Selbsttest: Weltreise in 24 Tagen

Muss eine Weltreise gleich ein Lebensprojekt sein, oder lässt sie sich auch entspannt innerhalb eines Urlaubs unternehmen? Markus Wolff machte den Selbsttest und umreiste in 24 Tagen den Globus
In diesem Artikel
Round the World
Singapur
Bali
Sydney
Auckland
Tahiti
Los Angeles
New York
Rückkehr

Round the World

Ich habe eine klare Vorstellung von einer Weltreise. Ich will Exotik und Weltstädte, Kokosnüsse, turmhohe Cheeseburger, Einbaumkanus und Linksverkehr. Ich muss aber nicht auf jedem Kontinent oder gar in jedem Land gewesen sein. Ich will die Erde nicht in Rekordzeit umrunden, aber auch nirgends so lange bleiben, bis mich am Ende schon Einheimische nach dem Weg fragen. Meine Vorstellung von Weltreise sieht eher so aus, dass ich mit einem kleinen Koffer in der Hand nach rechts aus dem Haus gehe und irgendwann von links wiederkomme. Dafür braucht man nicht viel. Ein paar Wochen Zeit, ein Round-theWorld-Ticket und als Begleitung eine gute, einfühlsame Freundin, die - sollte man doch einmal den Überblick verlieren - immer die momentane Uhr und Jahreszeit sagen kann. Wie Simone.

Singapur

AN: SINGAPUR, 17.50 UHR

AUFENTHALT: 49:25 STD Der erste Stopp ist mit unserem Ticket erst in Singapur möglich, von erfahrenen Weltenbummlern oft als sanfter Erstkontakt mit Asien empfohlen. Landung nach insgesamt 14,5 Stunden Flug. Simone sagt, sie habe bereits jetzt die Befürchtung, dass bei unserem Reisetempo die Seele nicht mit dem Körper Schritt halte. Schon die Indianer hätten damals während langer Ritte innegehalten, um sich zu sammeln. Ich habe hingegen den Eindruck, dass meine Seele völlig intakt an der Passkontrolle steht, nur mein Körper noch immer hilflos in Reihe 21, Platz D eingeklemmt ist.

Die Luft ist feucht

Dank Handgepäck geht es schnell nach draußen, dann mit dem Taxi zum Hotel. Die Fenster sind heruntergekurbelt, die Luft ist feucht. Ich erzähle Simone, dass Singapur zu den 20 kleinsten und am dichtesten besiedelten Ländern der Welt gehöre. Simone erwidert, dass sie beeindruckt sei, wie viel ich wisse, auch wenn sie die reiseführerförmige Beule in meiner Jacke etwas irritiere. Ich überhöre die Bemerkung und teile ihr noch mit, dass die meisten Einwohner Singapurs im Oktober geboren werden.

Der Kopf will ins Bett

Die Stadt bereitet unserer Welttournee einen angenehm-behutsamen Auftakt: Die Straßen sind so sauber, dass wir beinahe Skrupel haben, darauf zu gehen. Als hätten wir unser bisheriges Leben in einem südamerikanischen Baumhaus verbracht, bleiben wir in den Büroturmschluchten fasziniert vor Ampeln stehen, die die Restzeit der Grünphase in Sekunden anzeigen, und strecken in Open-Air-Bars unsere Köpfe dem Wasserstaub entgegen, den riesige Ventilatoren über den Gästen versprühen. Die Nacht bricht herein. Die Skyline verwandelt sich in die Kulisse einer gewaltigen Late-Night-Show. Der Körper will längst ins Bett, der Kopf rät zum Wachbleiben. Etwas lethargisch schlendern wir am Fluss entlang. Die restaurierten Lagerhäuser am befestigten Ufer wirken wie gepflegte Museumsstücke und die vereinzelten Rikscha-Fahrer wie die dazugehörige Dekoration.

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Entspannen am falschen Strand

Nach einem kurzen Blick auf unser Handgepäck verzichten wir am nächsten Morgen auf eine Tour durch die Shopping-Center der Stadt und verbringen die verbleibenden Stunden lieber in der übersichtlichen Erlebniswelt "Sentosa". Natürlich ist auch diese nicht echt. Falscher Strand, falsche Inseln. Hinter den Absperrungen im Meer sind mächtige Tanker zu sehen. "Singapur hat den geschäftigsten Hafen der Welt", erkläre ich Simone, die leider nur den ersten Teil des Satzes mitbekommt, weil sie urplötzlich ins Meer abtaucht.

