Zwischenstopp Zukunft Mit Kindern in Singapur

Wer nur durchreist, ist selber schuld: Hightech-Bauten, Nachtmärkte und fast echter Großstadt-Dschungel machen Singapur zum Erlebnis. Auch Jens Schröder und seine Familie verbrachten einige Tage in Asiens schillerndster Kunstwelt
Mit Kindern in Singapur

Künstliche Bäume mit Lichtinstallationen sind nur eine der vielen Überraschungen, die Singapur für Kinderaugen bereit hält

Singapur, merkt der freundliche Grenzbeamte an, sei das einzige Land der Welt, das bei der Passkontrolle einen Teller Bonbons bereitstelle, als Willkommensgruß für Kinder. Vielleicht stimmt das. Aber sicher ist Singapur auch das einzige Land, in dem neben diesem Teller ein bechergroßes Abfalleimerchen steht, mit der Aufschrift: "Nur für Bonbonpapier!"Das Singapur-Gefühl setzt sich dann umgehend fort. Sogar auf der Flughafentoilette gibt es einen Touchscreen. Er zeigt ein Foto von Herrn Tongling, der als Letzter geputzt hat. Durch Tippen auf verschiedene Smileys kann man seine Leistung bewerten. Natürlich fehlt nicht der Hinweis darauf, dass Herr Tongling den Touchscreen regelmäßig desinfiziert. Friedrich und Robert tippen auf "Excellent".

Zugegeben, das fröhliche Chaos, das für andere asiatische Metropolen so typisch ist, wurde in Singapur erfolgreich gebändigt. Das kann man finden, wie man mag. Aber: Nach einer turbulenten Asienreise schien uns die aufgeräumte Metropole perfekt für den sanften Ausstieg. Familien mit Kindern haben hier unfassbar viele Optionen. Zum ersten Mal regnet es. Wir beschließen, Wasser mit Wasser zu bekämpfen, und verbringen den Nachmittag im South East Asian Aquarium auf der Vergnügungsinsel Sentosa. Friedrich schließt durch eine Scheibe hindurch Freundschaft mit einem Riesenzackenbarsch. Und die Debatte, warum wir nicht direkt gegenüber die Universal Studios besuchen, bleibt kurz: Die große Achterbahn ist wegen Wartung geschlossen … Die wahre Achterbahn in Singapur ist für unsere Kinder ohnehin eine der Gefühle. Im Internet hatte Friedrich Fotos eines irrwitzigen Bauwerks gesehen: das Hotel "Marina Bay Sands" mit seinen drei Türmen und einem elegant geschwungenen "Surfbrett" obendrauf, Heimat eines 150 Meter langen Infinity-Pools.

Mit Kindern in Singapur

Spätestens mit dem Bronze-Abzeichen können auch Kinder die Sicht aus dem Infinity Pool des Marina Bay Sands Hotel genießen

"Viel zu teuer", hatten wir gesagt, und das kindliche Luxusstreben durch die Buchung eines Zimmerchens im Backpacker-Hostel konterkariert. Sollen sie ruhig mal erleben, dass man auch da gut übernachten kann, zumal in Singapur auch Billighotels nur so blitzen vor Keimfreiheit. Durch Zufall sehe ich am Abend die WhatsApp, die Friedrich aus seinem Etagenbett an Oma schreibt: "Nicht mal ein eigenes Badezimmer. Robert und ich sind empört!" Um so wuchtiger wirkt unsere von langer Hand geplante, finale Reiseüberraschung: Die letzte Nacht werden wir doch noch im "Marina Bay Sands" übernachten. Offizielle Rechtfertigung: Wir sparen uns den teuren Ritt auf dem Riesenrad Singapore Flyer, denn das Hotel ist höher. Und so liegen wir tags darauf am Infinity-Pool, der freilich auch für uns Eltern eine Top-Schwimmenswürdigkeit ist. In Bademäntel gehüllt blicken wir auf die Hochhäuser des Finanzdistrikts, über hunderte Schiffe vor Anker auf der Straße von Malakka, auf die dunklen Wolkentürme, die Singapur bald wieder ordentlich mit warmem Regen waschen wollen. Und im Vordergrund auf unsere völlig baffen Kinder im wohl spektakulärsten Hotel-Schwimmbad der Welt – in dem sicher mehr Fotos als Schwimmzüge gemacht werden. Drei Tage in Singapur sind leicht mit Highlights zu füllen. Sie werden so gut beworben, dass ich sie hier nicht aufzählen muss. Den Kindern gefällt darüber hinaus besonders die Schlittschuhbahn in der Marina-Shopping-Mall, wo man mit echten Kufen über Kunststoffplatten gleitet. Und der Besuch im Lucky Plaza an der Orchard Road, vor dem Einheimische wegen Überdentischziehgefahr eigentlich abraten. Aber hier sind noch nicht die gelackten Boutiquen der Mainstream-Marken eingezogen. Friedrich und Robert sehen zu, wie Händler auf großen Taschenrechnern die Preise für Mobiltelefone eintippen und vorzeigen. Zwei Minuten später tippen sie noch einmal, aber einen völlig anderen Preis. Beim Apple-Store am Hamburger Jungfernstieg läuft das ganz anders …

