Trekkingausstattung Keine überflüssigen Pfunde

Die Welt der Trekkingausrüstung ist verführerisch - doch was gehört wirklich in den Rucksack? Um das herauszufinden, haben wir uns durch das große Angebot der Outdoorausstatter gewühlt

Der Plan: eine Trekkingtour mit leichtem Gepäck. Der Rucksack: riesengroß und bleischwer. Kein Wanderer hat Lust, sich die Tour durch die Alpen oder die skandinavische Wildnis von überflüssigen Pfunde auf dem Rücken vermiesen zu lassen - eigentlich. Doch beim Packen beschleicht viele dann Panik, etwas Wichtiges zu vergessen. Ein kurzer Gang auf die Waage, mitsamt Rucksack und Wanderschuhen, zeigt dann schnell ein zusätzliches Gewicht von 25 Kilo oder mehr - viel zu viel für einen entspannten Trekkingurlaub. Doch was kann ein Wanderer überhaupt (er-)tragen? Für diejenigen, die außer dem jährlichen Trekkingurlaub nicht daran gewöhnt sind, größere Lasten zu schleppen, beschränkt sich das Gewicht auf etwa 10 bis 12 Kilogramm für Frauen und maximal 17 Kilogramm für Männer. Mit mehr Gepäck wird das Genusswandern schnell zum Frustwandern; "Männer überschätzen sich in der Regel", so Semih Serbes, stellvertretender Leiter der Globetrotter-Filiale in Hamburg. Deshalb sollten sie sich erst recht an diesem Erfahrungswert orientieren. Was gehört also unbedingt in den Rucksack? Und was kann man getrost zuhause lassen?

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So nicht! Schwer beladen ist Wandern mehr Frust als Lust

Vieles ist unnötiger Schnickschnack

Ein kleiner Trick vorab: Je kleiner der Rucksack ist, desto gründlicher muss man überlegen, was noch hineinpasst. Große Rucksäcke verführen dazu, auch unnützes Zeug "nur für den Fall" einzupacken. Ein Trekkingrucksack mit etwa 50 bis 60 Litern Fassungsvermögen reicht aus. Doch auch ein kleiner Rucksack bietet viel Platz für Dinge, die nach dem Urlaub wieder unbenutzt ausgepackt werden. Zumal das Angebot der Outdoor-Ausstatter umfangreich und verführerisch ist. Doch nicht alles, was praktisch erscheint, ist es auch: Ein Eierkoffer oder eine Outdoor-Espressomaschine sind unterwegs verzichtbar.

Aber muss es wirklich die teure Ultralight-Ausrüstung sein um Gewicht zu sparen? "Nein", sagt Serbes, "wir warnen unsere Kunden vor allzu leichter Ausrüstung". Denn diese gehe auch leichter kaputt. Lieber sollte auf unnötigen Schnickschnack verzichtet werden um Gewicht zu sparen. Überflüssiges bleibt zuhause - bis auf eine Ausnahme: Der kleine Genuss, der für die schönen Glücksmomente zwischendurch sorgt.

Zum Beispiel, wenn man sich verlaufen hat, wie es Semih Serbes einmal in den Pyrenäen passierte: "Wir saßen dann da in der Hitze auf einem warmen Stein und wussten nicht mehr, wo wir sind. Und dann fragt mich auf einmal mein Kumpel: Willst du ein Bier?", erzählt er schmunzelnd. "Ich dachte, der ist verrückt! Da hat der die ganze Zeit vier Dosen Bier mit sich herumgeschleppt. Aber das Bier war in dem Moment so gut, dass der Tag gerettet war." Solcher Schnickschnack muss sein, findet Serbes, "genauso wie die Tafel Schokolade am Abend vor dem Zelt, wenn der Tag echt hart und anstrengend war".

Funktionskleidung gehört ins Gepäck

In manchen Bereichen sind extra leichte Materialien durchaus sinnvoll; vor allem bei der Kleidung. "Baumwolle zum Beispiel geht gar nicht", sagt Antje David, Mitarbeiterin bei Globetrotter. Denn Baumwolle sei schwer und quelle auf, wenn sie nass wird. Einmal nass vom Schweiß oder Regen, bekommt man sie nur bei schönstem Sonnenschein wieder trocken - völlig unbrauchbar also, ob bei gutem oder schlechtem Wetter. Besser eignen sich Materialien aus Synthetik oder Merinowolle. Die haben den Vorteil, dass sie Feuchtigkeit vom Körper weg nach außen transportieren. Allerdings empfiehlt Antje David, T-Shirts aus Merinowolle vorher Probe zu tragen: "Obwohl Merino-Wolle sehr weich ist, finden manche, mich eingeschlossen, dass die T-shirts auf der nackten Haut pieksen und greifen daher lieber auf Synthetikmaterialien zurück." Leider fangen gerade Synthetik-Stoffe oft schon nach einmaligem Tragen an zu riechen.

Wer das vermeiden will, sollte lieber auf die etwas teurere Merinowolle zurückgreifen. Das natürliche Material nimmt Körpergerüche nicht so leicht an, so dass ein T-Shirt auch an zwei Tagen hintereinander getragen werden kann.