Bali

AN: BALI, 21.45 UHR

AUFENTHALT: 49 STD

"Was heißt 'Zimmer kaputt'? Was heißt 'anderes Hotel'?", frage ich empört. Mein Unmut beeindruckt an der Rezeption niemanden. Also verschärfe ich den Tonfall und werde unerbittlich: "Ich habe reserviert und bezahlt. Daher bleibe ich hier stehen, bis man mir ein Zimmer gibt! Ende der Debatte!" Dann fahren wir in das andere Hotel. Dieses entpuppt sich als kleine, charmante Bungalowanlage. Schon beim Frühstück wird klar, weshalb Bali ein Stopp auf jeder Weltreise sein muss: ruhiges Meer, friedvolles Palmenrauschen und freundliche Hotelangestellte, die unermüdlich zum Trinken überraschend haarloser Kokosnüsse animieren. Von unseren zwei Tagen hier gehört der erste dem Strand. Während Simone mit einer Blume hinterm Ohr im Pool auf das Eintreffen ihrer Seele wartet, verbringe ich auf meiner Liege die Zeit damit, einheimischen Händlern zu erklären, dass 100 gefälschte Rolex-Uhren oder vier enorm farbige Frühstücksuntersetzer partout nicht in mein Handgepäck passen.

"Zehn Stunden Reisefelder - isse Wahnsinn!"

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Als es gerade um ein Pfeilset mit Köcher geht, erscheint Herr Yadi, Mitarbeiter des Reiseveranstalters, dem die Hotelpanne von gestern sichtlich unangenehm ist. Dafür hat er nun verschiedene, allerdings nicht ganz kostenfreie Ausflüge im Angebot. Herr Yadi spricht ausgezeichnetes Deutsch, das nur bei zu viel Begeisterung gelegentlich den Balinesen erkennen lässt. Wie bei der Reisterrassen-Tour, der Herr Yadi mit geballter Faust gleich mehrfach das Prädikat "Zehn Stunden Reisefelder - isse Wahnsinn!" verleiht. Nein, etwas weniger Reisefeld gebe es leider nicht. Für 19 Dollar aber noch den Ausflug zu einem Künstler, der auch "der Salvador Dali von Bali" genannt werde.

Lebensfreude in Kuta

Am frühen Abend zieht sich das Meer zurück. So weit, dass nur noch ein großes, schlammiges Feld zurückbleibt, in dem einheimische Frauen nach Muscheln suchen. Also fahren wir nach Kuta, Balis buntes, lautes, energieraubendes Zentrum, in dem erst nachts das Leben beginnt. Nichts ist hier mehr von der Angststarre zu spüren, in die Bali nach dem Bombenanschlag vor zweieinhalb Jahren verfiel. Im Gewirr aus Karaoke-Bars, T-Shirt-Ständen und Surf-Shops vereinbaren wir mit einem Taxifahrer für den nächsten Tag eine Tour nach Tanah Lot, einem zwar hoffnungslos überlaufenen, aber atemberaubend schön auf einer Felseninsel gelegenen Tempel. Mit einem Hauch Reisterrasse auf dem Weg.

Sydney

AN: SYDNEY, 6.25 UHR

AUFENTHALT: 74:55 STD Im warmen Morgenlicht stehen wir vor dem Flughafen von Sydney und reiben uns die Augen. Bali wirkt plötzlich wie ein kurzer, exotischer Traum, an den lediglich ein paar zerknüllte Banknoten in der Hosentasche erinnern. Keine knatternden Mofas mehr, kein Hupen, keine falschen Rolex, und statt schweißtreibender Schwüle eine milde Kühle. Doch wohin zuerst in einer Weltstadt, wenn nur drei Tage Zeit sind? Natürlich spricht auch für Neulinge nichts dagegen, Sydney von Beginn an mit anderen Augen zu sehen. Ich weiß nur nicht, ob es gleich die eines Transvestiten sein müssen, und führe es auf eine durch Übermüdung verursachte Entscheidungsschwäche zurück, dass ich Simone darin zustimme, die Stadtführung namens "Sydney by Diva" klinge wie gemacht für uns.

