Flugzeugtechnik Immer in Kontakt

Nach dem Absturz von MH 370 soll neue Technik verhindern, dass Flugzeuge spurlos verschwinden, die Fluggesellschaften in die Pflicht zu nehmen, könnte das größere Problem werden
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Technisch wäre es kein Problem mit der Blackbox in Verbindung zu stehen, doch es ist kostenspielig für die Airlines und noch keine Pflicht

Das letzte Signal kommt morgens um kurz nach acht: Ein Satellit über dem Indischen Ozean fängt ein Funksignal von Flug MH 370 ab. Es ist der 8. März 2014, die Maschine der Malaysia Airlines ist seit fast sechs Stunden nicht mehr zu erreichen. Doch einmal pro Stunde sucht sie noch automatisch den nächsten Satelliten. "Handschlag" nennen das die Fachleute. Für MH 370 ist es das Lebewohl. Danach verschwindet das Flugzeug mit 239 Menschen an Bord spurlos – irgendwo zwischen Kasachstan und Australien. Wie kann das sein? Jeder Passagier könnte seinen Standort mit Google Maps auf Facebook posten – aber die Airlines wissen nicht, wo ihre Maschinen sind?

MH 370 ist nicht der erste Fall. Auch bei der 2009 vor Brasilien abgestürzten Air-France-Maschine dauerte es fast zwei Jahre, bis das Wrack in 4000 Meter Tiefe entdeckt wurde. Bei MH 370 gelingt das vielleicht nie. Für die Angehörigen ist es unerträglich, nicht zu wissen, wo ihre Lieben liegen und warum sie sterben mussten. Auch deshalb sucht eine Kommission des Branchenverbandes IATA nun nach Standards für die Positionsbestimmung, das sogenannte "Tracking". Technisch wäre es kein Problem, die Daten aus der Blackbox zu senden. Aber es ist nicht billig und keine Pflicht – weshalb es kaum eine Fluggesellschaft tut. Die meisten westlichen Airlines nutzen zwar das für die Wartungsdaten entwickelte ACARS-System, das über Satellit oder Flugfunk sendet. Doch es "bietet kein echtes Tracking", sagt Markus Wahl, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. "Die Positionsdaten werden nicht bei allen Airlines gesendet." Seit 2009 gibt es den Vorschlag, ACARS zu einer Art Online-Blackbox auszubauen, die auch die Position kontinuierlich übermittelt. Wenn alle Flugzeuge weltweit permanent Informationen senden, führt das zu ungeheuren Datenmengen, warnt die IATA. Man suche zunächst nach Kriterien, wann eine Übertragung ausgelöst wird. Eine mögliche Lösung ist das kanadische System FLYHTStream. Es sendet die Blackbox-Daten bei bestimmten Messwerten automatisch an die Airline. Der Anbieter verspricht weltweit lückenlose Netzabdeckung. FLYHTStream könne derzeit nicht eingesetzt werden, sagt Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty: "Es basiert auf dem Iridium-Satellitensystem, das wir bei Passagiermaschinen nicht installiert haben." Ein kostenloses Tracking bietet der Satellitenbetreiber Inmarsat. Alle 15 Minuten könnten Jets damit ihre Position funken. Die Hardware dafür müssten die Unternehmen allerdings selbst anschaffen. Die Lufthansa prüft das Angebot noch. Auch wenn dies nicht den Absturz von MH 370 verhindert hätte, wenigstens wäre sie zu finden.

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