Das kann zuhause bleiben:

Gefütterte Regenjacken:

Statt eine dicke Jacke anzuziehen, arbeitet man besser in Schichten: Wenn es kalt wird, einfach einen warmen Fleece unter einer dünnen Regenjacke anziehen. So ist man viel flexibler und kann, wenn die Sonne wieder rauskommt, eine Schicht ausziehen.

Luftmatratzen: Herkömmliche Luftmatratzen sind schwer und bei niedrigen Temperaturen wirken sie kaum isolierend. Denn die Luft im Innenraum kühlt sich durch die ständige Zirkulation immer wieder ab - Frieren ist fast vorprogrammiert.

Moskitonetz: So ziemlich jedes Zelt hat ein Innenzelt mit Moskitonetz. Bei Iglus kann das Innenzelt sogar einzeln aufgestellt werden - bei schönem Wetter die einfachste Möglichkeit unter freiem Himmel zu schlafen.

Isolierende Kochunterlage:

Falls wirklich einmal die Gefahr bestehen sollte, dass die Wiese unter dem Campingkocher brennen könnte, einfach Alufolie benutzen. Die kann wahlweise auch dafür genutzt werden um den frisch gefangenen Fisch darin zuzubereiten - Multifunktionalität!

Taschenlampe: Eine Taschenlampe wird spätestens dann unpraktisch, wenn man beim Kochen, Lesen oder Waschen Licht braucht. Viel besser eignet sich dagegen eine Stirnlampe: Die ist in der Regel nicht nur leichter, sondern leuchtet auch immer in Blickrichtung - und beide Hände bleiben frei.

Campinghammer: Anstatt eines schweren Gummihammers tut es auch ein Stein oder dicker Ast vom Wegesrand.

Leatherman: Im Prinzip ein praktisches und multifunktionales Werkzeug - aber wozu braucht man eine Zange in der Wildnis? Alternative: das gute alte Taschenmesser. Es ist leichter und genauso funktional.

Jeans und Baumwoll-T-Shirts: Alle Kleidungsstücke aus Baumwolle trocknen schlecht und wärmen nicht mehr, sobald sie einmal nass sind.

Dosenfutter: Ravioli aus der Dose haben ausgedient: Sie sind wenig nahrhaft und haben eine schwere Verpackung. Wenn es Fertignahrung sein soll, besser dehydriertes Tütenessen mitnehmen, das ist leichter und schmeckt ganz passabel. Kreative können aber auch aus einem Pfund Mehl allerhand zaubern: Kuchen, Stockbrot, Pfannkuchen - die Liste ist lang.

Espressomaschine: Es gibt sie wirklich, die Outdoor-Espresso-Maschine. Aber das ist wohl mehr ein Luxus-Artikel für den Wohnwagen - definitiv unnötiges Gepäck, das bei einer Trekkingtour zuhause bleiben sollte.

Kopfkissen:

Das gemütliche Daunenkissen ist beim Trekking ein reiner Luxusartikel. Besser nutzt man die Fleecejacke multifunktional auch als Kopfkissen.

Axt: Wenn es schon brachial werden soll, dann besser mit einem großem Messer. Denn ein stabiles Messer kann eine Axt ersetzen, eine Axt ein Messer jedoch nicht.

Für-später-mal-Einstellung:

Der Gedanke ist Verführerisch: Den Rucksack einfach eine Nummer größer kaufen, damit er auch genutzt werden kann, wenn im nächsten Urlaub mehr Gepäck mit muss. Doch das ist die falsche Einstellung - denn wer weiß, ob dieser nächste Urlaub tatsächlich kommt? Also: Immer das passende für die anstehende Reise kaufen.

Falsch gespart:

Halbschuhe und Turnschuhe: Schuhe, die nicht über den Knöchel reichen, geben in unebenem Gelände keinen Halt. Bänderdehnungen und abgeschürfte Knöchel sind die Folge. Wanderschuhe sollten daher immer einen hohen Schaft haben.

Jacken mit abtrennbaren Ärmeln: Reißverschlüsse sind immer Schwachstellen, an denen Kälte und Nässe eindringen kann. Außerdem ist ein Ärmel auch ganz schnell verschwunden, und eine Regenjacke mit einem Ärmel ist bei schlechtem Wetter nicht zu empfehlen.

Dünne Schlafsäcke: Es gibt nichts Schlimmeres als nachts zu frieren. Gerade im erschöpften Zustand friert man umso schneller. Wer einen zu dünnen Schlafsack mitnimmt, um ein paar Gramm zu sparen, hat an der falschen Ecke gespart.

Zipphosen Trekkinghosen mit abtrennbaren Beinen sind praktisch, sollten aber vorher ausprobiert werden. Denn bei einer stundenlangen Wanderung können die Reisverschlüsse an den Knien auch nerven. Für empfindliche Menschen kann das Scheuern an der Haut sogar richtig lästig werden. Daher im Zweifel besser eine kurze und eine lange Hose mitnehmen.

Notfallriegel Notfall-Energieriegel, bleiben eben Notfall-Energieriegel. Auch wenn die Riegel sehr nahrhaft sind und nur wenig Platz im Gepäck wegnehmen, sollten sie kein Ersatz für den normalen Proviant sein; für den Fall, dass man sich ohne Verpflegung in der Wildnis verirrt, sind ein paar Riegel aber eine sinnvolle Ergänzung.

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