Tour mit Claire de Lune

Kurz darauf sitzen wir mit 40 Touristen in einem komfortablen Bus, haben ein Sektglas in der Hand und fragwürdige Perücken auf dem Kopf. Auf meiner Jacke klebt außerdem ein Schild. "Stephanie". Unsere Reiseleitung heißt Claire de Lune. Zum französischen Akzent trägt Australiens bekannteste Drag Queen - nach Dame Edna, natürlich - einen aus Stadtplan-Stoff geschneiderten Blazer, einen goldenen Trenchcoat sowie eine Frisur wie Rod Stewart nach dem Aufwachen. Die Tour führt am Sydney Tower vorbei (305 Meter hoch), an der Harbour Bridge (52.800 Tonnen Stahl), zum großartigen Opernhaus (nie verschmutzt, weil selbstreinigende Kacheln). Fasziniert verlassen wir immer wieder den Bus und verdrängen sogar erfolgreich den Gedanken an unsere Kopfbedeckungen. Zumindest bis zum Anblick des nächsten Kindes, das noch nie vom Verbot gehört hat, mit Fingern auf perückte Menschen zu zeigen.

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I got to boogie

Gleiche Aufmerksamkeit wie den bekannten Sehenswürdigkeiten gilt aber auch weniger prominenten Einrichtungen wie dem Fitness-Studio für Schwule, in dem die Laufbänder nicht ganz zufällig so ausgerichtet sind, dass die Gesäße der Läufer durch die Glasfront nach außen zeigen. Hier enden jedoch meine Notizen der Stadtrundfahrt, da ich nicht erzählen werde, wie ich im Bus auf dem Weg zum legendären Bondi Beach einen Song aus dem Film"Priscilla. Queen of the Desert" einstudiere, aus voller Kehle "I love the nightlife, I got to boogie" singe und dazu mit meinen Händen wie beim Cancan durch die Luft wische. Wie ein trauriger Clown zieht sich Simone nach einem letzten Hafenbummel im Hotel die blaue Perücke vom Kopf, die sie sich gleich nach der "Diva"-Rundfahrt gekauft hat. Schon wieder alles vorüber.

Kino zum Abschied

Die Vorfreude aufs neue Zimmer, das Auspacken des Koffers, das schrittweise Entdecken der Stadt. Reisen im Zeitraffer, obwohl die ersten beiden Stationen schon Monate zurückzuliegen scheinen. Der Salvador Dali von Bali, die große asiatische Ferienanlage Singapur. Ein Hagel von Eindrücken, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Keine Pause. Zum ersten Mal sehnen wir uns nach einem Stückchen vertrautem Alltag – und verbringen den Abend im Kino.

Auckland

AN: AUCKLAND, 14.15 UHR

AUFENTHALT: 71:50 STD

Kaum gestartet, schon gelandet - nur knapp drei Stunden dauert der Flug. Sydney ist Vergangenheit. Die Gegenwart heißt Neuseeland, heißt Natur. "Heißt Schafe!", ruft Simone. Wir entscheiden uns also für einen Farmaufenthalt außerhalb von Auckland. Stopp am Muriwai Beach, dem unwirtlichsten, imposantesten Stück Küste, das ich je gesehen habe. Das Meer tobt. Gewaltige Wellen mit schäumenden Kronen schießen auf die Küste zu, wo sie sanft auslaufen. Der Wind fasst unter unsere Jacken. Wie grobmotorisch gestörte Michelin-Männchen taumeln wir zurück zum Auto. Mit wirrer Frisur geht es weiter zur Farm, die nur wenige Kilometer vom Strand entfernt ist. Auf der Wiese liegen die Schafe wie vom Himmel gefallene Wolken. Im Türrahmen steht Ehepaar Hempleman.

Lamm im Familienkreis

Chris kümmert sich um das Bed & Breakfast, ihr Mann David besitzt eine Asphalt-Firma. Die Zufahrtsstraße habe er selbst geteert, erzählt Mr. Hempleman, und quasi gleich in einem Abwasch auch noch einen Tennisplatz neben die Weide betoniert. Dieser hätte eigentlich von Steffi Graf, seinem großen Idol, eingeweiht werden sollen. Als diese jedoch per Fax absagte, sprang kurzerhand Hemplemans 90-jährige Mutter ein. Am Nachmittag treiben Simone und ich gutmütige Schafe von links nach rechts durch ein Gatter. Und wieder zurück. Am Abend gibt es köstliches Lamm, dessen Keule Mr. Hempleman in gekonnter Obelix-Manier mit beiden Händen auseinander bricht und auf die Teller verteilt. Dazu läuft im Hintergrund wie selbstverständlich ein fast surreal klingender Wetterbericht. "Die Aussicht für Tahiti: Sonnig bei 28 Grad." Simone stößt mich leicht in die Seite: "Hey, morgen wird's schön!"

