Koblenz: Aqua-Jogging im Kloser

Aqua-Jogging im Kloster - das gibt es seit Ende Juli bei den Dominkaner-Schwestern von Arenberg bei Koblenz. Die Nonnen haben ihr Kneipp-Sanatorium umgestaltet - und ziehen mit dem Wellness-Programm dreimal so viele Besucher an wie noch vor Jahren. Schwester M. Scholastika Jurt, 38, hat das neue Konzept ausgearbeitet

GEO.de: Schwester Scholastika, ein Magazin hat gespottet, Ihr Kloster Arenberg sei der erste Club Med des Christentums. Was gibt es bei Ihnen - Gebete und Gesichtsmasken?

SCHWESTER SCHOLASTIKA: Wir bieten zwar Wellness an, aber an unseren Gebeten muss niemand teilnehmen.

GEO.de: Wie muss man sich denn Kloster-Wellness vorstellen?

SCHWESTER SCHOLASTIKA: Unser Claim ist "Erholen - Begegnen - Heilen". Manche Gäste wollen völlig in Ruhe gelassen werden: Sie gehen spazieren oder setzen sich in unser Café. Andere suchen das Gespräch und nehmen an Exerzitien teil. Die meisten suchen ein ganzheitliches Programm für Leib und Seele und nutzen die Wellness-Angebote in unserem neuen Vitalzentrum.

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Schwester Scholastika

GEO.de: Und da gibt es dann Massagen und Aqua-Fitness?

SCHWESTER SCHOLASTIKA: Zum Beispiel. Unsere Gäste können sich aber auch im Crystal Bad entspannen und die Farblichttherapie und dezente Musik ohne viele Bassklänge auf sich wirken lassen. Oder sie gehen morgens zum Tautreten oder später in den Fitnessraum oder die Sauna.

GEO.de: Aber die Sauna ist doch nicht etwa gemischt, oder?

SCHWESTER SCHOLASTIKA (lacht): Nein, die ist natürlich getrennt.

GEO.de: Werden Ihre Gäste von Schwestern massiert?

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Kloster Arenberg bei Koblenz: Hier gibt es seit Ende Juli ein Vitalzentrum

SCHWESTER SCHOLASTIKA: Nein, wir haben dafür sechs ausgebildete Masseure und Physiotherapeuten.

GEO.de: Und wie oft lassen Sie persönlich sich vom Masseur durchkneten?

SCHWESTER SCHOLASTIKA: Gar nicht. Mir reicht das Schwimmbad.

GEO.de: Berufen Sie sich nur auf Pfarrer Sebastian Kneipp oder bieten Sie auch Ayurveda oder Reiki an?

SCHWESTER SCHOLASTIKA: Wir haben uns gegen fernöstliche Methoden entschieden, da wir in unserem Haus bewusst ein christliches Profil prägen wollen und damit Abstand nehmen von fernöstlichem Denken. Die ganzheitliche Gesundheitslehre von Kneipp mit den fünf Säulen inspiriert uns.

GEO.de: Nonnen und Wellness, das klingt ungewöhnlich. Wie kamen Sie auf die Idee?

SCHWESTER SCHOLASTIKA: Etwa fünfzig Jahre lang haben wir ein Kneipp-Sanatorium betrieben, das Laufe der Jahre immer schlechter belegt wurde. Wir waren als Gemeinschaft an einem Scheidepunkt: Sollen wir das Haus schließen oder versuchen wir etwas Neues? Wir haben uns für einen neuen Weg für den Menschen von heute entschieden

GEO.de: Aber Wellness hat doch nichts mit Religion zu tun.

SCHWESTER SCHOLASTIKA: Doch, letztlich schon. Ganzheitlichkeit spielt in unserem Glauben eine große Rolle: Wenn Jesus einen Kranken geheilt hat, hat er den Menschen an Leib und Seele geheilt. Und schon der heilige Thomas von Aquin hat gesagt: Wenn dunkle Gedanken Dich bedrücken, nimm ein Bad. Viele Menschen suchen derzeit nach dem Sinn ihres Lebens. Dort, wo der Mensch ganzheitlich zur Ruhe kommt und wo er Entspannung erfährt, wird er offen für neue Lebensperspektiven.

GEO.de: Sie missionieren also durch Wellness?

SCHWESTER SCHOLASTIKA: Naja, wenn überhaupt, dann ist es eine stille und verborgene Mission, mehr durch die ganze Atmosphäre im Haus als durch Worte. Wenn ein Gast bei uns im Kloster wieder Geschmack findet an Gott, ist es ganz schön, ein Geschenk

GEO.de: Was kostet Kloster-Wellness?

SCHWESTER SCHOLASTIKA: Eine Nacht im Einzelzimmer kostet rund 79 Euro mit Vollpension. Die Vital-Angebote werden extra berechnet: Eine Teilmassage kostet beispielsweise 13 Euro, eine Ganzkörpermassage 27 Euro. Gewinne erzielen wir nicht. Wir versuchen, kostendeckend zu kalkulieren.

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