Interview Freundschaftsdienste

Graham Jones nennt sich Internet- Psychologe – er analysiert, wie sich Menschen als User verhalten. Bei der Reisebuchung im Netz hat Jones einen Wandel beobachtet: Die wichtigste Entscheidungshilfe sei demnach das Urteil von Freunden

In der Psychologie unterscheidet man Introvertierte und Extravertierte. Erkennt man die auch an ihrem Reiseverhalten?

Mehr nach außen gewandte Persönlichkeiten brauchen Abwechslung, erkunden oft neue Reiseziele. Introvertierte suchen Stabilität und fahren Jahr für Jahr an denselben Ort.

Und wie ist es mit der Buchung?

Der Prozess ist gleich. Doch der Extravertierte bucht nur auf einer lebendigen, bunten Website, der Introvertierte erwartet eine solide Anmutung. Trifft eine Homepage den Ton nicht, wird sie weggeklickt.

Wie wichtig ist es, dass ein Anbieter seine Seriosität beweist?

Bevor wir die Kreditkartendaten eingeben, überprüfen wir, ob es sich um ein echtes Unternehmen handelt: Wir erwarten eine Adresse mit Straße und Hausnummer, nicht bloß ein Postfach, sowie eine E-Mail- Adresse und eine Telefonnummer. Wir wollen sehen, dass die Buchung sicher ist und dass sich der Warenkorb leicht ändern lässt. Das sind Signale für eine "gute" Geschäftsbeziehung.

Wie klar sichtbar müssen diese Signale sein?

Sehr! Am meisten hat sich die Geschwindigkeit verändert, mit der wir heute buchen. Früher verbrachte man viel Zeit auf einer Website, heute entscheiden wir in wenigen Sekunden.

Worauf vertrauen wir, genügt ein guter Name?

Bisher zählte vor allem die Marke, manche verreisten immer mit einem Veranstalter. Heute verlässt man sich auf das Urteil anderer User. Es ist wichtig, dass andere "unser" Urlaubsziel, "unser" Hotel gut finden. Da vertrauen wir einem Urinstinkt: Was viele tun und akzeptieren, kann nicht schlecht sein.

Viele vermeintlich objektive Bewertungen sind billige PR. Wieso verlässt man sich trotzdem auf die Urteile in sozialen Netzwerken?

Die Menschen wissen, dass es "faule" Kommentare gibt. Deshalb vertrauen sie vor allem "Freunden", was anonyme Tester sagen, zählt nicht. Darauf setzen aber viele Portale. Ich denke, soziale Netzwerke werden noch wichtiger.

Freundschaftsdienste

Der Internet-Psychologe Graham Jones weiß, welchen Bewertungen wir im Netz trauen

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