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Tahiti

AN: TAHITI, 20.55 UHR

AUFENTHALT: 121:05 STD Der Physiotherapeutin von Simones Mutter zufolge ist der Flug über die Datumsgrenze für den Körper am schwersten zu verkraften. "Ist eben so!", wehrt Simone meine Skepsis ab und unterstellt Besserwissertum. Fest steht in jedem Fall, dass wir auf Tahiti einen Tag vor Abflug in Auckland ankommen, also den gestrigen Tag heute noch einmal erleben. Glücklicherweise bestätigt sich nicht die Vermutung, dass ich deshalb ein zweites Mal im Fernsehen einen unerträglichen Film mit einem sprechenden Känguru sehen werde. Es ist Abend, als wir ankommen. Und heiß. Eine Nacht zuvor in Auckland hatten wir uns noch Heizstrahler bringen lassen. Nun stehen wir wie zwei verirrte Pinguine am Taxistand in Papeete - in dicken, schwarzen Jacken, schwitzend und mit Blumenketten um den Hals. Nur schlecht lässt sich in der Dunkelheit ein Eindruck von Tahiti gewinnen, dem Wunschziel aller Weltreisenden und Daheimgebliebenen. In den Höhen brennen vereinzelt Lichter, was der Szene die irritierende Anmutung eines tropischen Österreichs verleiht.

Schwarze Sandstrände, weiße Sandstrände, Frauen mit Hibiskusblüten im Haar

Am nächsten Morgen ist von der Alpenassoziation jedoch nichts mehr übrig. Stimmig begleitet von Radio Tiares nie endender Ukulelen-Musik fahren wir in bester Laune einen halben Tag lang um die Insel. Tahiti, Land gewordener Traum! Palmen, schwarze Sandstrände, weiße Sandstrände, Frauen mit Hibiskusblüten im Haar und Märkte mit Kokosnuss-Bikinis. Wir essen französische Croques unter Pflanzen, die aussehen wie monströser Rhabarber, und finden minütlich einen Platz, an dem wir bis zum Lebensende bleiben möchten. Wir legen uns aber nicht fest, da wir noch nach Manihi müssen. Das Atoll liegt knapp 90 Flugminuten von Tahiti entfernt und ist so klein, dass alle Ein- und Ausreiseformalitäten an einer Art Check-in-Palme erledigt werden. Wir beziehen zwei Stelzenbungalows, von denen Wendeltreppen direkt ins türkisfarbene Wasser führen. Ich fühle mich großartig. Kein Jetlag, keine Beschwerden. Ich rufe in Richtung Simones Bungalow, dass ihre Mutter doch bitte einmal die Physiotherapeutin wechseln solle. Simone schweigt.

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Los Angeles

AN: LOS ANGELES, 9.10 UHR

AUFENTHALT: 47:55 STD

Schon wieder die Uhr vorstellen. Nach acht Stunden Flug Erwachen in einem Albtraum. Dabei war es raffiniert geplant: Dem exotischen Paradies sollte die aufregende Großstadt folgen, die Metropole der Stars, Heimat des Glamours. Neben Brad Pitt im Restaurant sitzen und von Cameron Diaz zugeparkt werden. Wie in einer postapokalyptischen Vision werden wir stattdessen mit unserem Leihwagen in einen unendlich langen Asphaltschlund gesogen, der uns willkürlich in nie zuvor gehörten Stadtteilen von L.A. ausspeit.

Von Glamor nichts zu sehen

Während wir die Frage erörtern, ob sich dafür eine Beifahrerin verantwortlich machen lässt, die bereits vor Fahrtbeginn sagt, sie könne keine Karten lesen, erreichen wir schließlich Hollywood. Ich bin vorerst versöhnt. Vor allem, weil ich auch ohne Brille - wenn auch etwas unscharf - innerhalb von fünf Minuten rund zehnmal Whoopie Goldberg, dreimal Julia Roberts (und jedes Mal mit anderer Frisur!) und sogar einmal Steven Spielberg sehe - am Steuer eines Lieferwagens für Glasereibedarf. Wir buchen die "Movie Stars’ Homes Tour". Mit einem Minibus zu den Häusern von Madonna, Richard Gere, Nicolas Cage. Die Fahrt bringt allerdings kaum neue Erkenntnisse, außer, dass Sean Connery gerade in seiner Garage einen alten Teppich entsorgt. Überhaupt ist alles sehr glanzlos. Das Kodak Theatre, Ort der jährlichen Oscar-Verleihung, ist ein nüchterner Betonklotz, und auf dem Walk of Fame werden die Sterne großer Stars wie Harrison Ford oder Kermit der Frosch von tristen Ramschläden flankiert.

