Namibia: Skifahren in der Wüste

Über den Dünen flimmert die Hitze, unter den Skiern knirscht der Sand: In Namibias Wüste bietet der Thüringer Henrik May Skitouren an
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Vom Dünen-Ski-Fieber gepackt

Auf Düne 7 geht Seltsames vor sich: Die Skier geschultert klettern einige Gestalten auf den Dünenkamm, spannen die Bretter unter die Füße, fegen den Sandhang hinunter, kommen in Sekundenschnelle am Dünenfuß an, spannen die Skier ab und klettern wieder nach oben. Immer wieder, stundenlang, bei Temperaturen um die 30 Grad.

Abfahrt nur für Fortgeschrittene

Seit einem Dreivierteljahr betreibt Henrik May seinen "Dünen-Ski-Spaß" auf der unter Namibia-Insidern bekannten Düne 7. Und hat bereits begeisterte Anhänger gefunden. "Unsere Teilnehmer kommen von überall her und sind sechs bis 60 Jahre alt." Mitmachen darf aber nur, wer bereits Erfahrungen im Schnee gesammelt hat. "Mit den Abfahrtski kann man im Sand nicht schräg fahren. Es geht also steil bergab und dafür braucht man einfach Training. Und Mut", sagt Henrik May.

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Durch die Sandlandschaft gleiten

An den Skiwanderungen dürfen hingegen auch Anfänger teilnehmen. May, aus dem thüringischen Zella-Mehlis stammend, schwärmt von der Schönheit der namibischen Wüstenlandschaft, von den bizarren Dünenformationen, an denen man vorbei gleitet. Die Beschaffenheit des Sandes macht das Langlaufen leicht: "Man sinkt nicht so stark ein."

Ein Katzensprung zur Düne

Seit 1998 lebt der 28-Jährige Henrik May in Namibia, hat gemeinsam mit seinen Eltern eine Gästefarm unweit der Hafenstadt Swakopmund aufgebaut. In nur 15 Minuten erreicht man von ihrem "Sophia Dale Restcamp" aus die Düne 7.

Profi auf Entzug

May ist ehemaliger Nordisch Kombinierer, hat in Deutschland jahrelang Profisport betrieben. Warum wandert ein Wintersportler nach Namibia aus? Die Angst vor der unsicheren Zukunft, sagt May. "Nach der Wende wurde es für uns Profisportler schwieriger. Ich wusste nicht, ob ich noch einen Trainer finde." Fünf Jahre lang fasste May keine Skier mehr an, war "total trocken", wie er selbst die Abstinenz vom Schnee beschreibt.

Vom Dünen-Ski-Fieber gepackt

Doch eines Tages reiste ein Gast mit Skiern im Gebäck an und erzählte May, dass man im Sand wunderbar fahren könne. May lieh sich die Bretter aus und fuhr in den Norden, in die Namib-Wüste. Und sofort hatte ihn das Ski-Fieber wieder gepackt.

Er ließ sich Skier von seinem Bruder Christian aus Deutschland mitbringen. Und einige Gäste schenkten ihm ihre Bretter. Mittlerweile hat May genügend Material in seiner Sammlung, um sieben bis zehn Teilnehmer ausrüsten zu können. Langfristig will er aber von der konventionellen Skier weg, er will Sandski bauen, mit besseren Belägen.

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Bestes Klima

Swakopmund, ein ruhiges Seebad mit Kolonialbauten, und das Hinterland bieten ideale Klimabedingungen für einen Freizeit-Urlaub. Dank des Benguelastroms steigen die Temperaturen selten über 40 Grad. "Wenn man Pech hat, gibt es mal einen Sandsturm, aber selbst dann kann man am Nachmittag schon wieder auf die Piste", sagt May.

Kein Raubau an der Natur

Dass sein "Ski-Spaß" nicht der Natur schadet, ist dem Sportler sehr wichtig. "Das Gebiet, in dem wir fahren, wurde von der Regierung freigegeben. Auch Snowboarder kommen hierher, und Paraglider."

Testfahrt in Deutschland

May ist nach eigener Aussage der einzige Anbieter von Skitouren auf dem afrikanischen Kontinent. Das Sandboarden, also Snowboarden im Sand, ist hingegen schon seit einigen Jahren populär - auch in Deutschland.

Wer vor seinem Namibia-Trip schon mal vor Ort im Sand üben möchte, der sollte nach Bayern, in den Ort Hirschau, ca. 60 Kilometer von Nürnberg entfernt, fahren. Dort kann man sein Talent auf einem Quarzsandhügel testen.

Skiclub Monte Kaolino

www.sandboarding.org

Infos über Mays Ski-Touren finden Sie im Internet unter

www.ski-namibia.com

Die Homepage der Gästefarm:

www.sophiadale.com

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Das Sophia Dale Restcamp

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