Gebrauchsanweisung für die Welt

Bestseller-Autor und Weltenbummler Andreas Altmann war auf allen Kontinenten unterwegs. Unterwegs entdeckte er magische Orte, tricksende Polizisten, aber vor allem die heilende Kraft des Reisens

GEO.de: Sie waren auf allen Kontinenten unterwegs und haben eine "Gebrauchsanweisung für die Welt" geschrieben. Klingt etwas vermessen, dieser Titel.

Andreas Altmann: Natürlich ist er eine Frechheit. Ich mache mich gleich in der Einleitung über ihn her. Die Welt "gebrauchen", so weit kommt es noch! "Leitfaden zum Bestaunen der Welt", das würde passen.

Und wie bestaune ich die Welt?

Mit Lebensgier! Neugier! Wissensgier! Nur wer davon getrieben wird, kann die Welt sehen, sie aushorchen, sie anstarren, vor Ergriffenheit heulen.

Sie erzählen von Begegnungen wie der mit einem schwarzen Taxifahrer in Chicago, der Sie mit seinem Blues-Gesang zu Tränen rührte, und mit Marouf, dem siebenjährigen Afghanen, den der Krieg hatte erwachsen werden lassen.

Wer hellhörig, feinfühlig und achtsam ist, erfährt viele magische Augenblicke: Momente, die ihn überschwemmen. Mit Glück, mit Innigkeit, mit der Gewissheit, gerade in diesen Sekunden etwas Mitreißendem, etwas ganz Tiefem zu begegnen.

In Südafrika sind Sie nur knapp einer Schießerei entkommen. Wird auf Reisen nur glücklich, wer kein Risiko scheut? Ich scheue viele Risiken. "Abenteurer", was für ein peinliches Substantiv! Armer Tropf, wer sich damit schmückt. Ich bin lieber ein Trickser, der durch die Hintertür verschwindet.

Sie tricksen auch bei den Papieren.

Da ich mehrmals von Straßenräubern, die nebenbei als Polizisten arbeiteten, zur Herausgabe von Schmiergeld animiert wurde, habe ich mir Ersatzführerscheine besorgt. Die halfen vor allem - na wo? - in Indien: Der Bulle glaubt, ich löse das konfiszierte Teil gegen Geld aus. Mache ich aber nicht. Ich helfe also dem Staat, indem ich Erpressung und Korruption unterlaufe. Soll keiner sagen, eine Schwindelei nütze nicht dem Allgemeinwohl

Ihr Bestseller "Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend" beschreibt Ihre kaputte Kindheit in Altötting. Nach vielen Therapien entdeckten Sie die heilsame Wirkung des Reisens.

Das Reisen hat mich nicht erlöst. Dafür war allein die Sprache verantwortlich, sprich, dass ich irgendwann das Talent in mir entdeckte, elegant ein Wort hinter das andere setzen zu können. Das hat mich vor dem Leben einer vielfachen Null bewahrt. Dass ich eher Reisebücher schrieb, hat nur mit meinem innigen Drang zu tun, der Vorhersehbarkeit eines ranzigen Lebens zu entkommen. Soll ich als Sesselfurzer verkommen? Nein, dann schon lieber hinaus in die weite, so magische, so anstrengende Welt.

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