Forschung Reisen macht nicht nur glücklich, sondern auch schlau

Das Eintauchen in andere Kulturen, das Entdecken von einsamen Landschaften und die Begegnungen unterwegs machen das Reisen aus. Forscher haben nun herausgefunden, dass es uns nicht nur glücklich, sondern auch schlau macht
Mensch vor der Kulisse von Stokksnes auf Island

Ein Ausflug in andere Kulturen oder Umgebungen fördert unsere Intelligenz und Kreativität

Reisen macht glücklich - das besagen nicht nur einschlägige Sprichwörter, sondern auch wissenschaftliche Studien, wie zum Beispiel die der Universität Tampere in Finnland. Laut den Ergebnissen der Studie erholen wir uns an einem Tag im Urlaub besser, als an einem freien Tag zu Hause, was unter anderem an den fehlenden Pflichten, wie Wäschewaschen oder Einkaufen liegt, aber auch an dem Szenen-Wechsel und den damit einhergehenden neuen Erfahrungen. All das im Gesamtpaket mache uns glücklicher als freie Zeit im Allgemeinen.

Eine andere Studie in Großbritannien ergab, dass Ferienerlebnisse mit der Familie Kinder glücklicher machen als Spielsachen. Erforscht wurde dabei nicht nur der Zusammenhang zwischen Reisen und Zufriedenheit, sondern auch, welchen positiven Einfluss ein Familienurlaub noch auf die Psyche der Kinder haben kann. Das Ergebnis: Reisen fördert die Intelligenz! Demnach sind Kinder mit Reiseerfahrung konzentrierter und besser in der Schule, da gleich zwei wichtige emotionale Systeme des Gehirns auf einer Reise aktiviert würden. Diese benannte der renommierte Neuro-Wissenschaftler Jaak Panksepp als Play und Seeking. Auf seiner Forschung an der Washington State University basierend, erklärte die Kinderpsychologin Margot Sunderland in einem Gastbeitrag in der englischen Zeitung The Telegraph, warum Eltern also besser in einen Kurztrip mit den Kindern investieren sollten als in eine Spielekonsole.

Auch Erwachsene profitieren vom Reisen

Doch auch wer nicht von Kindesbeinen an in der Weltgeschichte unterwegs war, kann durch das Reisen zu einem späteren Zeitpunkt seine Intelligenz anregen. Das wiederum fand Forscher William W. Maddux, Professor für Organisationsmanagement bei INSEAD, heraus. Er untersuchte internationale Studenten, die aufgrund ihres Master-Studiums im Ausland lebten, und fand heraus, dass sie ein hohes „multikulturelles Engagement“ (schnelles Anpassen an neue Kulturen) sowie gleichzeitig eine höhere „integrative Komplexität“ hatten. Damit ist die Bereitschaft und Fähigkeit gemeint, verschiedene Sichtweisen zu erkennen und nachzuvollziehen.

Ihre Bereitschaft, sich schnell für neue Kulturen zu sensibilisieren und deren Sichtweisen auf Dinge oder Probleme nachvollziehen zu können, ließ sie den nationalen Studenten stets einen Schritt voraus sein. Das schlug sich am Ende des untersuchten Master-Programms sogar auf die Jobsuche nieder. Die internationalen Studenten erhielten schneller eine Position, als jene, die in ihrem kulturellen und sozialen Umfeld geblieben waren. Etwas Ähnliches geschieht mit uns, wenn wir in fremde Länder reisen, uns der neuen Kultur und den Erlebnissen stellen, die fernab von unserem gewohnten Umfeld auf uns warten. Diese Erlebnisse verändern unser Weltbild und lassen uns Probleme sowie Aufgabenstellungen mit anderen Augen sehen sowie mit frischen Ansätzen lösen.

Bereits 2009 untersuchte Maddux gemeinsam mit einem Kollegen, welche Faktoren die Kreativität beim Lösen von Aufgaben positiv beeinflussen. Die eine Hälfte der teilnehmenden Studenten wurde darum gebeten, sich ein Reiseerlebnis in Erinnerung zu rufen und es aufzuschreiben, ehe sie den sogenannten RAT-Test machten — die andere Hälfte nicht. Das Ergebnis: Diejenigen, die vorher ihre Reisen reflektierten, lösten 50 Prozent mehr der Aufgaben als die anderen Studenten. „Wir fanden heraus, dass die Kreativität deutlich höher bei denjenigen war, die sagten, sie hätten sich an die fremden Länder angepasst, als die, die es nicht taten”, heißt es in der Studie.

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