Interview Die stillen Örtchen dieser Welt

Die Autorin Nina Sedano hat als wohl einzige Frau Deutschlands alle 193 UN-Staaten bereist – und deren Toiletten. Ein Gespräch über das Unvermeidliche
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Ob über dem Abgrund auf Madagaskar oder in der Steppe Libyens, Nina Sedano begegnete auf ihren Reisen kuriosen Toiletten

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ausgerechnet ein Buch über Toiletten zu schreiben?

Nina Sedano: Meine Mutter hat mir in meiner Jugend ein Foto von einer Toilette in Russland gezeigt. Sie hatte keine Trennwände und war gruselig. Es hat mir verdeutlicht, dass nicht alle Toiletten auf der Welt so aussehen wie unsere. So kam mir der Gedanke, darüber ein Buch zu schreiben. Es hat 30 Jahre und einige Reisen gedauert, bis ich es dann getan habe.

Wo fanden Sie das ansehnlichste und wo das abschreckendste Klo?

Am besten haben mir bisher die Toiletten im "Kaysers" am Mieminger Plateau in Tirol in Österreich gefallen. Dort gibt es sehr gelungene Thementoiletten, etwa zu Nostradamus oder Kaiser Franz: Der Sitz gleicht einem Thron, ein Kronleuchter spendet Licht, und Abziehkordeln aus rotem Samt sorgen für royale Stimmung. Abschreckende gab es einige, die meisten davon in China: ein einziger Raum ohne Türen und hygienisch ein Albtraum. Die Chinesen hocken sich einfach nebeneinander. Dass sie das als normal empfinden, hat mir eine Begegnung mit einer Chinesin in Alaska gezeigt. Sie ließ auf der öffentlichen Toilette einfach die Tür auf und ging ihrem Geschäft nach.

Im internationalen Vergleich – wie verklemmt oder locker sind die Deutschen beim Thema WC?

Mir scheint, wir liegen im guten Mittelfeld. Sehr entspannt ist der Umgang damit in England und Österreich. In Wien sind die öffentlichen Toiletten im Stadtplan verzeichnet, und wer ein bisschen Zeit mitbringt, kann beim Sightseeing auch tolle Klos aus der Jahrhundertwende entdecken. Die Engländer hingegen richten ihr Bad mit sehr viel Liebe ein. Auch wenn Teppichboden aus gesundheitlichen Gründen sicherlich fragwürdig ist, sorgt er dafür, dass man sich auf dem Klo wohlfühlt wie im Wohnzimmer.

Was sollten Fernreisende für den exotischen Toilettengang immer in ihrem Gepäck haben?

Eine eigene Rolle Toilettenpapier! Ganz wichtig ist auch das Händewaschen mit sauberem Wasser, denn in fernen Ländern sind Bakterien unterwegs, die der europäische Körper nicht kennt und daher nicht so gut verträgt. Gibt es kein sauberes Wasser, hilft eine kleine Flasche Desinfektionsmittel für die Hände. Ein wacher Blick für die jeweiligen Verhältnisse sollte aber auch nicht fehlen. Mir ist es zum Beispiel einmal auf Madagaskar passiert, dass ein Mitreisender in einen Fluss gepinkelt hat, obwohl wahrscheinlich im nahe gelegenen Ort die Einheimischen ihr Wasser daraus schöpfen. Ich finde, so etwas geht nicht: Wenn man in fremden Ländern reist, kann man nicht so gedankenlos handeln.

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Ihre Begegnungen mit den "stillen Örtchen dieser Welt" schildert Nina Sedano in ihrem Buch "Happy End", Eden Books, April 2015, 378 Seiten, 14,95 Euro

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