Reisemedizin Reisemedizin: Schutz vor Tropenkrankheiten

Die gute Nachricht vorweg: Immer weniger Reisende infizieren sich im Urlaub mit Malaria, pro Jahr aber immerhin noch etwa 500 bis 600 Deutsche. Das Denguefieber hingegen breitet sich immer schneller aus. Wie kann man sich im Vorfeld gegen Tropenkrankheiten schützen? Wo ist das Infektionsrisiko hoch? Wogegen hilft eine Impfung? Mit Professor Dr. Christian G. Meyer, Tropenmediziner am Bernhard-Nocht-Institut in Hamburg, haben wir ein kleines Brevier für Fernreisende erstellt.

Malaria

Etwa 90 Prozent der Fälle treten in Afrika, südlich der Sahara, auf. Risikogebiete sind auch die nördliche Hälfte Südamerikas und große Teile Südostasiens. "Es sieht so aus, als würde sich die Krankheit ausbreiten", sagt Meyer. So galt noch bis vor kurzem: Malaria-Infektionen können in Höhenlagen über 1800 Metern ausgeschlossen werden. Doch inzwischen stimmt die Annahme nicht mehr. Der wichtigste Schutz: Moskitonetze, stichfeste Kleidung, abwehrende Substanzen. „Prophylaxe, also die vorbeugende Einnahme von Medikamenten, wird nur in Gebieten mit hoher Malariaverbreitung empfohlen. Wenn Sie Notfallmedikamente mitgenommen haben, sollten Sie sie nur einnehmen, wenn die Symptome eindeutig auf Malaria hinweisen und kein Arzt zu erreichen ist."

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So sollte Urlaub sein!

Dengue

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Die Stechmücke Aedes aegypti will Blut sehen: Mit ihrem Stich überträgt sie ein Virus; und die in den Tropen und sehr warmen Ländern gefürchtete Krankheit verbreitet sich extrem schnell. In Vietnam sind im vergangenen Jahr bereits mehr als 7300 Menschen erkrankt – zehnmal mehr als 2009. Auf eine Verdoppelung der Dengue-Fälle in Venezuela weist das Auswärtige Amt hin. Typische Symptome der Erkrankung: Fieber, Schwindel und schwere Muskel-, Glieder- und Gelenkschmerzen. „Besonders gefährlich ist die Zweitinfektion mit einem weiteren der vier Erreger-Typen“, sagt Meyer. „Dann treten oft lebensbedrohliche Komplikationen mit Blutungen und Schocksymptomen auf.“ Der einzige Schutz ist die effektive Abwehr der meist tagaktiven Mücken. Man kann das Fieber nicht ursächlich behandeln, nur die Symptome mit schmerzstillenden und fiebersenkenden Mitteln (z. B. Paracetamol, auf keinen Fall Acetylsalicylsäure wie in Aspirin).

Hepatitis A

Ausgelöst wird die Krankheit durch ein Virus, das in verunreinigten Nahrungsmitteln wie Muscheln und Krebstieren oder in Getränken stecken kann. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich, etwa auf Toiletten. Die Krankheitserreger befallen die Leber und verursachen Entzündungen, die meist zur typischen Gelbfärbung der Haut führen. Den Ruf einer harmlosen Krankheit besitzt Hepatitis A zu Unrecht. Denn während die Infektion bei jungen, gesunden Menschen meist einen milden Verlauf nimmt, sterben drei Prozent der Infizierten über 50 Jahren. „Hepatitis-A-Viren gibt es weltweit“, sagt Meyer. „Besonders verbreitet sind sie jedoch in warmen Regionen. So ist das Risiko, sich zu infizieren, in der Türkei schon 50-mal so hoch wie in Deutschland.“ Die größte Gefahr besteht bei Reisen nach Afrika, Mittel- und Südamerika, nach Ost- und Südostasien. Hygiene spielt eine wichtige Rolle, aber der beste Schutz ist eine Impfung. „Die körpereigene Abwehr hält dann mindestens zehn Jahre.“ Die meisten Krankenkassen übernehmen inzwischen die Kosten für eine Reiseimpfung.

Diarrhö

Es beginnt mit einem Grummeln: Je nach Reiseland leiden 10 bis 40 Prozent der Urlauber unter Reisedurchfall. Das höchste Risiko besteht in Mittel- und Südamerika, Afrika, Indien und Südostasien. Aber auch im europäischen Mittelmeerraum, in Israel, Japan, Südafrika und auf vielen Inseln im Pazifik kommt es häufig zu Durchfallerkrankungen. „In den meisten Fällen sind Kolibakterien oder Viren die Ursache“, so Meyer. Die Erreger gelangen vor allem über Nahrungsmittel oder Trinkwasser in den Körper. Ohne Therapie dauern die Symptome meist drei bis fünf Tage an; Durchfall kann übrigens die Wirkung der Pille aufheben. Die oft zitierte Essensregel „Koch es, schäl es oder vergiss es“ ist der wirksamste Schutz.

Wenn es um Reisekrankheiten geht, kennt sich kaum jemand besser aus als die Ärzte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Auf dieser Seite finden Sie das ständig aktualisierte Wissen der Experten: über Gesundheitsrisiken, deren Behandlung und Vorbeugung
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