Interview: Speedkletterer Ueli Steck

Früher galt die Eiger-Nordwand als unbezwingbar, 2008 stellt der Schweizer Ueli Steck einen Geschwindigkeitsrekord auf. Im Interview erzählt er über die sportliche Herausforderung und den Reiz des Eigers

GEO.de: Normalerweise braucht man für die klassische Heckmaier-Route der Eiger-Nordwand zwei Tage. Sie haben sie in zwei Stunden und 47 Minuten erklommen. Was treibt Sie?

Ueli Steck: Ich war schon immer ein ehrgeiziger Mensch. Bergsteigen ist für mich auch ein Sport, und da gibt es immer Herausforderungen, etwas zu schaffen, was zuvor noch niemand geschafft hat.

Warum fasziniert sie gerade der Eiger?

Zum einen ist er mein Hausberg, da liegt es nahe, dass man diesen Berg für sich entdeckt. Zudem fasziniert mich die Geschichte des Eigers, der Mythos um ihn. Als es dann der Bergsteiger Christoph Hainz in 4 Stunden 30 bis zum Gipfel schaffte, fragte ich mich, wie ich das schaffen kann. Dabei ging es mir nicht primär um Wettstreit, sondern darum, wie ich mich persönlich weiterentwickeln kann. Außerdem: Bergsteiger haben sich schon immer an der Zeit gemessen.

Sie sind die Tour ohne Seilsicherung gegangen. Ist das nicht schlichtweg lebensmüde?

Nein, absolut nicht. Bei der ersten Speedbesteigung (Anm. der Redaktion: 2007) hatte ich mich einige Male gesichert, beim neuen Versuch hatte ich eine Lösung gefunden, wie man die Seile weglassen kann. Das war ein laufender Prozess, in dem ich die Technik optimiert und Passagen gefunden habe, die man auch ohne Seil gehen kann. Ich bereite mich immer sehr gut vor.

Gab es keine kritischen Momente?

Nein, es war wirklich ein perfekter Aufstieg und für mich persönlich ein großer Erfolg. Ich habe für diesen Tag lange trainiert und daher ist es sehr schön, dass alles so gut geklappt hat.

Für Nicht-Bergsteiger ist der Sinn solcher Touren schwer zu begreifen. Können Sie die Faszination des Extrembergsteigens beschreiben?

Es ist eine sehr intensive Auseinandersetzung mit der Natur, mit den Elementen. Der Natur ist man dabei sehr, sehr nah. Körperlich ist es natürlich auch eine Herausforderung. Ich bin Sportler und ich tue alles dafür, dass ich besser werde. Für mich ist das ein persönlicher Ansporn.

Wenn man Sie so vertikal hochsprinten sieht, könnte man fast meinen, dass es jeder schaffen könnte. Ich auch?

Ja, das kann jeder. Ich bin auch nur ein einfacher Mensch und koche mit heißem Wasser. Wenn Sie den Mut haben und die Ausdauer, können Sie das auch schaffen.

Wie müsste ich mich vorbereiten?

Sie brauchen sehr viel Geduld und Ausdauer. Ich beispielsweise klettere schon seit 20 Jahren, seit 10 Jahren trainiere ich sehr intensiv. Wer konsequent trainiert, kann auch die Eiger-Nordwand besteigen. Es ist keinesfalls unmöglich.

Was haben Sie als nächstes vor?

Es treibt mich demnächst in den Himalaja, wo ich eine neue Route erschließen möchte. Den Eiger habe ich auch weiterhin im Blick, aber was ich demnächst mit ihm vorhabe, möchte ich erstmal nicht verraten.

Gibt es so etwas wie ein Endziel? Oder anders gefragt: Wann hören Sie auf?

Das Bergsteigen wird mich mein Leben lang begleiten. Das ist meine Art zu leben. Ich brauche das auch. Sicher werde ich nicht auf dem gleichen Niveau wie heute weitermachen können, die Leistungsfähigkeit nimmt einfach irgendwann ab. Aber ich werde sicher nie mit dem Bergsteigen aufhören.

Das Interview führte Bianca Gerlach

Bergsteiger Ueli Steck:

Der 31-jährige Schweizer ist Rekorde gewohnt: Schon mit 17 beherrscht er neun der elf Schwierigkeitsgrade beim Klettern, erkletterte zahlreiche Gipfel im Alleingang und gilt als einer der besten Solokletterer. Seinen eigenen Rekord, die Besteigung der Eiger-Nordwand 2007 in drei Stunden und 54 Minuten, brach er im Februar 2008. Für diese Leistung erhielt er den Eiger Award 2008. Weitere Informationen unter www.uelisteck.ch

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