Reise-Versteigerungen: Urlaub unterm Hammer

Aus den Niederlanden kommt dieser Internet-Trend: Online-Portale versteigern Reisen. Mitbieten macht Spaß. Doch lohnen sich die Preise und stimmen die Angebote?

"109 € statt 225 €" oder "219 € statt 449 €" - am Anfang steht bei groupon.de immer der Preis und die Message: Hier spart man die Hälfte. Möglichst reißerisch wird das Angebot beschrieben, etwa: "3 aufregende Tage in der bezaubernden Weichselmetropole Krakau" oder "3 Tage Nordsee-Klima inkl. Drei-Gänge-Menü, Wellness, Massagen und Thalasso im Fünf-Sterne-Hotel" in Husum. Da muss man eigentlich zuschlagen. Und damit man es tut, wird ein Countdown angezeigt, "Angebot läuft noch 30 Stunden, 27 Minuten und 40, 39, 38, 37, 36 Sekunden …" Doch halt! Wer versteigert das Hotelwochenende? Was ist von den Angeboten zu halten?

Dass die Buchung einer Reise ein Spiel sein kann, wissen wir, seit es Last-Minute gibt - und man mit einem gepackten Koffer zum Flughafen fährt, ohne zu wissen, wohin es geht. Portale wie groupon.de, topdeals.de, reisenersteigern.de und bietundweg.de würzen den Poker um den eigenen Urlaub mit dem Element des Zeitdrucks, diese Anbieter verstehen sich als Kombination aus Restplatzbörse und Auktionsplattform - sie verkaufen nicht bloß, sie bieten "Deals". Der Trend kommt aus den Niederlanden, wo vakantieveilingen.nl mit 150 000 Versteigerungen im Monat und 200 000 Besuchern pro Tag zum Riesenerfolg wurde. Der User muss sich kostenlos anmelden und kann dann mitbieten für lokale "Deals" wie eine Wellness-Anwendung oder für Angebote wie dieses auf topdeals.de: "1 Woche Traumurlaub in der Türkei im Wert von 890 Euro".

Reise-Versteigerungen: Urlaub unterm Hammer

Mitbieten macht Spaß - doch bei Groupon und Co. kommen nicht nur Schnäppchen unter den Hammer

Die Versteigerung startet mit einem Euro und endet nach drei Minuten, dann wird die nächste Reise angeboten. Wer den Verlauf einiger Versteigerungen verfolgt, dem fällt auf, dass alle Bieter ähnliche Namen haben, JrgenN1160 oder NataschaP167, dass es oft zu unmotivierten Gebotssprüngen kommt und die Reisen meist für 100 Euro verkauft werden. In der Reisebeschreibung erfährt man von der "Teilnahmepflicht" an "einer tollen Modenschau" und dem Einkauf "in einem renommierten Juweliergeschäft" - solche "Deals" kann man abhaken als Rheumadeckenreise 2.0. Auch die Kollegen von Stiftung Warentest warnen vor Schnäppchen, die keine sind. Zudem raten sie, die Preise zu vergleichen.

So lernt man, dass das eingangs beschriebene "Alte Gymnasium" in Husum zwar ein schönes Hotel ist - auch in GEO SAISON wurde es bereits vorgestellt -, dass aber der Preis von 219 Euro für "2 Übernachtungen für 1 Person" kein Sonderangebot ist. Das Hotel selbst wirbt mit dem Arrangement „Nordseeträume“, zwei Tage für zwei Personen für 438 Euro, zum selben Preis wie bei Groupon. Für dreißig Euro mehr gibt es das Upgrade ins Komfortzimmer. Unser Fazit: Lokale "Deals" lohnen sich oft. Bei Reise-Angeboten sollte man aber sehr skeptisch sein.

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