Lanzarote: Schöne Aussichten für Foto-Freunde

Sergio Socorro versucht seit 30 Jahren, das Wesen der unverwechselbaren Vulkaninsel zu ergründen - mit der Kamera

Vorsichtig faltet Sergio das Leporello auseinander. Wie eine Ziehharmonika sind acht kleine, quadratische Fotos mit Tesastreifen zusammengeklebt. Abgegriffen sind sie, die Farben ausgebleicht. Das Werk ist rund 30 Jahre alt und Sergios ganzer Stolz. Aufgereiht zeigen die Fotos in fahlen Umrissen eine hügelige Horizontlinie, Bergkegel mit Sanddünen und sehr viel kahles Land.

Damals, als Schüler, hat Juan Sergio Socorro Hernández begonnen, die Kanaren zu erkunden, seine Heimatinseln. Im Gepäck steckte eine einfache Sucherkamera, zu mehr reichte das Geld nicht. Doch was ihm an Technik fehlte, glich er durch Hingabe und pfiffige Einfälle aus. Am meisten zählte ohnehin seine Leidenschaft für die Natur. Ihretwegen wollte Sergio Wissenschaftler werden. Und er wollte fotografieren.

Landschaften im Ziehharmonika-Format

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Das Castell Santa Barbara bei Teguise

Also marschierte er auf eine Anhöhe beim Dorf Yaiza - das mittlerweile Karriere gemacht hat als eines der schönsten Dörfer ganz Spaniens - bis zu einem der Vulkanschlote, die vor Millionen Jahren erloschen und heute harmlose Hügel sind. Oben positionierte er seinen Fotoapparat und bestimmte die Ausschnitte. Von links nach rechts, immer ein Stück versetzt, fotografierte er die Landschaft, die unter ihm lag. Acht Aufnahmen passten schließlich nahtlos zusammen. Diese Fotos klebte er zu einem Ziehharmonika-Breitwandfoto aneinander. Sein erstes Panorama war entstanden, Winkel: ca. 140 Grad.

Nichts hat sich geändert

Heute sieht Lanzarote von dieser Stelle betrachtet noch fast genauso aus wie damals. Natürlich nicht so blass und ausgebleicht wie auf den Bildern, sondern schwarz. Schwarz ist auf der nordöstlichen Kanareninsel die dominierende Farbe, ihre Grundierung. Das Schwarz der Vulkanerde und der erstarrten Lava. Vor diesem Hintergrund heben sich alle anderen Farben frisch und leuchtend ab, wie von einem Expressionisten aufgetragen: das Grün der Weinstöcke, die weißen Kuben der Häuser, sogar das an manchen Stellen hellere Braun der Erde. Und erst recht die Blumenteppiche an einem der seltenen Tage, wenn es einmal ergiebig geregnet hat. Lanzarote mag karg, nackt, roh und wild erscheinen - wer genauer hinblickt, für den ist die Insel ein Gemälde.

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Vulkanlandschaften auf Lanzarote

Seit 30 Jahren der Insel verfallen

Man kann der archaischen Natur Lanzarotes verfallen. "So geht es mir", sagt Sergio. "Auf Lanzarote ist die Erde kahl. Es fehlt die Vegetation, das schützende Pflanzenkleid. So kann man die eigentliche Gestalt der Erde sehen. Die Gestalt erzählt die Geschichte der Inseln. Und die ist die Geschichte der ganzen Erde."

Nur muss man die Gestalt auch lesen und entziffern können. Man braucht ein Auge dafür. Sergio arbeitet seit 30 Jahren daran, sein Wissen über die Kanaren zu erweitern und zu vertiefen und es dann sichtbar zu machen, es in Bilder zu verwandeln. Sein wichtigstes Werkzeug: die Panoramakamera. Als Kurator am "Museo de la Naturaleza y el Hombre" auf Teneriffa entwirft er im Hauptberuf Ausstellungen, zerbricht sich den Kopf über Museumsdidaktik und denkt sich Multimediaschauen aus, über Vulkanismus, die kanarische Pflanzenwelt oder Landschaftsfotografie.

Auf waghalsigen Wegen durch die Unterwelt

Auf Lanzarote ist es der Vulkanismus, der ihn fasziniert. Die letzten Ausbrüche im 18. und 19. Jahrhundert, die Lanzarote stark geprägt haben, waren eigentlich "verspätete Rülpser" der Erdkruste, erklärt Sergio. Geologische Zufälle. Überraschende Nachzügler, denn nach Fuerteventura ist Lanzarote die geologisch älteste Kanareninsel, ihre Vulkane sollten im Grunde längst zur Ruhe gekommen sein. Auf waghalsigen Touren durch die Lavagänge, -hallen und -höhlen, die hinter der Cueva de los Verdes liegen - außerhalb der Besucherstrecken - erforscht Sergio die Fließwege der Lava. Wer mit der Kamera Lanzarote in vorteilhaftes Licht rücken möchte, für den hat Sergio einen einfachen Tipp: "Man sollte von Norden nach Süden arbeiten. Beginnen Sie am Mirador del Río. Dort hat man gegen zehn Uhr schönes Licht. Für die Weinberge von La Geria ist der spätere Nachmittag eine gute Zeit. Und die Vulkane und der Nationalpark Timanfaya zeigen gegen Abend oft wunderbare Farbspiele."

Fremdenverkehrsamt:

Patronato de Turismo Tel. 928-81 17 62, Fax 928-80 00 80 www.turismolanzarote.com (spanisch) Touristeninformation der Inselregierung; Auskunftsbüros an allen touristischen Brennpunkten.

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Selbst Weinanbau ist auf den Vulkanböden Lanzarotes möglich

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