Extremsport: Fliegende Menschen im Wingsuit

Wie Vögel stürzen sich Extremsportler in Wingsuits in Täler. Bei Geschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern fliegen sie an Felswänden vorbei gen Abgrund. Spektakulär und atemberaubend. Sehen Sie selbst!

Loic Jean-Albert "fliegt" seit rund zehn Jahren mit einem Wingsuit, einem Flügelanzug. Im Interview erklärt er, wie der Anzug funktioniert, und wie es sich als Vogelmensch anfühlt.

GEO.de: Ihr "Flug" sieht sensationell aus. Wie machen Sie das?

Loic Jean-Albert: Wir tragen einen so genannten Wingsuit, der funktioniert mehr oder weniger wie ein Segelflugzeug. Durch den Wind bläst sich der Anzug auf und hilft das Fallen auszubremsen. Man beginnt zu gleiten. Bevor man ins Gleiten kommt, muss man ca. 150 Meter in die Vertikale fallen, erst dann hat man genug Auftrieb.

Wie schnell fliegen Sie?

Man hat die Möglichkeit, etwas zu steuern, sprich je nach Wunsch etwas langsamer oder schneller zu fliegen. Am langsamsten fliege ich mit rund 120 Stundenkilometern, am schnellsten mit 250.

Halten die Anzüge das aus?

Das hoffen wir natürlich. Ich selbst habe eine Firma gegründet, die Wingsuits herstellt. S-Fly heißt meine Marke. Wir verwenden dafür den gleichen Bezug, der auch für Segel verwendet wird. Bislang ist keiner gerissen. Die Anzüge gibt es in verschiedenen Größen von S bis XL. Ein Anzug kostet etwa 750 Euro.

Im Video sieht es so aus, als wenn Sie fast die Mauer berühren könnten. Wie dicht sind Sie wirklich?

Mittlerweile kommen wir etwa drei Meter heran.

Kann man bei der Geschwindigkeit überhaupt noch ausweichen, falls plötzlich ein Felsvorsprung auftaucht?

Das was wir mit den Wingsuits machen, kann man mit einer sehr schnellen Autofahrt vergleichen. Jemand im Rennwagen ist ja auch irre schnell und kann noch reagieren.

Was ist das für ein Gefühl?

Es ist schwer zu beschreiben. Aufregend. Ich stelle mir vor, dass ein Vogel ähnlich fliegt. Es ist jedes Mal sehr spektakulär.

Was wäre denn die nächste Entwicklungsstufe von den Wingsuits?

Wir arbeiten gerade daran, noch mehr Kontrolle über die Flüge zu bekommen. Schön wäre es, wenn wir flexibler fliegen könnten, also unter anderem die Geschwindigkeit besser kontrollieren könnten. Außerdem tüfteln wir an einer Lösung, um schneller ins Gleiten zu kommen. Im Moment müssen wir uns vor dem Flug steil in die Vertikale stürzen, damit der Luftstrom greift. Wir arbeiten daran, etwas flacher beginnen zu können.

Wie oft fliegen Sie eigentlich?

Etwa drei bis vier Mal im Jahr fliege ich von einem Berg in eine Schlucht. Überwiegend springe ich jedoch aus Flugzeugen, da kann man einfach länger fliegen und braucht vor allem nicht diese 150 Meter Anlauf, damit der Wingsuit ausreichend Auftrieb hat.

Sie sind Familienvater von zwei Kindern. Was wäre, wenn eines Ihrer Kinder fliegen möchte?

Damit hätte ich kein Problem. Es kommt einfach auf die richtige Technik an, je besser man vorbereitet ist, desto geringer ist das Risiko. Natürlich bin ich mir der Gefahr bewusst – auch wenn ich selber fliege. Aber ich fliege seit 1998 und man ändert sich nicht plötzlich, nur weil man Kinder hat.

Interview: Bianca Gerlach

Loic Jean-Albert (30) stammt aus Réunion, lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in den französischen Alpen. Er ist Fallschirmspringer seit 14 Jahren.

Seine Website mit noch mehr Videos: www.loicjeanalbert.com

Wagemutige können Wingsuits hier bestellen: www.flyyourbody.com

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