Motive finden: Das Besondere im Alltäglichen entdecken

Fotografen zieht es oft zu spektakulären Orten. Aber um ein gutes Bild zu machen, ist nicht das Motiv allein entscheidend - oft sind die äußeren Bedingungen sogar noch wichtiger. Wenn die Bedingungen passen, kann man direkt vor der Haustür wunderbare Impressionen einfangen: Nach einer Fototour durch die Wälder Ostbayerns warf ich einen beiläufigen Blick in den Wald hinter dem Garten meiner Eltern - den Abenteuerspielplatz meiner Kindheit. Das Tor im Zaun war damals die Pforte in eine andere Welt. Umso überraschter war ich, dass der Wald an diesem Tag tatsächlich wie verzaubert war. Nebel zog zwischen den Bäumen, doch von oben schien bereits die hoch am Himmel stehende Sonne auf das Blätterdach. Goldenes Licht durchflutete den Nebel, und der gesamte Wald schien förmlich zu leuchten. Ich lief zu dieser Stelle am geologischen Lehrpfad Tännesberg - oft hatte ich sie besucht, aber nur an diesem Tag war die Lichtstimmung so einmalig.

Der Landschaftsfotograf Kilian Schönberger reiste auf den Spuren deutscher Sagen durch die Republik – und ist 77.000 Kilometer später mit poetischen Aufnahmen zurückgekehrt. Sie sind in dem Bildband "Sagenhaftes Deutschland" zu finden. Auch auf Instagram ist der Outdoor-Fotograf aktiv.

Bildideen entwickeln: Beobachten Sie genau

Eichhörnchen sind sehr flinke Tiere. Mit Hilfe ihres buschigen Schwanzes balancieren sie in schwindelerregenden Höhen umher – ohne je den Tritt zu verlieren. Besonders im Herbst, wenn sie damit beschäftigt sind, Nahrungsvorräte für den drohenden Winter zu verstecken, sind sie sehr aktiv und gut zu beobachten. Genau zu dieser Zeit machte ich mich auf, um in einem Dortmunder Stadtpark Bilder von Eichhörnchen zu machen. Dort sind sie die Anwesenheit von Menschen gewohnt – eine gute Möglichkeit, um zu neuartigen Bildern zu kommen. Eine Weile zuvor beobachtete ich den so schön leuchtenden Schwanz der Tiere im Gegenlicht. Ich machte es mir zur Aufgabe, diese Szene in einem Bild einzufangen. Mit der Unterstützung von zwei Blitzgeräten hinter einer von den Tieren stark frequentieren Wurzel wartete ich viele Tage auf den richtigen Augenblick. Trotz des Einsatzes von Kunstlicht benötigte ich einen sonnigen Tag für ein ausgewogenes Licht im Bild. Natürlich durfte auch das Eichhörnchen nicht fehlen und sollte sich schön positionieren. An einem leuchtenden Septemberabend gelang es endlich – ein besonderes Foto einer scheinbar gewohnten Tierart!

Fotograf Hermann Hirsch wurde von der renommierten Gesellschaft Deutscher Tierfotografen als „Naturfotograf des Jahres 2013“ ausgezeichnet. Mit damals 18 Jahren war er der jüngste Gesamtsieger in der Geschichte des Wettbewerbs. Auf Facebook ist er hier zu finden.

Langzeitbelichtungen: Taschenlampe nicht vergessen

In einer Vollmondnacht Anfang Oktober 2014 ist diese Fotografie für unser Buchprojekt „Deutschland Sinfonie“ entstanden. Wir hatten ganz klare Vorstellungen, wie wir dieses bekannte Motiv neu und anders umsetzen wollten. Der Wetterbericht hatte uns für diese Mondnacht einen wolkenlosen Himmel versprochen, also genau die richtigen Bedingungen für eine lange Belichtung. Speziell für dieses eine Motiv sind wir dann in den Teutoburger Wald aufgebrochen, und alles war dann ganz anders. Anders als versprochen, war der Himmel wolkenverhangen und stellte unsere Geduld auf eine lange Probe. Dafür wurden wir aber mit einem windstillen Abend belohnt. Nachdem sich große Teile der Wolken verzogen hatten, belichteten wir um 23:11 Uhr genau 929 Sekunden. Die unbewegten Gräser im Vordergrund beleuchteten wir dann ab und zu mit unserer Taschenlampe. So entstand ein magisches Bild von einem mystischen Ort. Die leicht aufgefächerten, ziehenden Wolken verleihen dieser Stimmung noch den ganz besonderen Reiz.

Als Fotografenpaar aus Vater und Sohn haben Horst und Daniel Zielske Metropolen in der ganzen Welt porträtiert. In ihrem Buch „Deutschland Sinfonie“ werfen sie einen romantischen Blick auf ihre facettenreiche Heimat.

Perspektivwechsel: Oft reichen schon wenige Meter

Durch die Drohnenfotografie habe ich für mich völlig neue Perspektiven beim Fotografieren entdeckt. Diese waren früher nur mit konventioneller Luftbildfotografie zu verwirklichen – was jedoch sehr aufwendig und teuer war. Am Fotografieren mit einer Drohne reizt mich nicht so sehr das eigentliche Fliegen. Es sind mehr die ungewöhnlichen Blickwinkel, die ich zum Teil schon aus geringen Höhen erzeugen kann. Oft reichen schon einige Meter Höhe, um eine völlig neue Betrachtungsweise der Landschaft zu erzielen. Licht und Schatten entwickeln von oben ihre ganz speziellen Reize und wirken auf den Betrachter ungewohnt und zum Teil mystisch. Bei meinen ausgiebigen Exkursionen durch meine schwäbische Heimat entdecke ich immer wieder neue reizvolle Motive. So wie diesen kleinen, versteckten Waldsee im schwäbischen Stromberg. Von unten sieht der kleine See recht unspektakulär aus. Betrachtet man ihn aber aus der Vogelperspektive und bei richtigem Licht, in diesem Fall spät abends, gibt er seine ganz speziellen Reize preis. Die herbstliche Jahreszeit verlieh dem Motiv noch ein unglaubliches Farbenspiel, das man in unseren Regionen nicht vermutet.

