Dramaturgie überlegen

Hauke Dressler: "Ein Fotobuch braucht eine Dramaturgie, ganz ähnlich wie eine Reisereportage. Die stärksten Bilder kommen an den Anfang und den Schluss – so bleiben sie beim Betrachter am ehesten im Kopf."

Den Betrachter neugierig machen

Zwei Bilder, ein Gedanke: den Betrachter neugierig machen auf die Geschichten einer Reise. Das Monument Valley in Utah und der Mann mit dem Hut in Texas (l.) – diese beiden Fotos, auf einer Doppelseite vereint, zeigen die verschiedenen Aspekte und die Stimmung der USA-Tour von Hauke Dressler. Die Aufnahme aus Terlingua Ghost Town hat der Fotograf in Schwarzweiß ausgearbeitet: "Der Platz vor dem Saloon, der alte Musiker und die Engelsfigur: Farben hätten hier nur gestört. Zudem ergeben solche Kontraste – eine Landschaft in Farbe und Details in Schwarzweiß – oft einen schönen Effekt in einem Fotobuch."

Strenge Auswahl

"Optimal finde ich 30 Bilder für ein Fotobuch. Damit muss ein Thema erzählt sein. Keine Wiederholungen, keine fünf Wüsten oder Strandfotos – Abwechslung! Lieber noch ein anderer Aspekt dazu. Vertrauen Sie auf die Kraft Ihrer Fotos."

Aus Bildern eine Geschichte machen

"Nicht alle Bilder, die man mitbringt, eignen sich für Doppelseiten. Doch sie sollten gut kombinierbar sein. Darum wähle ich schon beim Fotografieren schräge Perspektiven, knipse Details, suche spannende Ausschnitte. Oder bearbeite sie in ähnlicher Farbgebung. Auf Magazin- oder Fotobuchseiten lässt sich das dann wie eine Erzählung zusammensetzen. Besonders gut klappt das mit Quadraten, aber auch in Hochformaten."

Bildband gestalten

"Meinen Bildband würde ich im Magazin-Format anlegen, also Hochformat, Größe etwa DIN A4. Ich bevorzuge mattes Papier: das wirkt hochwertiger, Farben erscheinen natürlicher, wenn das Papier nicht reflektiert. Bei der Beschriftung bin ich zurückhaltend. Wenig Text, in einer Schrift ohne Schnörkel. Wichtig: Nicht alles von einer Reise in ein Fotobuch stopfen. Besser nach Themen ordnen und mehrere Bücher anlegen. Auf den Titel
kommt ein Foto, das die Reise schön zusammenfasst und dabei auffällt. Und nicht vergessen: den Buchrücken beschriften – fürs Regal!"

Solo auf zwei Seiten

"Das Bild des legendären ›Roy’s Motel‹ in Kalifornien eignet sich ausgezeichnet als Doppelseite in einem Fotobuch – Einzelauftritt! Es erfüllt alle Kriterien: betonter Vordergrund mit dem gut ausgeleuchteten Werbeschild, gutes Licht im Hintergrund, dazu Spannung zwischen linker und rechter Bildseite."

Pur oder gerahmt?

"Die einfachste und schönste Art ein Bild zu präsentieren, ist für mich: ohne Rand, ohne Hintergrund. Und bloß keine Zierleisten! Die Bilder sollten für sich stehen, sie brauchen keine Verstärkung. Das ist meine persönliche Art des Präsentierens, doch es gibt auch eine andere Schule: Ein weißer oder schwarzer Hintergrund kann ein Bild edler wirken lassen, ähnlich wie ein Passepartout in einer Galerie. Rahmen gezielt einzusetzen schafft Abwechslung, lenkt den Blick des Betrachters. Damit kann man in einem Fotobuch ruhig mal experimentieren."

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