Kuba lag ursprünglich im Pazifik

Das ist allerdings sehr lange her: Vor 100 Millionen Jahren lag die Insel, die heute Kuba heißt, vor Südamerika im Pazifik; driftete dann mit der Kontinentalverschiebung durch das noch offene Mittelamerika hindurch an die heutige Position – ohne sich je mit dem Land zu verbinden. Das erklärt auch die einzigartige Artenvielfalt auf Kuba: Mehr als die Hälfte aller Pflanzen auf der Insel sind endemisch; das macht 3000 Pflanzenarten, die nur auf Kuba zu finden sind. Bei Reptilien und Amphibien liegt die Rate an endemischen Arten sogar bei 80 Prozent. Das sind mehr endemische Spezies als zum Beispiel auf den Galápagos-Inseln

Dass die Zahl der Ehen auf Kuba drastisch zurückgegangen ist, liegt am Freibier

Noch in den 1990er-Jahren lag die Zahl der Eheschließungen auf Kuba bei 200 000 pro Jahr, jetzt sind es nur noch ein Viertel davon. Verfall der Sitten? Nein, aber in den 1990er-Jahren ging es den Kubanern sehr schlecht: Während der período especial hungerten die Menschen. Wer heiratete, bekam vom Staat einige Paletten Bier und Limonade, Kuchen und belegte Brote spendiert – damit ließ sich eine erstklassige fiesta ausrichten, was sich junge Paare nicht entgehen ließen (manche verkauften auch einfach das Bier auf dem Schwarzmarkt). Heute müssen Bier und Cola selbst gekauft werden: Eine Hochzeit ist vielen Kubanern, die immer noch wenig Geld haben, zu teuer geworden

Havanna ist die Hauptstadt mit dem kürzesten Weg für landwirtschaftliche Produkte

Havanna, eine Metropole mit fast zwei Millionen Einwohnern, versorgt sich zu großen Teilen autark: Kubas Hauptstadt verfügt damit weltweit über eine der kürzesten durchschnittlichen Verbindung vom Produzenten zum Konsumenten. In mehr als 8000 Gärten auf dem Stadtgebiet wird fast 50 Prozent (!) allen Gemüses im Land produziert. Fast alles wird organisch gezogen, vieles sogar im selben Stadtviertel, in dem es dann auf dem Teller landet. Für den Transport genügen oft ein Hand- oder Pferdekarren. Verkauft wird die Ware auf winzigen Agromercados, die oft nur aus einer Handvoll Verkaufsständen bestehen, dafür aber an allen Ecken der Stadt etabliert sind. Lokal und organisch produziert, dazu fair gehandelt: drei der wichtigsten Forderungen der alternativen Landwirtschaft sind in Havanna längst Standard

In Kuba stehen in den Regalen der Buchhandlungen jene Bücher, die keiner haben will

Wer in kubanischen Buchhandlungen Romane von aktuellen kubanischen Autoren sucht, findet meist nur einen kleinen Grabbeltisch, auf dem wenige Bücher liegen. Jedenfalls in jenen Buchhandlungen, in denen in moneda nacional bezahlt wird, dem Geld der armen Leute. In den langen Regalen an den Wänden stehen dagegen in mehrfacher Ausführung die Werke von Fidel Castro und Che Guevara; Revolutionsprosa in der x-ten Auflage. Warum gibt es davon so viele? "Ist doch klar", zischelt der Buchhändler, "weil die keiner mehr haben will!"

