Doktor an Bord So können auch vorsichtige Menschen sorglos reisen

Titicacasee, Äthiopien, Aserbaidschan: Auch älteren und vorsichtigen Menschen steht die Welt offen, wenn ein Arzt mit von der Gruppenreise-Partie ist
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Nicht immer ist es das Alter, weshalb sich jemand für einen ärztlich begleiteten Urlaub entscheidet. Sondern der Respekt vor der ersten großen Fernreise

Sich einen Lebenstraum erfüllen und nach Bolivien zum Titicacasee reisen oder zu südindischen Tempelanlagen – trotz fortgeschrittenen Alters und der Angst vor Höhenkrankheit oder Magen- Darm-Infekten? Beides muss kein Hinderungsgrund sein, denn immer mehr Reiseveranstalter und Hotels stellen sich auf die wachsende Reisebegeisterung von Senioren und ihre Bedürfnisse ein. Wie die Stiftung für Zukunftsfragen vor einiger Zeit herausfand, ist die Generation 65 plus so reisefreudig wie nie zuvor. Jeder zweite Ruheständler ist mindestens fünf Tage im Jahr unterwegs und packt damit genauso oft die Koffer wie ein junger Erwachsener. Und das umso lieber, wenn auf einer Rundreise nicht nur ein Reiseleiter, sondern auch ein deutschsprachiger Arzt die Gruppe begleitet. Was zunächst das Spezialgebiet von Nischenanbietern wie Mediplus oder Tour Vital war, findet sich inzwischen auch bei großen Pauschalreiseveranstaltern wie Dertour oder Berge & Meer. "Wir verzeichnen ein stetiges Wachstum, was zu mehr Destinationen und Reiseterminen geführt hat", sagt Nina Meyer von Berge & Meer: Im Katalog gibt es etwa die Kombinationsreise "Äthiopien und Sansibar" oder die Rundreise "Armenien, Georgien & Aserbaidschan".

Etwa 50 bis 150 Euro mehr als eine herkömmliche Rundreise

"Das Segment hat großes Potenzial, besonders im Hinblick auf die demographische Entwicklung in Deutschland", fügt Carina Liebscher hinzu, Produktmanagerin bei Dertour. Das Frankfurter Unternehmen setzt vor allem auf exotische Ziele, da sich ältere Gäste Touren in Europa häufig auch allein zutrauten, bei Fernreisen nach Südamerika, Asien oder Afrika jedoch die Sicherheit der ärztlichen Begleitung schätzen würden. Etwa 50 bis 150 Euro mehr als eine herkömmliche Rundreise kostet der ärztlich begleitete Trip: Der Mediziner ist dabei ein Mitreisender, der im Fall einer Erkrankung oder eines Unfalls als Berater und Vertrauensperson fungiert. Er gibt eine erste Einschätzung, begleitet Betroffene, wenn nötig, zum Kollegen im jeweiligen Land und assistiert auch in der Apotheke als Übersetzer. Zudem leistet er Erste Hilfe, darf aber nicht praktizieren, da er außerhalb Deutschlands keine Zulassung hat. Ärztlich begleitete Reisen sind daher nicht geeignet für schwer chronisch Kranke, die konstant medizinische Versorgung benötigen. Hans Emde, Geschäftsführer von Tour Vital, beschreibt die Hauptzielgruppe seines Unternehmens vor allem als die fitte und mobile Generation ab 50. "Sie sind unternehmungslustig und gesund, nur etwas vorsichtiger als andere."

Eine Auslandskrankenversicherung sollte bestehen

Bei den Angeboten wird auch auf Bequemlichkeit geachtet: Direktflüge, hochwertigere Hotels, mehrtägige Ruhephasen. Studiosus hat dafür die Produktlinie "Mit Muße" entwickelt: Mit vierzig Reisen weltweit von Mallorca bis Indochina, auf denen die Gäste die Tage geruhsamer gestalten können, ohne die kulturellen Highlights zu verpassen. Und ohne in Stress zu geraten, wodurch sich ein zu hoher Blutdruck noch verstärken könnte. Die mitreisenden Ärzte sind zwar in Reisemedizin geschult, was aber vor dem Abflug nicht die Beratung in einem Zentrum für Reisemedizin oder Tropeninstitut und das eventuelle Auffrischen von Impfungen ersetzt. Auch eine Auslandskrankenversicherung sollte bestehen. Gibt es Vorerkrankungen wie Diabetes und muss Insulin gespritzt werden, gilt es vorab zu klären: Lässt sich das Mittel unterwegs ausreichend kühl lagern oder besorgen? Manchmal aber ist es gar nicht das Alter, weshalb sich jemand für einen ärztlich begleiteten Urlaub entscheidet, sondern der Respekt vor der ersten großen Fernreise und die Angst, was einen dort erwartet. Der jüngste Kunde von Berge & Meer war 20.

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