Fuerteventura: Wo Robinson erfunden wurde

Uns lockt der Strand von Jandía. Schön, das tut er fast immer. Doch gestern fegte ein scharfer Wind über den Sand und verabreichte uns eine Nadelstichmassage. Heute weht eine leichte Brise. Der Strand sieht aus wie neu: Dünen und Sandwälle frisch geföhnt, das Wasser glasklar. In der flachen Zone von etwa 20 Metern schimmert es türkis - unwirklich, karibisierend. Erst draußen zeigt sich das Wasser atlantikfarben

Ein Traumstrand

Er zieht magnetisch an, dieser Strand. Wenn man einmal eine Stunde hin- und zurückgelaufen ist, versteht man vollkommen, weshalb ausgerechnet hier alles anfing. Am abgelegensten Ende der abgelegenen Sand- und Wüsteninsel Fuerteventura. In den sechziger Jahren, als der Flughafen noch aus einer Luftwaffenpiste mit einem Schuppen bestand und die Straße nach Süden nur für Lastwagen problemlos befahrbar war. Er hat damals auch nüchternen Geschäftsleuten den Kopf verdreht, dieser Strand. Sie bauten ein Hotel. Doch es lief nicht wie erwartet. Sie mussten Partner ins Boot nehmen. Und die brachten eine Idee mit: Wenn wir die Leute schon in die Einsamkeit schicken, wo es nichts gibt als Barfußlaufen im gelben Sand - warum nennen wir das Hotel dann nicht "Robinson"?

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An der Jandia Playa

Die Ur-Zelle aller Robinson-Clubs

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In Jandia-Nationalpark

Das Hotel steht noch. Heute ist es das "Haupthaus" im Robinson-Club Jandía Playa und bildet das Zentrum einer grünen Oase. Mit Palmen, Schatten spendenden Bäumen und einem großen Pool. Aus dem verrückten Hotel am Ende der Wüsteninsel wurde die Urzelle aller Robinson-Clubs.

Heutige Robinsons haben es lieber gesellig. Wir merken es, als wir Olli, den Clubdirektor, treffen. Am Schachbrett ist kaum noch ein Platz zu bekommen. "Am Schachbrett", das ist in allen Robinson-Clubs die Bezeichnung für den Mittelpunkt, das virtuelle Herz. Nur dass ausgerechnet im Ur-Club ein störrischer Innenarchitekt das schwarz-weiße Fliesenmuster entfernen ließ. Seither kämpft Olli dafür, es zurückzubekommen.

Nichts ist unmöglich

Mit Olli - den jeder so nennen darf, weil die alte Clubsitte des Duzens bis heute heilig gehalten wird - verfolgen wir die Parade seiner Mitarbeiter. Neue Gäste sind angereist, der Club stellt sein Angebot vor. Das entwickelt sich zu einer Show, die sich über eine Stunde hinzieht. Da wäre das neue Wellfit-Angebot. Die Katamarane zum Segeln. Die Harleys für die Inseltour. Mountainbikes und Inlineskater. Die Tauchbasis. Tennisplätze, Pool, Aerobic. Aquafitness, Yoga und Fünf Tibeter mit Gerda. Die

Beauty-Abteilung. Sauna und Massagen. Sowie spezielle Programme wie "Jekami" ("Jeder kann mitmachen") oder "BMW" (Bauch muss weg).

Aktive Erholung ist gefragt

Voll im Trend dieses Jahr: "Wellfit". In einem hellen Glaskas-ten strampeln sich 30, 40 Gäste auf Fahrrad-Ergometern die letzte Diskonacht aus den Gliedern. Hier muss keiner einsam leiden. Ein Musikteppich, der sich im Verlauf von 50 Minuten von sphärisch zu rhythmisch steigert und beschleunigt, animiert die Trainierenden zu "aktiver Erholung" im Gleichklang. Verschwitzt und lächelnd steigen sie danach von den Maschinen. Wer nicht genug hat, kann sich einen "Personal Trainer" engagieren. Der macht einen Fitness-Check, prüft wie bei einem Radprofi die Laktatwerte und entwirft ein individuell zugeschnittenes Training. Man kann sein Leben ändern im Club. Man muss aber nicht.

Reise-Infos:

Robinson-Club Jandía PlayaMorro Jable www.cabildofuer.es

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Der Jandia-Nationalpark

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