Die CIA versuchte, Fidel Castro mit einer explodierenden Muschel zu töten

Die explodierende Muschel war nur einer von vielen Versuchen der CIA-"Operation Mongoose", den unliebsamen kubanischen Staatschef zu beseitigen. Die USA ließen sich das Programm über Jahrzehnte hinweg mehr als 50 Millionen Dollar jährlich kosten, um explodierende Zigarren nach Havanna zu schmuggeln, vergiftete Tauchausrüstung, Taschentücher, Eiskrem. Castro sollte LSD ins Essen gemischt werden und Mittel zum Haarausfall, damit der Bärtige seinen Bart verliere. Alles scheiterte: Insgesamt 638 Attentate, behauptete einmal der kubanische Geheimdienstchef Fabián Escalante, habe er verhindert. Auch jenes mit der explodierenden Muschel, die Castro beim Tauchen ermorden sollte

Der kleinste Vogel der Welt lebt auf Kuba

Der zunzun, zu deutsch Bienenelfe, misst vom langen Schnabel bis zum Schwanz kaum fünf Zentimeter und wiegt nur 1,8 Gramm. Der zunzun lebt im Alexander-von-Humboldt-Nationalpark im Osten, dem größten Urwaldgebiet der Karibik. In Kuba stehen übrigens mehr als ein Fünftel (22 Prozent) der Landesfläche unter Naturschutz; in Deutschland ist es weniger als ein Fünfundzwanzigstel (3,8 Prozent)

Aus Natron, einem Glas Rum und etwas Regenwasser lässt sich ein prima Shampoo herstellen

"Resolver" und "inventar" sind kubanische Schlüsselbegriffe, im "Probleme lösen" und "Erfinden" sind die Kubaner Weltmeister. Jahrzehntelang herrschte Mangel auf Kuba, dem die Einheimischen mit immer neuen und wilderen Ideen begegneten: Aus dem Motor einer Waschmaschine lässt sich eine Mühle zum Schreddern von Kokosnüssen ebenso herstellen wie eine Maschine zum Drehen von Gitarrensaiten; und wenn sich eine Kettensäge mit einem Fahrrad verheiratet, wird daraus ein Rikimbili, ein wackliges, aber pfeilschnelles Moped. Und Rum, Natron und Regenwasser ergeben ein brauchbares Shampoo

Schlangesteher ist auf Kuba ein offizieller Beruf

cuentapropistas werden auf Kuba jene Kleinunternehmer genannt, die seit einiger Zeit auf eigene Kasse wirtschaften dürfen. 201 Tätigkeiten hat die Partei in der Wirtschaftsreform offiziell erlaubt, den Pizzabäcker natürlich und den Messerschleifer, den Feuerzeugauffüller und den Geburtstagsclown, Knopfannäher und Zeitungsverkäufer, Matratzenaufarbeiter und Schreiner und den Schlangesteher in der Bodega, jener staatlichen Verkaufsstelle für Lebensmittel der Grundversorgung: Wer will, kann sich tatsächlich dort in der Schlange von einem amtlich zugelassenen Schlangesteher vertreten lassen

Für eine Zeitreise braucht es in Kuba einen Tauchanzug

Die Korallenriffe der Jardines de la Reina im Süden Kubas sind die am besten erhaltenen der gesamten Karibik, weil sie seit Jahrzehnten unter Schutz stehen. Dort schwimmen bis zu 300 Kilo schwere Riesenzackenbarsche; und die pure Masse an Fisch, die sich dort messen lässt, liegt sechs Mal höher als in den Riffen vor Florida oder Mexiko. Ein Tauchgang in den Jardines de la Reina, sagt der amerikanische Meeresforscher David Guggenheim, ist wie eine Zeitreise zurück in eine Zeit, als das Meer noch voller Fische war und die Korallenriffe der Karibik von bunt schillernden Schwärmen leuchteten

Gebrauchsanweisung für Kuba

Unser Autor Jürgen Schaefer hat vier Jahre auf Kuba gelebt und ist mit einer Kubanerin verheiratet. Mindestens einmal im Jahr ist er selbst auf der Karibikinsel. Nun hat er ein Buch über Kuba geschrieben, das mit noch mehr skurrilen und schönen Kurzgeschichten lockt, verrät, wann die beste Reisezeit ist und wo es wirklich den besten Mojito gibt.

Gebrauchsanweisung für Kuba, Jürgen Schaefer, 224 Seiten, Piper Verlag 2016, 14,99

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