Risiko im Badeurlaub Hotelpools. Mit Vorsicht zu genießen

Der nächste Familienurlaub steht bald an, damit Ihr heißgeliebter Badeurlaub für Eltern und Kinder nicht zum Albtraum wird - sollten Sie ein paar Dinge unbedingt beachten. Hier beantworten Experten die wichtigsten Fragen rund um die Gefahrenquelle Hotelpool
Hotelpools. Mit Vorsicht zu genießen

Obacht am Hotelpool! Der große Badespaß kann zum Albtraum werden. Kinder sollten beim Planschen daher nie unbeaufsichtig sein

Welches sind die grössten Gefahrenquellen?

Tückisch sind die Ansauganlagen am Boden oder an der Beckenwand. Sie saugen das für Rutschen, Duschen oder Gegenstromanlage nötige Wasser aus dem Pool. Und werden zur Gefahr, wenn die Schutzgitter nur lose davorgeschraubt, beschädigt oder gar nicht vorhanden sind. Gerät ein Kind mit den Haaren in diese Anlage, gelingt es selbst mehreren Erwachsenen nicht, es aus diesem starken Sog zu befreien.

"Außerdem müssen die Gitter so groß sein, dass niemand sie mit seinem Körper vollflächig abdecken kann. Sonst entsteht ein lebensgefährliches Vakuum, auch für Erwachsene", sagt Alexander Göb. Genau diese Falle kostete seinen achtjährigen Sohn Lucas 2011 in einem Hotel auf Fuerteventura das Leben. Alexander Göb ließ sich danach zum Pooltester ausbilden und kämpft heute mit seiner Organisation "Parents4Safety" für verbindliche Standards.

Wer muss für Poolsicherheit Sorge tragen?

Reiseveranstalter und Hotelbetreiber haben eine sogenannte Verkehrssicherungspflicht, also die gesetzliche Auflage, Gefahren abzuwenden. Das ist oft nur Theorie. In der Anlage, in der Lucas starb, hatten sich bereits in den Jahren zuvor mehrere Unfälle ereignet. Die Verantwortlichen unternahmen nichts. "Es ist unglaublich", sagt Alexander Göb, "wenn Sie im Hotelrestaurant dreimal kalte Spaghetti serviert bekommen, gilt das als Reisemangel. Stirbt Ihr Kind, ist das auch ein Reisemangel!"

Wer prüft Hotelpools und wie?

Der TÜV Rheinland übernimmt das regelmäßig, allerdings nur, wenn ein Hotel oder ein Veranstalter ihn beauftragt. Routinemäßige Pflichtprüfungen gibt es nicht. Mit einem Strömungsmessgerät wird die Ansauggeschwindigkeit ermittelt. Die darf nicht höher sein als 0,3 Meter pro Sekunde. Der Vakuumtest soll zeigen, ob sich ein luftleerer Raum bilden kann, wenn jemand mit einem Körperteil das Gitter abdeckt. Und mit der Haarfangprüfung wird die richtige Größe des Gitters überprüft.

Worauf sollten Eltern achten?

"Ein einheitliches Zertifikat existiert leider nicht", sagt Olaf Seiche, Pooltester vom TÜV Rheinland. Eltern sollten die Anlage also selbst in Augenschein nehmen. Sind Leitern und Überläufe sicher befestigt? Liegen elektrische Kabel herum? Das liefert Anhaltspunkte. Besonders wichtig ist der Zustand der Ansauganlagen: Ist ein Gitter vorhanden?

Ist es so befestigt, dass es sich nicht ohne Schraubenzieher lösen lässt? "Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es großen Abstand zu diesen Anlagen halten muss", rät Olaf Seiche.

Er warnt jedoch vor dem vielfach empfohlenen Handtuchtest: "Wer ein Handtuch in die Ansauganlage hält, läuft Gefahr, selbst angesaugt zu werden. Außerdem stoppt das den Wasserzulauf der Rutsche. Wer gerade rutscht, kann Verbrennungen erleiden." Eine umfangreiche Checkliste und Fotos stellt Alexander Göb auf seiner Website bereit.

Wie sicher sind Hotelpools heute?

Nachdem 2011 mehrere Kinder ertrunken waren, startete der deutsche Reiseverband (DRV), dem auch die Reiseveranstalter TUI und Thomas Cook angehören, eine Initiative für mehr Sicherheit. Pooltester wurden ausgebildet und mehrere 1000 Anlagen in den beliebtesten Urlaubsgebieten geprüft. Jede zehnte wies erhebliche Mängel auf, einige mussten geschlossen werden.

Prüfstandards wurden erarbeitet, Konsequenzen für Hotelbetreiber festgelegt. Rechtlich relevant ist die Initiative nicht, sie beruht auf Freiwilligkeit. 2013 beendete der DRV sein Projekt und übergab das Thema wieder an die verantwortlichen Veranstalter und Hotelbetreiber.

Seither hat sich die Situation kaum verbessert, wie Poolprüfer Olaf Seiche vom TÜV Rheinland 2014 feststellen musste: "Von den geprüften Anlagen in der Türkei fielen 9 von 10 durch – mit lebensgefährlichen Mängeln."

Wie liesse sich die Situation verbessern?

"Jeder Pool sollte einen Vakuumwächter haben – eine Anlage, die automatisch die Pumpen ausschaltet, sobald ein Vakuum oder Widerstand entsteht", sagt Olaf Seiche. Die Löcher des Schutzgitters dürfen nicht größer als drei Millimeter sein, dann können Haare nicht angesaugt werden. Vor allem braucht es transparente Prüfmethoden. Ein verbindliches Siegel mit einheitlichen Kriterien würde helfen.

Alexander Göb hat einen ehemaligen Hotelpool in Bad Orb zur Testanlage umrüsten lassen, der einzigen in Deutschland. Mit professionellen Testreihen werden Unfallursachen und technische Lösungen untersucht, um das unzureichende Regelwerk zu ändern.

Weitere Infos

www.parents4safety.de

Ulrike und Alexander Göb unterstützen mit ihrer Organisation "Parents4Safety" Betroffene und informieren über Poolmängel. Eine Pool-Checkliste wird zum Download angeboten.

www.drv.de

Der Deutsche Reiseverband bietet auf der Website ein Info-Blatt zum

Download an.

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