Am letzten Abend nehmen wir uns Zeit für ein Revival. Die Kinder gucken im Hotel einen Film, während wir Eltern im Innenhof des kolonialen "Raffles"-Hotels je zwei Singapore Sling-Cocktails trinken. Statt Abendessen, was preislich auf dasselbe hinausläuft. Genauso haben wir es vor 15 Jahren gemacht, als wir an Kinder noch nicht mal dachten. War auch schön. Aber nicht schöner als jetzt. Als wir in unser Zimmer im 46. Stock zurückkommen, funkeln die Hochhäuser durch das Fenster. Tief unten wird ein Farbspektakel auf den lotusblütenförmigen Bau des ArtScience Museum projiziert. Asien glitzert. Und die Kinder schlafen schon.

Erleben

Singapurs botanischer Garten bietet mit zwei gigantischen Gewächshäusern, einem 35-Meter-Wasserfall, Hänge- brücken und einem Hain aus künstlichen Riesenbäumen so viele Superlative, dass auch Kinder gern durch die Gardens by the Bay spazieren. Bei wenig Zeit unbedingt das Nebelwald-Gewächshaus vorziehen.

Marina Gardens Drive 18, www.gardensbythebay.com.sg

Eine Insel als riesiger Vergnügungspark: Auf Sentosa Island haben wir uns auf das weltgrößte S.E.A. Aquarium mit Hai-Tunnel beschränkt (ca. 23 €/Erw., ca. 17 €/Kind 4–12 J.). Weitere Attraktionen sind z. B. die Universal Studios und der Adventure Cove Waterpark.

www.sentosa.com.sg

Shoppen

Die originellsten Mitbringsel gibt es auf den Straßenmärkten in Chinatown. Natürlich muss man die Konsumpaläste an der Orchard Road auch mal gesehen haben. Doch uns hat das Bummeln in Singapurs neuem In-Viertel Tiong Bahru mit inspirierenden Cafés, Restaurants und Shops viel mehr Spaß gemacht. Eine gute Übersichtskarte z. B. bei www.thesmartlocal.com/read/tiong-bahru-cafe-hopping-foodguide.

Besonders gefiel uns der Designerladen Strangelets. Dort entdeckten wir bunte Plastikhühner und anderen schicken Kram.

Yong Siak St. 7, Tel. 0065-6222-14 56, www.strangelets.sg.

Essen

Die wohl leckersten Cupcakes der Stadt gibt es in der Plain Vanilla Bakery. Und die ist bei weitem nicht die einzige kulinarische Versuchung in der hippen Yong-Siak-Straße.

Yong Siak St. 1 D, www.plainvanillabakery.com

In einer Showküche hinter Glas entstehen im Open Door Policy moderne Fusion-Gerichte aus hochwertigen Produkten. Ambitioniertes Bistro mit schöner Atmosphäre.

Yong Siak St. 19 , Tel. 0065-6221-93 07,www.odpsingapore.com

Nur bei gutem Wetter, dann aber genial: Die Abendstimmung auf der Terrasse des Jumbo Seafood, wenn an der Promenade hunderte Frachtschiffe im glitzernden Wasser vor Anker liegen. Bei Einheimischen ist die Filiale im East Coast Seafood Centre besonders beliebt. Unbedingt die berühmte Chili Crab probieren! Nicht von der uncharmanten Website beirren lassen.

East Coast Parkway 1206, #01-07/08, Tel. 0065-6442-34 35, www.jumboseafood.com.sg/outleteastcoast.html

Wandgemälde vom Tattoo-Künstler und ein weiter Blick von der Rooftop-Bar über die Marina Bay: Im Sushi-Restaurant Kinki vermischt sich japanische Tradition mit schriller, lauter Urbanität. Eher geeignet mit größeren Kindern – oder für eine zweisame Eskapade.

Collyer Quay 70, #02-02 Customs House, Tel. 0065-6533-34 71, www.kinki.com.sg

Schlafen

Backpacker-Nostalgiker können ihren Kindern im IStay. Inn Singapore zeigen, wie sie in ein paar Jahren allein reisen werden. Das wirklich sehr saubere "Urban-Art"-Hostel liegt ideal am Rande von Chinatown.

South Bridge Rd. 211 A, Tel. 0065-6225-41 25, www.istayinn.com.sg

Surfbrett auf drei Türmen, architektonisches Missgeschick, 2500-Zimmer-Hotelfabrik – egal, einmal im Infinity-Pool des Marina Bay Sands abtauchen und den Wahnsinnsblick genießen. Hier ist alles mega, auch die Preise.

Bayfront Avenue 10, Tel. 0065-6688-88 88, www.marinabaysands.com

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