Interview: Höhenwanderung in Peru

Auf extreme Höhen muss man sich gut vorbereiten. Was nicht immer hilft. Angelika Albert machte diese bittere Erfahrung auf einer Wanderung durch die Cordillera Vilcanota in Peru

GEO-SAISON: In den peruanischen Anden unter einer Sauerstoffmaske zu liegen ist sicherlich beängstigend. Angelika Albert: Man will nur noch nach Hause, ver- flucht den Ehemann, der einen zu dieser Reise überredet hat, und ist zugleich unendlich dankbar, dass er da ist und Händchen hält.

GEO-SAISON: Woran lag es, dass Ihnen die Luft wegblieb? Angelika Albert: Unsere Trekkingtour hieß: "Auf den Spuren der Inkas durch die Anden". Dafür mussten wir hoch hinaus. Ich wusste also, dass es anstrengend werden würde. Insgesamt dauerte die Reise drei Wochen. Nach einer gründlichen Akklimatisationszeit von sechs Tagen sind wir zwölf Tage lang auf etwa 4000 Metern über dem Meeresspiegel durch die Cordillera Vilcanota gewandert.

a91115c25cef928dd32ba891eb8331e0

Hoch oben in den Anden: Angelika Albert vor der Inkastadt Machu Picchu

GEO-SAISON: Wie haben Sie sich auf die Tour vorbereitet? Angelika Albert: Ein halbes Jahr Fitnessprogramm: Joggen, Konditionstraining, gesunde Ernährung. Ich hatte etliche Pfunde abgenommen. Aber egal, was man tut, niemand weiß vorher, ob er mit der dünnen Luft klarkommt.

GEO-SAISON: Wann ging es Ihrem Mann besser? Angelika Albert: Nach drei Tagen. Dann aber bekam ich Fieber. Und Durchfall. Unsere Führer, die ganze Crew waren rührend besorgt. Man setzte mich aufs Packpferd. Keine gute Idee. Ich wurde seekrank von dem Geschaukel. Dann wurde ich auf den Boden gelegt. Beine hoch. Ich trank, aß etwas Süßes. Einer der Guides, ein Peruaner, nutzte die Gelegenheit, eine Sauerstoffmaske auszuprobieren. Ich war in besten Händen.

GEO-SAISON: Warum haben Sie die Wanderung überhaupt fortgesetzt? Angelika Albert: Wenn ich gewollt hätte, wäre einer der Führer mit mir zurück in den nächsten Ort geritten, um von dort aus den Rücktransport zu organisieren. Zum Glück ging es mir aber bald besser. Ich hatte mich einigermaßen akklimatisiert, sah allerdings noch furchtbar aus. Während des gesamten Trekkings war ich aufgedunsen, hatte ein Mondgesicht und Finger wie pralle Würstchen. Mein Lymphsystem arbeitete in der Höhe wohl nur eingeschränkt.

GEO-SAISON: Ging es allen so? Angelika Albert: Nein. Einige litten nur zeitweilig unter Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Problemen. Erstaunlicherweise hatten gerade die Ältesten, zwei Männer Mitte 60, die wenigsten Probleme und die beste Kondition.

GEO-SAISON: Womit hatten Sie noch zu kämpfen? Angelika Albert: Man schläft sehr schlecht in der Höhe und hat ständig das Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen. Schlimm war auch die Kälte am Morgen. Man öffnete das Zelt, und sofort legte sich Raureif auf Schlaf- und Rucksack. Richtig gewaschen haben wir uns nicht ein einziges Mal.

GEO-SAISON: Ihr Resümee nach all diesen Strapazen? Angelika Albert: Es klingt verrückt: Trotz der Anstrengungen war es eine wunderschöne Reise. Die Landschaft ist großartig, die Gletscher und die Gipfel der Fünf- und Sechstausender schienen zum Greifen nahe. Man erlebt alles sehr bewusst in dieser unendlichen Einsamkeit. Nie zuvor habe ich eine solche Stille erfahren. Nur ab und zu trafen wir Indiofamilien mit ihren Lama- und Alpakaherden. Alles Eindrücke, die man im Gegensatz zu den Widrigkeiten niemals vergisst.

GEO Reise-Newsletter