Nur keine Panik

Hilfe, wo ist der Notausgang? Unser Autor hat bei einem Kurs für Passagiere gelernt, Ruhe zu bewahren, wenn es im Flugzeug turbulent wird

Das Flugzeug rüttelt, ein harter Aufschlag ist zu spüren. Rauch quillt aus den Gepäckfächern, wenige Sekunden, und ich kann die Hand vor Augen nicht mehr sehen. „Evakuieren! Evakuieren!“, schreit der Pilot. „Hierher! Hierher! Raus!“, rufen die Flugbegleiter. Wo waren noch mal die Notausgänge?

Die Lichtmarkierungen am Boden sind im dichten Weiß nicht zu sehen. Warum klemmt der Gurt plötzlich? Und woher kommt das leichte Schwindelgefühl, liegt das an giftigen Dämpfen?

In aufsteigender Panik werden einfache Handgriffe zu Herausforderungen, und ich komme nicht einmal auf die Idee, mich hinzuknien, um das rettende Band der Leuchtmarkierungen zu finden. Zum Glück ist das Unglück nur eine Übung. Mit einem guten Dutzend weiterer Teilnehmer stecke ich in einem Simulator, dem beweglichen Nachbau einer Boeing-737-Kabine, in der Halle des Trainingszentrums von British Airways am Flughafen Heathrow in London.

Als einzige Fluglinie bietet sie einen Flugsicherheitskurs für Passagiere an, den „Flight Safety Awareness Course“. „Man kann selbst eine Menge tun“, sagt Trainer Andy Clubb. „Ein Großteil der Unfälle ist überlebbar. Oft führen Verzögerungen bei der Evakuierung zu Todesfällen. Wer in einer solchen Situation die Kontrolle behält, ist klar im Vorteil.“

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Flugangst - muss nicht sein!

Also üben wir Ernstfälle. Eine zierliche Teilnehmerin soll den Notausgang über der Tragfläche öffnen: „Setzen Sie sich hin, nehmen Sie den Kopf nach hinten, sonst schlägt die Tür dagegen“, weist der Trainer sie an.

Sie stöhnt, als sie das sperrige, mehr als 20 Kilo schwere Teil auf ihren Schoß wuchtet. Im Notfall müsste sie es jetzt durch die Luke nach draußen werfen. „Ich glaube, das würde ich nicht schaffen“, sagt sie.

Für das nächste Desaster kehren wir zu den Sitzen zurück: Druckabfall, Atemmasken fallen herab. „Sie müssen sie sofort aufsetzen, denn man kann ohne Sauerstoff höchstens bis zu 15 Sekunden lang sinnvoll handeln.“ Die Information hilft gegen meine bisherige Überzeugung, dass nur Rabeneltern diese Anweisung befolgen. Schließlich stehen wir auf einer rund 20 Meter langen Rutsche aus grauem Kunststoff, die überraschend steil in die Tiefe führt: die Evakuierung, realistisch nachgestellt. Mulmige Gefühle – sieht nach ziemlich hohem Tempo aus, der letzte Ausweg.

„Unbedingt die Hände überkreuz vor dem Körper auf die Schultern legen, sonst gibt es Abschürfungen. Hinsetzen, nach vorn beugen, und los geht’s!“ Das macht sogar Spaß – so lange es nicht Ernst ist.

MEHR FLUGSICHERHEIT

Einfache Strategien, die in schwierigen Situationen helfen können:

Reihen zählen bis zum nächsten Ausstieg vor und hinter dem eigenen Sitz – als Orientierungshilfe bei Rauch

Schuhe anlassen oder wenigstens in Reichweite aufbewahren – sie schützen vor Hitze und Scherben

Klug kleiden: keine nackten Arme, Beine, hohen Absätze oder hitzeempfindlichen Kunstfasern

Klaren Kopf behalten: auf starke Beruhigungs- oder Schlafmittel möglichst verzichten

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