Flugreisen: Komfort an Bord

Große Flugzeuge sorgen für große Schlagzeilen. Doch für uns Reisende ist das Wichtigste der Komfort in der Maschine. Auch da tut sich viel. Allerdings nur wenig zu unserem Vorteil

Diagonale Sitzreihen galten vor einiger Zeit als Clou. Eine Spezialfirma für Flugzeuginneneinrichtungen wollte so für mehr Beinfreiheit sorgen und das Ein- und Aussteigen beschleunigen. Doch in der Diagonalen geht Platz verloren, das können sich die Fluggesellschaften heutzutage nicht leisten. Denn der Passagier will vor allem günstig fliegen. Und deshalb müssen sich die renommierten Fluggesellschaften den Billigfliegern angleichen. So hat die Lufthansa begonnen, in ihren Kurzstrecken-Fliegern die Sitze der "Holzklasse" zu ersetzen. Dank dünnerer Schaumschichten und flacherer Netzbespannung brauchen die neuen weniger Platz – allerdings baut die Airline zusätzliche Sitzreihen dort ein. Auch Garderobenschränke, Küchen und Toiletten sollen ausgebaut werden, damit auf Kurzstrecken so viele Passagiere wie möglich transportiert werden können. Die Änderungen im Innenraum der Maschinen bringen immerhin auch einen Vorteil für die Passagiere, zumindest für die mit langen Beinen: Da die neuen Sitze keine klappbaren Lehnen haben, endet der ständige Kampf mit dem rücksichtslosen Vordermann.

Flugreisen: Komfort an Bord

Von hinten sehen alle Sitze gleich aus. Doch es macht einen großen Unterschied, ob man den Platz am Gang oder in der Mitte erwischt hat

Während die Airlines ihre Fluggäste hinten im Flieger enger zusammenrücken, haben sie weiter vorne Platz gefunden für neue Ideen. Nur kurz sei hier erwähnt, dass Passagiere in First- und Business- Class mehr Komfort genießen, bei Emirates gibt es Separees, bei Singapore Airlines die größten Fernseher, und flache Betten sind ohnehin überall die Regel. Viele Fluggesellschaften bieten zudem eine neue Klasse an: Die Economy Plus im vorderen Mittelteil verbindet in etwa die Beinfreiheit der Business Class mit dem Sitzkomfort der Economy; manche Airlines bieten den Eco-Plus-Passagieren auch den gehobenen Service aus dem vorderen Teil der Maschine an. Für rund zehn Zentimeter mehr Beinfreiheit "variieren die Zuschläge je nach Saison, Zielgebiet und Airline zwischen 200 und 1000 Euro", sagt Sabine Hahn vom Reiseanbieter FTI in München. Je länger der Flug, desto höher der Zuschlag. Sie empfiehlt: Wer es sich leisten kann, sollte das Angebot wahrnehmen. Die Fluggesellschaften lassen sich jeden Komfort bezahlen, so kann der Aufschlag für einen Sitzplatz am Notausgang bei Charter- oder Billigfliegern pro Strecke schon bis zu 30 Euro betragen. Dagegen wirkt das neue Angebot von Air New Zealand wie ein Schnäppchen: Für eine Zuzahlung von 50 Prozent des Gesamtpreises können nach Neuseeland fliegende Paare eine komplette Dreier-Sitzreihe in der Economy buchen (einen Platz zusätzlich zu kaufen ist nicht so einfach). Auf diesen "Skycouches" – der Sitz hat eine spezielle, klappbare Lehne – ist dann hinten möglich, was bisher den Vornesitzern vorbehalten ist: Fliegen im Liegen – zumindest in Löffelchenstellung.

Nehmen Sie Platz

Auf manchen Plätzen kann es auch auf langen Flügen nett sein. Andere sollte man besser meiden. Wer es genauer haben will: Das Internetportal www.seatguru.com zeigt die Sitzplätze fast aller Airlines nach Flugnummer sortiert.

Vorne sitzen

First und Busines Class sind eigene Komfortwelten. Auch eventuell vorne liegende Economy-Class-Plätze sind erstrebenswert: Vor den Triebwerken ist es sehr leise, das Fahrwerk rumpelt nicht so sehr, der Blick hinaus ist ungestört.

In der Economy Plus

Mehr Beinfreiheit und oft auch mehr Service – für deutlich mehr Geld; Aufpreis von 10 bis 50 Prozent zum Preis eines Economy-Tickets.

Am Notausgang

Viele Airlines verlangen für die begehrten Plätze Aufpreise. Achtung: In einigen Flugzeugen kann man die Lehnen nicht kippen. Und manche der dicken Notausgangstüren haben keine Fenster.

An der Grenze

Die Sitze an den Trennwänden (bulkhead seats) bieten meist mehr Beinfreiheit, sind aber oft Reisenden mit Kindern vorbehalten.

Ganz hinten

Eigentlich kann es hier ganz kuschelig sein. Nachteil: Im Heck des Flugzeugs sind meist die Küche und die Toiletten, es kommen also immer Leute vorbei. Zudem lässt sich bei einigen Maschinen die Lehne nicht verstellen. Vorteil: In großen Maschinen gibt es hier nur zwei Sitze. Zudem kümmern sich Stewards und Stewardessen um die Hintensitzer oft ganz besonders.

Am Fenster

Für Träumer, die gern hinausschauen. In Maschinen mit stark gekrümmtem Rumpf ist es hier allerdings auch deutlich enger.

In der Mitte

Eine Strafe, man fühlt sich eingezwängt. Will man raus, müssen andere aufstehen.

Am Gang

Geschäftsleute sitzen am Gang: Man kann Zeitung lesen,die Beine ausstrecken und ist schnell ausgestiegen. Aber es kommen auch ständig Leute und Trolleys vorbei.

Mehr Platz

Einen Sitz-Mindestabstand gibt es nicht. Die internationalen Bauvorschriften für Verkehrsflugzeuge verlangen lediglich, dass ein Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden evakuierbar ist. Besonders gedrängt sitzen Passagiere in einer Finnair-Boeing 757-200 oder Air-Berlin-Boeing 737-800. Hier beträgt der Sitzabstand nur 74 cm, 17 cm weniger als an Bord eines Thai-Airways-A340-500.

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