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Abstecher zu Louis Vuitton

Wir sehnen uns nach Manihi zurück. Oder nach Neuseeland, oder - wo waren wir davor? Eindeutig mehr Stil besitzt der Rodeo Drive in Beverly Hills mit seinen exklusiven Boutiquen. Bei "Louis Vuitton" werde ich gleich mit Handschlag begrüßt. Allerdings ist man hier eher auf Kunden eingestellt, die sich nie für Preise, sondern allenfalls für das Lieferdatum der Ware interessieren. Meine Frage nach den Kosten für einen Mantel im Schaufenster stellt daher die fünfköpfige Belegschaft vor ein scheinbar noch nie da gewesenes Problem, das erst nach 20 Minuten und - vermutlich - einem Anruf bei Herrn Vuitton persönlich gelöst werden kann.

New York

AN: NEW YORK, 17.10 UHR

AUFENTHALT: 73:10 STD New York. Natürlich. Wer ohne diese Stadt von seiner Weltumrundung heimkehrt, darf zur Strafe wahrscheinlich nie wieder verreisen. Leider sind mir in L.A. entweder der Preis des Louis-Vuitton-Mantels oder ein fettiger Burger auf den Magen geschlagen. Außerdem hat das Hotel Probleme mit dem Internet, weshalb unsere Reservierung nicht eingetroffen und statt zwei Zimmern nur eines frei ist. In dieses ließe sich aber ein zweites Bett stellen, sagt der Rezeptionist. Allerdings verschweigt er, dass dann kein Gast mehr ins Zimmer passt. So sei nun einmal New York, sagt Simone. Also nehmen wir es. Meine Genesung scheitert an einem vernagelten Fenster und einem 1-Sender-TV mit Fernsehprediger.

Geld spielt keine Rolle mehr

Wir leihen uns Fahrräder. Mit flauem Gefühl und leicht verschleiertem Blick sehe ich zum ersten Mal das Empire State Building, radele vor lauter begeistertem Hier-und-dahin-Schauen in Schlangenlinien den Times Square entlang und lasse mich am Ende kraftlos auf eine Bank am Hudson River fallen. Am nächsten Morgen beschließen wir, dass einen Tag lang Geld keine Rolle spielt und ziehen vom definitiv kleinsten ins vermutlich teuerste Hotelzimmer der Stadt. Das "Carlyle" liegt direkt am Central Park. Wir bekommen Zimmer im oberen Teil des Hauses. Links von mir wohnt Simone, unter mir ein Hund. Vielmehr ein Mann mit Hund. Allerdings kommt der Mann nur selten nach New York.

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Hund müsste man sein

Mehrmals am Tag wird der Hund daher von Hotelangestellten ausgeführt und hin und wieder zum Friseur gefahren. Nur zu den Konzerten von Woody Allen, der jeden Montag im "Café Carlyle" Klarinette spielt, darf er mangels Musikkenntnis nicht. Ich stelle mich ans Fenster: Was für ein Blick auf Manhattan! Wolkenkratzer, Grünanlagen, Häuserschluchten, durch die gelbe Taxis gleiten wie in einem Film, bei dem man den Ton abgestellt hat. Ich denke für einen Moment, man müsste Hund sein. Eine Etage tiefer. Oder, wenn schon Hund, dann vielleicht doch lieber - in Sydney, Bali oder Tahiti?

Rückkehr

AN: HAMBURG, 10.25 UHR Das Taxi hält vor der Haustür. Nach fast 40.000 Kilometern, 24 Tagen, sechs Ländern. Einmal ganz rum. Kurz wundere ich mich, weshalb ich trotzdem aus derselben Richtung komme, in die ich abgereist bin. Am Abend ruft Simone an und fragt, ob ich schon wieder richtig da sei. Ich antworte, ich wisse es nicht. Sie sagt, sie sei bereits da. Nur ihre Seele liege noch auf dieser bezaubernden Veranda auf Manihi und genieße die Sonne.

Unerlässlich für unterwegs
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Bauchtasche, Space Pen und Spork: GEO.de zeigt, welche Artikel Sie auf eine Weltreise unbedingt mitnehmen müssen
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