Drohnen-Experte Hardy Richter erstellt mit seinem Unternehmen „team2fly“ weltweit professionelle Luftaufnahmen.

Wetter: Gut ist nicht gleich schön

Für mich steht und fällt ein gelungenes Foto mit dem Wetter. "Gutes" Wetter, das bedeutet für mich vor allem stimmungsvolles Wetter. Nebel lässt mein Herz höher schlagen, und oft prüfe ich deswegen am Vorabend extra die Wettervorhersage. Wenn ich denke, dass am nächsten Morgen alle Konditionen passen könnten, dann rufe ich gleich ein paar Freunde zusammen. Den Wecker stelle ich so ein, dass wir pünktlich zum erhofften Sonnenaufgang am gewünschten Spot sind. Oft planen wir an einem bestimmten Ort zu fotografieren, aber bei diesem Foto war alles nicht nach Plan. Der Nebel war so dicht, dass der Sonnenaufgang nicht zu sehen war. Wir sind durch die Gegend gewandert, bis wir an diesem Waldstück ankamen. Die Anordnung der Bäume war einfach perfekt, und ich hatte sofort das fertige Foto vor Augen. Meinen Kumpel habe ich auf dem Stein im Vordergrund platziert und durch die Perspektive von weit unten und ein Weitwinkelobjektiv wollte ich die eh schon großen Bäume noch mächtiger wirken lassen. Der Nebel hat dem Ganzen noch einen mystischen Touch verliehen.

Mit mehr als 200.000 Followern zählt der Nürnberg Patrick Monatsberger zu den erfolgreichsten deutschen Fotografen bei Instagram. Erst ist Teil des Outdoor-Fotografen-Kollektiv German Roamers.

Ein Motiv, viele Facetten: Das Licht macht den Unterschied

Die Saarschleife hat für mich etwas Besonderes, was mich immer wieder zu diesem Platz zurückkehren lässt. Nachdem ich meine gesamte Kindheit in den umliegenden Wäldern verbracht habe, ging mit den Jahren eine gewisse Blindheit für diesen heimischen Ort einher. Und doch ist jeder Sonnenaufgang völlig unterschiedlich. Eine kalte Nacht Anfang Juni brachte mich in den frühen Morgenstunden zu dem Entschluss, einen weiteren Sonnenaufgang dort zu fotografieren - als die Chancen auf Nebel der Saar entlang stiegen und die vorher dichte Wolkendecke langsam aufbrach. Auch in der Landschaftsfotografie ist es wichtig, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Je nach Standpunkt sind Sonnenaufgang und Sonnenuntergang besonders empfehlenswert. Sie lassen viele Orte in völlig anderem Licht erscheinen. Insbesondere die Morgenstunden geben einem häufig auch die Möglichkeit, sonst überlaufene Orte nahezu menschenleer vorzufinden. Um 5:57 Uhr entstand dieses Foto. Der Nebel begann sich langsam zwischen den Bäumen zu verflüchtigen, um noch vor den ersten Sonnenstrahlen verschwunden zu sein.

Johannes Nollmeyer ist passionierter, junger Landschaftsfotograf. Auf Instagram begeistert er mehr als 20.000 Follower mit seinen Bildern.

Fotografie ist Handwerk: Nehmen Sie sich Zeit

Dieses Bild aus der Teufelsschlucht bei Echternach entstand mit einer Leica M Monochrom (eine digitale Messsucherkamera ohne Farbfilter) an einem sehr nebligen Herbsttag. Durch den Nebel wurde das Gespenstische dieser dunklen Felsformationen noch stärker betont. Ich weiß, wenn ich im Frühling oder Herbst bei Nebellagen in Tälern unterwegs bin, habe ich beste Voraussetzungen für stimmungsvolle Bilder. Dieser Felsen hat mich praktisch "angesprungen". Ich sah ihn und hatte sofort das Bild im Kopf. Doch muss man Bilder nicht nur erkennen, sondern auch umsetzen können. Welche Kamera? Welches Objektiv? Welche Blende? Brauche ich einen Filter? Zudem arbeite ich immer mit stabilem Stativ und Wasserwaage, damit der Horizont gerade bleibt (ganz wichtig bei Weitwinkelobjektiven!). Wenn ich all diese Dinge in Betracht ziehe, kann eine Einstellung schon mal 10 Minuten in Anspruch nehmen. Zudem fehlt bei den Leica-M-Kameras der Autofokus und der Bildstabilisator. Alles muss per Hand eingestellt werden - wunderbar altmodisch! Aber das macht für mich Fotografie aus. Es ist Handwerk! Außerdem belichte ich so viel weniger Bilder und muss nicht so lange am Rechner sitzen. Ich unternehme alles, um die Rechnerzeit zu verkürzen. Ich möchte immer draußen das fertige Bild machen.

Schon viele Dutzend Male hat Norbert Rosing als Fotograf die Arktis bereist und dokumentiert. Doch auch die unterschiedlichen heimischen Landschaftsformationen begeistern ihn seit Langem. Zu diesem Thema wird er im Herbst einen Bildband mit dem Titel "Mein Wildes Deutschland" veröffentlichen. Wer mit dem Fotograf zusammen auf Erkundungstour gehen möchte, kann dies hier tun.

GEO Reise-Newsletter