Interview: Freestyle-Pionier Ernst Garhammer

Ernst Garhammer hält Tiefschneefahren für ökologischer und sicherer als das Rasen auf präparierten Pisten - und provoziert damit Umweltschützer

Ernst Garhammer, 55, aus dem oberbayerischen Moorenweis gehörte mit seinem Bruder Fuzzy zu den Pionieren der Trickskiszene in den siebziger und achtziger Jahren. Jetzt will er Skifahrer von der Piste abbringen.

GEO.de: 99 Prozent aller Skifans kurven auf präparierten Pisten. Denen wollen Sie weis machen, Tiefschneefahren sei umweltbewusster? Wie das? Ernst Garhammer: Ganz einfach: Man spart sich den Aufwand für die maschinelle Präparierung der Pisten. Ausgestoßene Schadstoffe belasten das Hochgebirge viel mehr als das Tal. Außerdem braucht man weniger Lifte, die ebenfalls der Umwelt schaden.

Aber irgendwie müssen die Skifahrer ja nach oben. Etwa nur zu Fuß? Ganz so abwegig wäre das nicht. Im Sommer erklimmen Wanderer und Mountainbiker die Berge nur mit Muskelkraft, was ohnehin viel gesünder ist. Aber ich bin ja gar nicht so sehr gegen Lifte. Mir geht es vor allem um die Sicherheit. Auf einer präparierten, gepressten Schneedecke ist es viel gefährlicher als im Gelände. Die Leute fahren zu schnell, beherrschen die Ski nicht mehr. Und wenn viele Skiläufer unterwegs sind, steigt die Kollisionsgefahr. Die neuen Carving- Skier sind zwar sehr dynamisch, aber unter hundert Skifahrern findet man vielleicht einen, der damit umgehen kann. Bei allen möglichen Geräten gibt es Gebrauchsanweisungen, nur hier nicht. Eigentlich müsste zu jedem neuen Paar ein Einführungskurs gehören.

Wieso ist es abseits der Piste sicherer?

Zum einen, weil man sich langsamer bewegt. Zum anderen, weil nicht so viele Skiläufer unterwegs sind. Und schließlich neigen im Gelände die Menschen nicht so sehr dazu, sich zu überschätzen. Sie fahren vorsichtiger als auf einer breiten Piste.

Schwer vorstellbar, dass nun alle Pisten fahrer ins Gelände drängen. Das ist ja auch eine Frage des Könnens.

Im weichen Pulverschnee ist es viel angenehmer als auf harten, eisigen Abfahrten. Die Kinder machen es vor. Sie fahren bei unseren Kursen völlig unvoreingenommen in das lockere Weiß. Es kommt im Grunde nur darauf an, dass man einen natürlichen Bewegungsablauf entwickelt.

Aber was ist mit der Lawinengefahr?

Die besteht im Prinzip immer. Deshalb muss unbedingt ein Lawinen-Verschütteten- Suchgerät (LVS) dabei sein. Man sollte auch nur mit kundigen Guides fahren, die wissen, wo man sicher unterwegs ist. Wir zum Beispiel suchen oft pistennahe Hänge aus, die schon ein gefahren sind. Wir machen Skikurse seit 35 Jahren, und noch nie ist bei uns ein Gast in einer Lawine verunglückt.

Jäger und Umweltschützer werden kaum begeistert sein, wenn Sie die Leute ins Gelände bringen wollen. Die stören dann doch die Wildtiere. Mir haben schon etliche Forstexperten gesagt: "Lieber Ernst, lass dich nicht ins Boxhorn jagen. Die Leute, die dich angreifen, das sind dieselben, die mit ihrem Jeep auf breiten Forststraßen bequem zur Jagd fahren." Gämsen und Hirsche haben vor Skifahrern wenig Scheu. Sie spüren nur Stress, wenn irgendwo eine Büchse knallt. Dann wissen sie, dass es gefährlich wird.

Infos: www.garhammer.com

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Pionier der Trickskiszene: Ernst Garhammer

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