnehmer viel über die jahrtausendealte Geschichte und Kultur des afrikanischen Landes – auch entlang des Omo-Flusses. 21 Tage 4095 €, www.studiosus.com.

Infos zu dem Projekt

Ken Hermann hat seine Begegnungen in dem Bildband "Im Tal des Omo" zusammengefasst.

Auf seiner Webseite zeigt Ken Hermann weitere Fotoprojekte und liefert Hintergrundgeschichten.
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